Razzia von Polizei und Militär in Rio | Bildquelle: REUTERS

Einsatz gegen Drogenbanden Mindestens 13 Tote in Rio de Janeiro

Stand: 21.08.2018 09:26 Uhr

Die brasilianische Armee ist im Kampf gegen Drogenbanden mit mehr als 4000 Soldaten in Favelas von Rio eingerückt. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben. Menschenrechtler sind entsetzt.

Soldaten haben bei Militäreinsätzen in Rio de Janeiro mindestens 13 Menschen getötet. Bei einem Einsatz gegen Drogenbanden in den Armenvierteln Maré und Penha in der Nähe des internationalen Flughafens waren mehr als 4.000 Uniformierte im Dienst.

Fünf Verdächtige und zwei Soldaten wurden erschossen, wie die Zeitung "O Globo" in ihrer Onlineausgabe berichtete. Zuvor wurden bei einem Einsatz in der Vorstadt Niteroi sechs Menschen erschossen.

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Laut Polizei wurden allein in Maré 430 Kilogramm Drogen beschlagnahmt.

Waffen und Drogen sichergestellt

Die verarmten, dicht besiedelten Stadtteile werden zu großen Teilen von schwer bewaffneten Drogenhändlern kontrolliert. Kriminalität und Schießereien zwischen Polizei und Drogenbanden sind in Rio de Janeiro seit vielen Monaten wieder an der Tagesordnung.

Härtere Gangart

Wegen der zunehmend gewalttätigen Bandenkriminalität in den Armenvierteln von Rio hatte die brasilianische Regierung zuletzt eine härtere Gangart eingeschlagen. Präsident Temer unterzeichnete im Februar ein Dekret, das der Armee das Kommando über die Einsätze übertrug.

Seither war zwar die Polizei weiterhin auf den Straßen im Einsatz, dabei aber der Armee unterstellt. Soldaten konnten als Verstärkung eingreifen. Der Schritt war beispiellos seit dem Ende der Militärdiktatur in Brasilien im Jahr 1985.

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Bei den Razzien hat es mindestens 36 Festnahmen gegeben.

Drei Tote täglich durch Uniformierte

Menschenrechtsaktivisten zeigten sich besorgt über die größere Rolle der Armee und die Toten. "Wir halten das für sehr schwerwiegend", sagte Silvia Ramos von der Beobachtungsstelle für Intervention. "Sollte sich bestätigen, dass die Toten von Soldaten exekutiert wurden, wäre das eine beunruhigende Veränderung."

Im Schnitt erschießen Uniformierte in der zweitgrößten Stadt Brasiliens nach offiziellen Angaben jeden Tag drei Menschen. Die meisten Opfer sind junge dunkelhäutige Männer. Auch 60 Polizisten wurden seit Jahresbeginn im Dienst getötet.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung "Weltbilder" am 21. August 2018 um 23:30 Uhr.

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