Eine Ebola-Überlebende, die als Betreuerin für Babys arbeitet, hält ein Kind außerhalb der roten Zone im Ebola-Behandlungszentrum in Butembo, Demokratische Republik Kongo. | Bildquelle: REUTERS

Epidemie im Kongo Ebola breitet sich rapide aus

Stand: 01.05.2019 16:31 Uhr

Etwa zehn Monate nach Beginn der Ebola-Epidemie im Osten des Kongo breitet sich die Krankheit rasant aus. Seit Ende März ist die Zahl der Infizierten von 1000 auf 1500 gestiegen.

Im Osten des Kongo ist die Zahl neuer Ebola-Erkrankungen stark angestiegen. Ende März zählten die Behörden etwa 1000 Krankheitsfälle, inzwischen sind es rund 1500. Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen von 630 auf rund 970. Das entspricht jeweils einem Anstieg von rund 50 Prozent.

In der vergangenen Woche habe man 126 bestätigte Neuerkrankungen des hämorrhagischen Fiebers und 83 Todesfälle registriert, erklärte das Gesundheitsministerium in Kinshasa. So viele neue Fälle in einer Woche habe es zuvor noch nicht gegeben. Die WHO geht außerdem davon aus, dass es eine erhebliche Dunkelziffer gibt und die Zahl der Ebola-Kranken deutlich höher liegt.

Menschen die mit möglichen Ebola-Infizierten Kontakt hatten werden registriert. | Bildquelle: dpa
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In Beni im Kongo werden Menschen, die mit möglichen Ebola-Infizierten Kontakt hatten, registriert.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, zeigte sich nach einem Besuch in der betroffenen Stadt Butembo "zutiefst beunruhigt." Die Zahl der Erkrankungen steige wegen Gewalttaten an, "die uns jedes Mal wieder einen Rückschlag versetzen", erklärt Ghebreyesus. Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um den Kampf gegen Ebola zu unterstützen.

Angriffe auf Behandlungszentren

Der Ausbruch in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri ist schwer einzudämmen, weil in der Region zahlreiche Milizen aktiv sind. Es gab wiederholt auch Angriffe auf Ebola-Behandlungszentren. Erst vergangene Woche wurde ein Arzt der WHO in Butembo getötet. Nach Angriffen wird der Hilfseinsatz zumeist zeitweise ausgesetzt, um die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. In dieser Zeit steigt die Zahl der Neuerkrankungen jedoch wieder an.

Ärzte und Gesundheitspersonal marschieren gemeinsam in der ostkongoischen Stadt Butembo, nachdem Angreifer der vergangenen Woche einen Epidemiologen aus Kamerun, der für die Weltgesundheitsorganisation arbeitete, erschossen und getötet haben. | Bildquelle: AP
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In Butembo werden Ärzte und Gesundheitspersonal von Soldaten begleitet. Ein Angreifer hatte letzte Woche einen Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation erschossen.

Bevölkerung hat kein Vertrauen

Die Afrika-Direktorin der WHO, Matshidiso Moeti, lobte die Helfer: "Sie haben Unvorstellbares erlebt und sind trotzdem willens, ihre wichtige Arbeit fortzusetzen." Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Helfer machten es jedoch schwerer, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Das sei für den Kampf gegen die Epidemie aber unerlässlich. Erschwerend komme hinzu, dass die Menschen in der seit vielen Jahren instabilen Region ohnehin kaum Vertrauen in die Behörden und die Regierung haben. Es halten sich offenbar Gerüchte, wonach die Regierung mit Ebola nur die Bevölkerung dezimieren wolle, oder dass Ebola eine Erfindung der Behörden sei.

Impfstoff in der Testphase

Um den Ausbruch im Ost-Kongo einzudämmen, haben dort bereits knapp 110.000 Menschen einen in der Testphase befindlichen Ebola-Impfstoff erhalten. Kongos Koordinator für den Kampf gegen Ebola, Aruna Abedi, warnte, die Epidemie könne noch lange andauern, solange sich die Bevölkerung nicht an die Hygieneempfehlungen der Behörden halte.

Die Epidemie, die offiziell im August begann, ist der bisher zweitschwerste bekannte Ausbruch des lebensgefährlichen Erregers. Bei der bisher weltweit folgenschwersten Ebola-Epidemie in Westafrika in den Jahren 2014/2015 waren mehr als 11.000 Menschen ums Leben gekommen. Das Ebola-Virus ist nach einem Fluss im Kongo benannt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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