Syrer gehen durch das zerstörte Duma.  | Bildquelle: AP

OPCW-Team in Syrien Untersuchung in Duma soll beginnen

Stand: 18.04.2018 05:18 Uhr

Erst heute sollen die internationalen Chemiewaffenexperten ihre Untersuchung in Duma beginnen können. Unterdessen lehnt Russland einen Resolutionsentwurf für eine unabhängige Untersuchungskommission ab.

Die internationalen Experten für Chemiewaffen werden ihre eigentlichen Untersuchungen zum mutmaßlichen Giftgasangriff in der Stadt Duma nach syrischen Angaben erst heute beginnen. Gestern habe ein Sicherheitsteam der Vereinten Nationen die Lage in Duma erkundet, sagte Syriens UN-Botschafter Baschar al-Dschafari in New York. Heute solle nun die eigentliche Arbeit der Chemiewaffenexperten beginnen.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte die syrische Regierung zuvor gemahnt, den Inspektoren ungehindertes Arbeiten in Duma zu ermöglichen. Da die unabhängigen OPCW-Experten den angeblichen Ort des Geschehens noch nicht besichtigt haben, wird befürchtet, dass eventuelle Belege unbrauchbar sein werden. Al-Dschafari sagte dagegen, die syrische Regierung habe alles getan, um die Arbeit dieser Mission zu erleichtern. Es liege aber in der Hand der UN und der OPCW (Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen), auf Grundlage von Sicherheitsfragen zu entscheiden, ob die Experten ihre Arbeit in Duma aufnehmen könnten.

Das staatliche syrische Fernsehen hatte gestern berichtet, die OPCW-Experten seien bereits in Duma eingetroffen. Von westlicher Seite wurde deren Ankunft nicht bestätigt. Die neun internationalen Spezialisten sollen prüfen, ob in Duma am 7. April chemische Substanzen gegen Zivilisten eingesetzt wurden. Westliche Staaten machen die syrische Regierung dafür verantwortlich. Nach Angaben der syrischen Zivilschutzorganisation Weißhelme wurden bei dem Angriff mehr als 40 Menschen getötet. Als Vergeltungsschlag für den mutmaßlichen Giftgasangriff führten die USA, Großbritannien und Frankreich am Wochenende Luftangriffe auf syrische Militärstellungen aus.

Resolutionsentwurf scheitert wohl an Russland

Unterdessen scheint auch der nächste Versuch, per Resolution des Sicherheitsrates eine neue, unabhängige Untersuchungskommission zur Aufklärung der Giftgasangriffe in Syrien zu schaffen, gescheitert. In einer von Russland beantragten Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums erklärte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja, einen neuen Untersuchungsmechanismus einzurichten sei ganz offenkundig sinnlos, da Washington und seine Alliierten ja offenbar bereits entschieden hätten, wer schuldig sei und sich wie Richter und Bestrafer aufführten.

Frankreich hatte am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Großbritannien und den USA einen erneuten Resolutionstext in Umlauf gebracht, um doch noch eine unabhängige UN-Untersuchungskommission zur Aufklärung der Giftgasangriffe zu erreichen. Offenbar vergeblich - da Russland als Vetomacht jede Resolution blockieren kann und dies nun erneut ankündigte.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums bekräftigte zugleich, Moskau wolle internationale Experten in Duma im Einsatz sehen. Vorwürfe, Russland wolle die Inspektion beeinflussen, wies sie zurück.

Russland lehnt UN-Untersuchungskommission ab
Georg Schwarte, ARD New York
18.04.2018 08:22 Uhr

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Mit Informationen von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. April 2018 um 06:00 Uhr.

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