Ein Eisbär am Fenster einer Polarstation am Ufer der Tikhaya-Bucht auf der Insel Hooker des Archipels Frantz Josef Land. | Bildquelle: picture alliance / Vera Kostamo/

Russische Insel im Nordpolarmeer Notstand wegen Eisbären-Alarms

Stand: 10.02.2019 11:21 Uhr

Sie sollen bereits Menschen angegriffen haben und dringen in Häuser ein: Wegen zu vieler Eisbären auf einer russischen Insel im Nordpolarmeer haben die Behörden den Notstand ausgerufen.

Die Bären nähern sich seit Dezember immer wieder menschlichen Siedlungen in der Region Archangelsk, berichtet die Nachrichtenagentur Tass. Es sind zu viele Tiere, deshalb haben die Behörden auf der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer den Notstand ausgerufen.

Mindestens 52 Tiere wurden in der Nähe der Siedlung Beluschja Guba gesichtet. Bis zu zehn Bären hielten sich dort ständig auf. Einige dieser Tiere hätten bereits Menschen angegriffen und seien in Häuser und Büros eingedrungen, berichten örtliche Medien. Die Menschen hätten Angst, ihr Zuhause zu verlassen, sagt der Gouverneur der Region. Eltern hätten Angst, ihre Kinder in die Schule oder in den Kindergarten gehen zu lassen. In der Nähe von Kindergärten wurden zusätzliche Zäune aufgestellt.

Menschen würden "regelrecht gejagt"

Einige Bären würden Menschen "regelrecht jagen", sagte der Chef der örtlichen Behörde, Schiganscha Musin. Er lebe seit 1983 auf der Insel, aber so viele Bären habe er noch nie erlebt.

Militärpersonal und Angestellte würden mit Spezialfahrzeugen zur Arbeit gebracht, hieß es. Es gebe auch Patrouillen, doch die Maßnahmen hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Die Bären ließen sich nicht durch Hunde oder Streifenwagen abschrecken. Auf Nowaja Semlja ist auch das russische Militär stationiert.

Ein Eisbär schaut durch ein Fenster einer Polarstation am Ufer der Tikhaya-Bucht auf der Insel Hooker des Archipels Frantz Josef Land. | Bildquelle: picture alliance / Vera Kostamo/
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Eisbär schaut in eine Polarstation auf der Insel Hooker.

Bären suchen Futter

Experten vom Sewertsow-Institut für Ökologie und Evolution in Moskau nennen als Grund für die Bären-Invasion, dass die Tiere in den Siedlungen Futter fänden. Da es Behälter mit genießbarem Abfall gäbe, hörten sie auf zu wandern. Den Wissenschaftlern zufolge wurden in der Gegend so viele Eisbären wie noch nie gesichtet. Durch das Schmelzen des arktischen Eises wanderten die Tiere zunehmend nach Süden, um an Land nach Nahrung zu suchen.

Eisbären gehören zu den gefährdeten Arten. Eine Genehmigung zum Abschuss sei daher zunächst noch nicht erteilt worden. Dies könne sich aber ändern, sollte sich die Lage nicht entspannen, erklärten die Behörden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 09. Februar 2019 um 18:12 Uhr.

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