Rohingyas fliehen aus Myanmar | Bildquelle: AP

Rohingya in Bangladesch Ein Jahr nach der großen Flucht

Stand: 25.08.2018 13:44 Uhr

Vor einem Jahr begann die Flucht der Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch. Inzwischen leben rund eine Million Rohingya im Nachbarland Bangladesch im größten Flüchtlingslager der Welt.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Delhi

August 2017: Dicke graue Rauchschwaden. Schüsse im Westen von Myanmar. Tag und Nacht fliehen Tausende Menschen auf klapprigen Booten und stranden in Bangladesch. Schwangere Frauen, Kinder, Alte und Jugendliche sind ausgemergelt, verletzt und erschöpft.

Fast alle Muslime aus Myanmar sind in wenigen Wochen nach Bangladesch geflohen. Sie haben kein Gepäck in den Händen, dafür schleppen sie ein großes Bündel grausamer Erlebnisse mit sich.

Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch | Bildquelle: AP
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Eine Rohingya-Familie steht vor ihrer provisorischen Unterkunft im Flüchtlingslager in Bangladesch.

Kinder wurden verbrannt und erschossen

"Von meinem Versteck aus habe ich gesehen, wie mein Sohn versucht hat, zu fliehen", erzählt Hasina, Mutter von vier Kindern. "Aber es waren so viele Soldaten dort. Sie haben ihn gestoßen und dann ins Feuer geworfen."

Hasinas ältester Sohn ist verbrannt, mit ihrem Jüngeren ist sie hierher geflohen. Wo ihre zwei anderen Kinder und ihr Ehemann sind, weiß sie nicht.  

Mosadekka ist auch über den großen Fluss gekommen. Sie ist zehn Jahre alt. Sie sagt, Soldaten in Myanmar hätten ihre Schwester erschossen: "Ich hatte große Angst, sie haben Menschen zerschnitten. Ich bin mit meinen Vater weggerannt."

Proteste und Demonstrationen: Rohingya-Flüchtlinge erinnern an Vertreibung

Ein Jahr nach dem Beginn der Massenvertreibung der muslimischen Rohingya-Minderheit aus Myanmar haben zehntausende Flüchtlinge im Nachbarland Bangladesch für ihre Rechte demonstriert. Etwa 40.000 Rohingya beteiligten sich in den Flüchtlingslagern an Protestzügen und Demonstrationen, wie die Polizei mitteilte. Den Tag begingen sie als "Rohingya-Völkermord-Gedenktag".

"Ethnische Säuberung" in Myanmar

Die Vereinten Nationen sprechen von einer "anhaltenden ethnischen Säuberung" in Myanmar, von "wildem Blutvergießen" und "Massenvergewaltigungen". Dennoch haben sie mit Myanmar eine Absichtserklärung unterschrieben, genau wie auch Bangladesch.

Die Rohingya könnten zurück, sagt Myanmar. Aber unter welchen Bedingungen? Wird Myanmar die Rohingya als Bürger ihres Landes anerkennen und sie ihn Frieden dort leben lassen? Das ist nicht geklärt, und so ist noch kein einziger Flüchtling offiziell zurück gegangen.

Fast eine Million Rohingya leben nun in Bangladesch, die meisten im mittlerweile größten Flüchtlingslager der Welt, in Kutupalong. "Die Folter daheim wird aufhören?", fragt Sayadur, der gerade an einem Gerüst für eine Latrine hämmert. "Ich erlebe diese Schikanen jetzt seit 45 Jahren, seit meiner Kindheit. Ich würde nur zurück gehen, wenn das wirklich aufhört."

Ein Jahr nach der Vertreibung der Rohingya
tagesschau 20:00 Uhr, 25.08.2018, Markus Spieker, ARD Neu-Delhi

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Leben in prekären Verhältnissen

Mitten in der Regenzeit stehen immer wieder einige Teile des Lagers unter Wasser, schlammige Erdhügel rutschen ab und begraben Zelte oder Menschen unter sich.

"Wir haben erst vor einigen Monaten hier ein Zelt auf diesen Hügel gebaut", erzählt Mohammad Iliyas. "Das war unser neues Heim. Vor wenigen Tagen hat es heftig geregnet. Dann ist der Hügel mit allen Zelten darauf eingebrochen."

In absehbarer Zeit rechnet niemand damit, dass die Rohingya zurück nach Myanmar gehen. Im Gegenteil - es kommen immer mehr dazu. In den Lagern, so sagen Hilfsorganisationen, würden am Tag rund 60 Kinder auf die Welt kommen.

Rohingya - Ein Jahr nach der Flucht aus Myanmar
Silke, Diettrich, ARD Neu Delhi
25.08.2018 13:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. August 2018 um 14:00 Uhr.

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