Ecuador | Bildquelle: AFP

Unruhen in Ecuador Generalstreik und neue Proteste

Stand: 10.10.2019 11:27 Uhr

In Ecuador hat ein Generalstreik das öffentliche Leben lahmgelegt. Behörden und Schulen blieben geschlossen. In mehreren Städten kam es bei neuen Protesten zu Ausschreitungen. Eine Erdölpipeline ist außer Betrieb.

Ein Generalstreik hat in Ecuador das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Behörden, Schulen und Geschäfte blieben geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen, wie die Tageszeitung "El Universo" berichtete.

In mehreren Städten gingen die Proteste gegen die Regierung weiter. Die Demonstranten verlangten den Rücktritt von Präsident Lenin Moreno. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen. Demonstranten warfen Steine auf Polizeibeamte. Die versuchten mit Tränengas, Menschenmengen auseinander zu treiben. Das Militär warnte vor Gewalt und kündigte an, dass es für Recht und Ordnung sorgen werde.

In der Hauptstadt Quito verbrannten Demonstranten Reifen und stellten sich Sicherheitskräften entgegen. In Guayaquil versammelten sich Tausende, um gegen die Gewalt auf den Straßen zu demonstrieren. Einige trugen weiße Kleidung und weiße Flaggen. Das ecuadorianische Rote Kreuz teilte mit, seine ambulanten Dienste aus Sicherheitsgründen vorerst einzustellen.

20.000 Ureinwohner beteiligen sich an Protesten

Knapp 20.000 Angehörige der indigenen Völker Ecuadors marschierten mit auf den Straßen Quitos um das von Sicherheitskräften abgeriegelte Regierungsrevier. Sie protestierten gegen die hohen Dieselpreise. Sie brauchen den Treibstoff für ihre Arbeit auf dem Feld und für den Transport.

Moreno hatte bereits am Montag seinen Regierungssitz von der auf knapp 3000 Meter Höhe liegenden Hauptstadt in die Hafenstadt Guayaquil verlegt. Dort leben vor allem Weiße. Dort wird er vom langjährigen konservativen Bürgermeisters Jaime Nebot unterstützt, der in Guayaquil zu einer Gegendemonstration "für sozialen Frieden und Demokratie" aufrief.

Erdölpipeline außer Betrieb

Die wichtigste Erdölpipeline des Landes wurde vorübergehend außer Betrieb genommen. Das Energieministerium begründete dies mit der Besetzung mehrerer Förderanlagen im Amazonas-Gebiet durch Demonstranten. Weil kaum mehr Öl komme, werde der Betrieb des Trans-Equatorian Oil Pipeline System, durch das normalerweise knapp 70 Prozent des in dem Land geförderten Erdöls gepumpt werden, vorübergehend ausgesetzt.

Die Aufhebung der Subventionen für Benzin und Diesel hatten die Massenproteste ausgelöst. Die Preise für Kraftstoff haben sich inzwischen mehr als verdoppelt. Moreno betonte erneut, dass die Subventionen "unter keinen Umständen" wieder eingeführt würden. Sie sind Teil eines ökonomischen Reformpakets, mit dem die Regierung gegen die Wirtschaftskrise angehen will.

Der Präsident des Verbandes der indigenen Nationalitäten, Jaime Vagas, erklärte, die Ureinwohner wollten so lange protestieren, bis die Subventionen wieder eingeführt würden. Vorher gebe es keine Möglichkeit für einen Dialog.

Wirtschaftskrise in Ecuador

Ecuador steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Regierung hat einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 4,2 Milliarden US-Dollar erhalten und sich verpflichtet, im Gegenzug die öffentlichen Ausgaben zu kürzen. Der Abbau der in den 1970er Jahren eingeführten Kraftstoffsubventionen ist Teil der Verpflichtungen. Außerdem gab Ecuador kürzlich bekannt, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zu verlassen, um mehr Öl fördern und damit die Einnahmen steigern zu können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2019 um 09:00 Uhr.

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