Ein Zollbeamter hat ein brauner Päckchen, gefüllt mit Kokain geöffnet. | Bildquelle: dpa

Weltdrogenbericht Kokain-Produktion auf Allzeithoch

Stand: 26.06.2019 08:46 Uhr

Die Vereinten Nationen verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Kokain-Produktion - das soll ausgerechnet am Friedensabkommen in Kolumbien liegen. Erfolge melden die Experten hingegen beim Kampf gegen Designerdrogen.

Rund 585.000 Menschen Menschen sind 2017 wegen ihres Drogenkonsums und damit zusammenhängender Krankheiten weltweit gestorben. Das schätzen Experten des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Laut UN-Drogenbericht, der sich auch auf 2017 bezieht, greifen weltweit 271 Millionen Menschen zu Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder zu synthetischen Substanzen. Im Vergleich zu 2009 ist demnach die Zahl der Drogennutzer um 30 Prozent gestiegen.

Die am häufigsten genutzte Droge bleibt Cannabis. Schätzungsweise 188 Millionen Menschen greifen laut UN zum Haschisch. Besonders dramatisch sei der Anstieg der Konsumenten von Opioiden mit einem Plus von 56 Prozent im Vorjahresvergleich. Darunter fallen Heroin und auch synthetische Substanzen.

Sichergestelltes Kokain
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Sichergestelltes Kokain in Kolumbien: Zuletzt stieg die Produktion der Drogen wieder an.

Kokain: Anstieg um 25 Prozent

"Heroin ist zurück", sagt die UN-Expertin Angela Me. Zudem habe die illegale Herstellung von Kokain ein Allzeithoch mit fast 2000 Tonnen erreicht. Das sei ein Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zu 2016. Rund 70 Prozent des Kokains stammen aus Kolumbien. Dort seien die Anbauflächen für die Koka-Pflanze im Jahr 2017 um 17 Prozent angewachsen.

Das ist paradoxerweise eine Auswirkung des Friedensabkommens mit der Guerillagruppe FARC. Es ermöglichte kriminellen Banden, sich in vormals von der FARC kontrollierten Gebieten auszubreiten. Auch die Menge des beschlagnahmten Kokains erreichte 2017 einen historischen Höchstwert. Weltweit wurden in dem Jahr 1275 Tonnen Kokain abgefangen, ein Zuwachs um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Tödliche Drogenkrisen

Eine der tödlichsten Drogenkrisen erleben den Angaben zufolge die USA und Kanada. In den USA starb laut UN-Bericht 2017 die Rekordzahl von 70.000 Menschen an einer Überdosis Drogen, allein 47.600 an einer Überdosis von Opioiden. "Überdosen haben ein epidemisches Ausmaß erreicht", sagte Me.

Im Zentrum stünden dabei synthetische Drogen wie Fentanyl und ähnliche Stoffe. Zugleich nehme in großen Teilen Afrikas die Nutzung des Opioids Tramadol deutlich zu. Innerhalb weniger Jahre sei die beschlagnahmte Menge von wenigen Kilogramm auf 215 Tonnen gestiegen.

Dieses an sich wichtige Schmerzmittel werde zum Beispiel in Nigeria in Drogenlaboren mit hoher Konzentration gezielt für den illegalen nicht-medizinischen Markt hergestellt. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas nehmen nach UN-Angaben vier Millionen Menschen Tramadol aus Suchtgründen.

Das Beispiel zeige den schmalen Grat, auf dem sich die Gesellschaft bewege. "Es ist wichtig, dass Menschen, die aus medizinischen Gründen Opioide brauchen, Zugang dazu haben", sagte Me. In den USA und Kanada seien die Substanzen aber sehr leicht verfügbar. Der umfangreiche Zugang zu Schmerztabletten ohne dringende Notwendigkeit sei einer der Gründe, warum nun Millionen von Menschen abhängig von Opioiden seien, so Me.

Erfolg gegen Designerdrogen

Einen Erfolg verzeichnen die Drogenbekämpfer auf dem Gebiet der Designerdrogen. Die Zahl der neuen Substanzen ist zurückgegangen. Generell spielten die sogenannten Neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) nicht die vor einiger Zeit befürchtete Rolle.

Weltdrogenbericht
Stephan Ozsváth, ARD Wien
26.06.2019 11:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juni 2019 um 06:30 Uhr.

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