Der philippinische Präsident Duterte bei einem Pressestatement | AFP

Philippinischer Präsident Duterte kündigt überraschend Rückzug an

Stand: 02.10.2021 12:02 Uhr

Noch vor Kurzem hatte er bestätigt, für das Vizepräsidentenamt kandidieren zu wollen - doch nun kündigte der philippinische Präsident Duterte seinen politischen Abschied an. Möglicherweise zugunsten seiner Tochter.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat seinen Rückzug aus der Politik nach Ende seiner Amtszeit angekündigt. Er wolle sich nun doch nicht wie geplant um das Amt des Vizepräsidenten bewerben. "Das vorherrschende Gefühl" in der Bevölkerung sei, dass eine Kandidatur 2022 "eine Umgehung des Gesetzes, des Geistes der Verfassung" wäre, erklärte der 72-Jährige.

Laut Verfassung darf der Präsident auf den Philippinen nur eine Amtszeit, also sechs Jahre, regieren. Dennoch hatte Duterte erst im Sommer Spekulationen über seine Ambitionen für das Vizepräsidentenamt bestätigt und damit scharfe Kritik der Opposition auf sich gezogen. Er wolle bei der Wahl im kommenden Jahr antreten, um "den Kreuzzug fortzusetzen", hatte er damals mit Blick auf sein drakonisches Vorgehen gegen Drogenkriminalität gesagt.

Beim Kampf ums Vizepräsidentenamt will Duterte nun aber seinen langjährigen engen Berater Christopher Go unterstützen. Dieser ließ sich heute bei der Wahlkommission als Kandidat der Regierungspartei PDP-Laban für die Wahlen im kommenden Jahr registrieren. Zuvor hatte Go seine Nominierung als Präsidentschaftskandidat abgelehnt. Derzeit ist noch offen, wer für die Partei als Dutertes Nachfolger in die Wahl am 9. Mai 2022 gehen wird.

Tochter laut Umfragen beliebt

Die Rückzugsankündigung des Präsidenten nährt aber auch Spekulationen, dass seine Tochter im kommenden Jahr kandidieren könnte. Sara Duterte-Carpio war ihrem Vater bereits als Bürgemeisterin der Metropole Davao nachgefolgt. Vor wenigen Wochen hatte sie eine Kandidatur für ein höheres Amt noch ausgeschlossen mit der Begründung, nicht gemeinsam mit ihrem Vater antreten zu wollen.

Der angekündigte Abschied erlaube es Duterte-Carpio nun, doch anzutreten, sagte Antonio La Vina, Politikwissenschaftler der Ateneo-Universität in Manila. Laut Meinungsumfragen liegt sie in der Wählergunst vorne. Bewerber für die Wahlen im kommenden Jahr müssen sich bis kommenden Freitag registrieren - doch in bestimmten Fällen kann die Frist bis 15. November verlängert werden.

Internationale Ermittlungen wegen Dutertes Drogenkampf

Duterte selbst hatte sich für die Präsidentenwahl 2016 erst kurzfristig beworben und am Ende mit großem Vorsprung gewonnen. Seitdem stand für ihn der Kampf gegen den illegalen Drogenhandel im Mittelpunkt. Seine brutale und gnadenlose Vorgehensweise kostete mehrere tausend Menschen das Leben und sorgte international für heftige Kritik. Der Internationale Strafgerichtshofs (IStGH) will eine umfassende Untersuchung der Todesfälle einleiten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Oktober 2021 um 13:00 Uhr.