Michelle Martin während ihres Prozesses 2004. | Bildquelle: AFP

Dutroux' Ehefrau und Komplizin Sie fütterte die Hunde, die Mädchen verhungerten

Stand: 20.02.2018 02:24 Uhr

Marc Dutroux hat bei seinen grausamen Taten nicht alleine gehandelt. Entscheidende Hilfe bekam er von seiner Ehefrau. Sie ließ zwei Mädchen verhungern, besorgte Medikamente und Autos. Heute lebt sie in Freiheit und studiert Jura.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Blonde Haare, blasses Gesicht, den Kopf gesenkt: So ist Michelle Martin auf alten Fotos zu sehen. Heute ist sie 56 Jahre alt. Sie trägt das blonde Haar kurz, lebt in Freiheit und studiert Jura an einer Hochschule in Namur in Südbelgien. Ganz in der Nähe der Orte, an denen sie und ihr Ex-Mann Marc Dutroux vor 20 Jahren grausame Verbrechen begingen.

Dutroux hatte sechs Mädchen entführt, gequält und vergewaltigt, nur zwei von ihnen überlebten. Martin, die drei eigene Kinder mit Dutroux hat und früher Grundschullehrerin war, half ihm bei den Taten. Sie mietete Lieferwagen für die Entführungen und ließ sich Medikamente verschreiben, die ihr Exmann den Opfern verabreichte. 1996 - vor 20 Jahren - wurden Dutroux und Martin verhaftet.

Festnahme Dutroux
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Marc Dutroux: Vor 20 Jahren wurde der Mörder gefasst.

Vom Knast ins Kloster

Martin wurde 2004 als Beihelferin zu 30 Jahren Haft verurteilt. Sie kam allerdings nach gut der Hälfte der Zeit wieder frei. Das war nach damaligem Recht möglich, löste in Belgien aber wütende Proteste aus. Die belgische Regierung änderte danach das Strafrecht für besonders schwere Fälle. Eine Auflage für die vorzeitige Haftentlassung von Martin: Sie musste in ein Kloster ziehen. Das war im August 2012. Vor den Klostermauern protestierten die Familien der Opfer.

Zweieinhalb Jahre lebte Martin im Klarissenkloster von Malonne in Südbelgien. Als sie gehen musste, nahm ein pensionierter Richter die Straftäterin bei sich auf - auf seinem Bauernhof in der südbelgischen Kleinstadt Floreffe. Seiner Ansicht nach habe jeder eine zweite Chance verdient. Die Proteste könne er nicht verstehen, sagte Christian Panier einem belgischen Fernsehsender.

Der Fall Dutroux – 20 Jahre nach seiner Verhaftung
Europamagazin, Cornelia Kolden, WDR

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Martin alleine mit Opfern

Bei Martin geht es nicht mehr um die rechtliche, sondern um moralische Schuld. Und die scheint für sie in Belgien niemals zu verjähren. Besonders schwer lasten ihr viele an, dass sie die beiden achtjährigen Mädchen Mélissa Russo und Julie Lejeune im Kellerverlies von Dutroux' Haus in Marcinelle verhungern ließ. Sie fuhr dorthin, um die Hunde zu füttern. Aber den Kindern gab sie nichts zu essen, sagte Dutroux' Ex-Anwalt Xavier Magnée dem ARD-Studio Brüssel.

In Verhören hatte Martin später gesagt, sie habe Angst vor den Kindern gehabt. Sie seien ihr vorgekommen wie wilde Tiere. Martins damaliger Ehemann Dutroux saß zu der Zeit, in der sie die Mädchen verhungern ließ, wegen Autodiebstahls im Gefängnis. Wochenlang. Martin hätte die beiden Mädchen befreien können. Oder zumindest Hinweise geben können. Doch sie tat es nicht.

Mädchen hätten gerettet werden können

Michelle Martin: War die Mittäterin auch selbst ein Opfer? Die Gutachter im Prozess bescheinigten ihr mangelndes Selbstwertgefühl und eine tiefe Angst, verlassen zu werden. Sie ist sicherlich sehr dominiert worden von ihrem Ex-Mann, sagte Dutroux ehemaliger Anwalt.

Martin selbst hat sich immer als Opfer von Dutroux dargestellt. Aber die Wirklichkeit sehe anders aus, meint der Grünen-Politiker Vincent Decroly, der Mitglied im Dutroux-Untersuchungsausschuss war. Ohne Martin hätte Dutroux nicht getan, was er getan habe, ist Decroly überzeugt. Michelle Martin hätte Leben retten können, aber sie habe Julie und Mélissa sterben lassen. Mit diesem Schmerz müssen die Familien der Mädchen leben - auch heute noch - 20 Jahre danach.

Mittäterin und Opfer: Wie lebt Dutroux Ex-Frau Michelle Martin?
K. Bensch, WDR Brüssel
20.02.2018 02:24 Uhr

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