"No Water Lost Jobs" steht auf einem Plakat. | Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Dürre in Kalifornien Der Kampf ums Wasser hat begonnen

Stand: 30.07.2021 10:09 Uhr

Der US-Bundesstaat Kalifornien erlebt eine neue Dürreperiode - und das Wasser wird knapp. Deswegen bohren immer mehr Landwirte selbst nach Wasser. Die Folge: Ganze Städte sinken mittlerweile ab.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Landwirt Ryan Jacobsen steht in seinem Mandelhain und zeigt stolz die Früchte, die an seinen Bäumen wachsen. Die Kerne können bald geerntet werden. Er trägt ein schwarzes Polohemd, Sonnenbrille, Cowboystiefel. Es ist heiß, fast 40 Grad im Schatten. Keine ungewöhnlichen Temperaturen im San Joaquin Valley.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

"Wir sind hier Mitten in der Wüste, wir bekommen hier nur etwa 30 Zentimeter Regenfall im Jahr, aber nur wegen des langen trockenen Klimas können wir hier unsere Früchte anbauen." erklärt Farmer Jacobsen. 

Das San Joaquin Valley ist so etwas wie der Obst- und Gemüsekorb der USA. Hier wird etwa ein Viertel der Nahrung für das Land produziert. Aber das funktioniert nur durch ein ausgeklügeltes Wassersystem, erklärt Landwirt Jacobsen, der auch der dem örtlichen Landwirtschaftverband vorsitzt. "Diese Wüste blüht nur, weil wir Wasser aus den Bergen der Sierra Nevada und dem Norden importieren."

Landwirt Ryan Jacobsen steht in einem ausgetrockenten Kanal. | Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Landwirt Ryan Jacobsen steht in einem ausgetrockneten Kanal Bild: Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Landwirte müssen Felder stilllegen

Dafür braucht es den Schnee aus den hohen Bergen. Dieser schmilzt über das Jahr hinweg ab, füllt Flüsse und Stauseen. Ein Aquädukt, Kanäle und Rohre bringen das Wasser dann durch das San Joaquin Valley bis in den Süden Kaliforniens. Die Verteilung des Wassers wird dabei von der Wasserbehörde, dem California Water Resources Board geregelt. 

Doch wegen der Dürre, die Kalifornien gerade wieder erlebt, war die Schneedecke extrem dünn und deswegen bekommen viele Landwirte einfach kein oder nur extrem wenig Wasser.

"Viele Landwirte müssen deswegen in diesem Jahr viele Felder stilllegen - Jahrespflanzen wie Mais, Melonen, Knoblauch oder Tomaten werden nicht angebaut und stattdessen das Wasser in Bäume gesteckt, damit die nicht sterben, denn das sind langfristige Investitionen", sagt der Landwirt.

Hochleistungsbrunnen sichern Wasserversorgung

Einige Kilometer weiter liegt der Millerton Lake - eines der wichtigsten Wasserreservoirs des San Joaquin Valley. "Das da vorne nennen wir Klapperschlangen-Hügel, der steht normalerweise unter Wasser", erzählt ein Besucher. Die Dürre in diesem Jahr sei beängstigend, meint er. Der Millerton Lake hat mehr als die Hälfte seines Wassers eingebüßt.

Viele Landwirte wissen, dass sie sich nicht mehr auf das Schmelzwasser verlassen können und bohren deswegen selbst nach Grundwasser, das sie mit Hochleistungsbrunnen an die Oberfläche befördern. 

Auf der Farm von "Stamoules Produce" stehen 26 solcher Brunnen. Mit den Pumpen, die einen Höllenlärm machen, können Landwirte mehrere tausend Liter Wasser pro Minute aus dem Boden holen.

Chuck Dees pflückt Pistazien. | Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Bewässerungsexperte Chuck Dees: Ohne die Pumpen gäbe es in diesem Jahr keine Ernte. Bild: Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Chuck Dees, der Bewässerungsexperte des Betriebes sagt, ohne die Pumpen gäbe es in diesem Jahr keine Ernte, denn die Wasserbehörde vor Ort habe ihnen nichts von dem Wasser aus den Speichern zugeteilt. 

Eine Hochleistungspumpe im San Joaquin Valley | Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Mit solchen Hochleistungspumpen können Landwirte mehrere tausend Liter Wasser pro Minute aus dem Boden an die Oberfläche befördern. Bild: Christine Schacht, ARD-Studio Los Angeles

Landstriche sinken ab

Mindestens 500.000 US-Dollar kostet der Bau eines solchen Brunnens. Für die Megafarm von Chuck Dees mit ihren fast 70 Quadratkilometern Anbaufläche voll von Pistazienbäumen, Melonen und Mais sind die Brunnen eine logische Kapitalanlage. 

Doch die Brunnen bringen auch Probleme mit sich, denn sie lassen ganze Landstriche absinken. Die kalifornische Stadt Corcoran sei in den vergangenen fünf Jahren mehr als einen Meter abgesunken, erzählt die Journalistin Lois Henry, die sich ausschließlich mit dem Thema Wasser im San Joaquin Valley beschäftigt: "Die Stadt sinkt gleichmäßig, deswegen sieht man das nicht sofort. Doch das führt dazu, dass zum Beispiel Kanäle kaputt gehen. Allein ein Kanal, der repariert werden muss, kostet 500 Millionen Dollar."

Jeder darf nach Wasser bohren

Noch herrscht in Kalifornien der sprichwörtlich Wilde Westen, wenn es um das Grundwasser geht. Wer kann, der schlürft es regelrecht unter den Städten und Feldern weg. 

Um dem Wassermangel beizukommen, fordern die Landwirte den Bau von mehr Dämmen und unterirdischen Reservoirs. Doch Umweltschützer halten dagegen, verweisen darauf, dass so Fische und andere Tiere vertrieben werden. Zumal Kalifornien bereits über 1500 Dämme verfügt und es kaum noch Platz für mehr davon gibt. 

Kleinbauern fürchten um ihre Existenz

Das Grundwasser abzupumpen, kann keine Dauerlösung sein. Das hat auch die kalifornische Regierung erkannt und 2014 ein Gesetz erlassen, das die Landwirte nach und nach dazu zwingen wird, ihren Grundwasserverbrauch zu reduzieren. Doch dafür haben sie bis 2040 Zeit.

So viel Zeit haben die Kleinbauern nicht, meint Journalistin Henry: "Allein in meinem Landkreis werden wohl ein Drittel der Felder brachliegen, wenn es nicht mehr regnet." Dann könnte sich das Gesicht des San Joaquin Valley verändern - vielleicht mehr Staub und trockene Erde, statt Mais, Melonen und Mandeln. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Juli 2021 um 09:41 Uhr.