Blick auf das fast völlig zerstörte Stadtzentrum von Dresden | Bildquelle: dpa

Historiker über Dresden Die Frage der Verantwortung

Stand: 13.02.2020 15:27 Uhr

Der britische Historiker McKay hat eine Studie über die Luftangriffe auf Dresden veröffentlicht - und sich dabei auch mit der Rolle des Bomberkommandeurs Harris beschäftigt.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Am 13. Februar 1945 und den folgenden Tagen bombardierten die Allierten Dresden. Der britische Historiker Sinclair McKay würde die Bombardierung Dresdens nicht als Kriegsverbrechen bezeichnen: "Ich zögere, die Bezeichnung Kriegsverbrechen zu benutzen", sagt er. "Ich akzeptiere sie nicht, vor allem, weil rechtsextreme Kräfte in Dresden damit versuchen, das Nazi-Regime und die Alliierten moralisch auf eine Stufe zu stellen."

Der britische Historiker und Literaturkritiker hat gerade eine opulente Studie veröffentlicht, die in Deutschland unter dem Titel "Die Nacht, als das Feuer kam" erschienen ist und auf 560 Seiten die Ereignisse und Hintergründe des 13. Februar 1945 auch unter Benutzung neuer Quellen detailliert beschreibt.

Dresden gedenkt der Bombardierung vor 75 Jahren
tagesschau 12:00 Uhr, 13.02.2020, Iris Völlnagel, MDR

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Goebbels' Propaganda

McKay ist auch nicht der Meinung, dass man die Verantwortung für die Bombardierung Dresdens allein dem damaligen Kommandeur der britischen Bomberflotte Arthur Harris zuschieben könne.

"Harris wird mit der Bombardierung Dresdens gleichgesetzt. Aber er ist nicht allein verantwortlich", sagt McKay. "Seine Vorgesetzten und auch Winston Churchill persönlich haben die Entscheidung mitgetragen. Und Stalin hat damals sogar die Bombardierung Dresdens ausdrücklich verlangt, um die Verlegung deutscher Truppen durch die Stadt nach Osten zu behindern."

Eine Frau geht in einer Straße in Dresden an Häusern vorbei, von denen nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch Ruinen geblieben sind | Bildquelle: dpa
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Eine Frau geht in einer Straße in Dresden an Häusern vorbei, von denen nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch Ruinen geblieben sind

Goebbels' Propaganda von den angeblich 250.000 Opfern in der Stadt der Schönheit und der Künste zeigte damals allerdings auch in Großbritannien Wirkung. Kriegspremier Churchill hatte auch schon zuvor die mangelnde Zielgenauigkeit der britischen Bomber beklagt.

Nach dem Angriff auf Dresden fragte er im März 1945 in einem Memo, ob die Briten wirklich mit diesen Bombardierungen in die Geschichte eingehen wollten. Die Erzeugung von Terror sei doch eigentlich nicht das britische Ziel gewesen.

Historiker warnt vor dem Opfermythos Dresden

Der Dresdner Historiker Johannes Schütz warnt vor einer Instrumentalisierung des Opfermythos Dresden durch die AfD. Bereits nach dem alliierten Bombenangriff auf die Stadt vor 75 Jahren "haben die Nationalsozialisten und ihr Propagandaminister Joseph Goebbels sofort angefangen, die Opferzahlen von Dresden hochzurechnen", sagte der Lehrbeauftragte an der Professur für Neuere und Neueste Geschichte an der Technischen Universität Dresden dem "Tagesspiegel". Die Rede sei damals von 250.000 Toten gewesen. Tatsächlich starben bei den Luftangriffen bis zu 25.000 Menschen in Dresden.
"Die AfD versucht nun, die alte Erzählung von weit höheren Opferzahlen wieder aufzuwärmen und den Opfermythos wiederzubeleben", sagte Schütz. Der Historiker verwies darauf, dass es auch in anderen Städten hohe Opferzahlen gegeben habe. So seien etwa in Hamburg 35.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen gestorben.

Umstrittene Figur

Bomberkommandeur Harris ist bis heute in Großbritannien eine umstrittene Figur: Nicht nur wegen der hohen Zahl von Toten unter der deutschen Zivilbevölkerung, sondern auch wegen der hohen Verluste in der eigenen Flotte: 56.000 seiner Flieger starben bei den Einsätzen über Deutschland, das ist fast die Hälfte der gesamten britischen Bomber-Besatzungen. 

Heute ist längst erwiesen, dass Goebbels nach dem Angriff auf Dresden eine Phantasiezahl in die Welt gesetzt hatte. Tatsächlich kamen etwa 25.000 Menschen am 13. Februar ums Leben. Viel weniger als zum Beispiel in Hamburg.

Overy: "Strategisch wichtiges Ziel"

Der Historiker John Overy von der Universität Exeter sagt:  "Die Bombardierung Dresdens war nicht außergewöhnlich groß. Die Stadt wurde mit 2500 Tonnen bombardiert, noch danach, kurz vor Kriegsende, fielen auf Essen 4000 Tonnen," sagt er. "Bei der Bombardierung Hamburgs zum Beispiel kamen 35.000 Menschen ums Leben. Und wir müssen uns auch daran erinnern, dass beim deutschen 'Blitz'-Angriff auf London 28.000 Menschen starben."

Professor Overy beharrt auch darauf, dass Dresden ein strategisch wichtiges Ziel gewesen sei: "Das Ziel war, die Eisenbahn-Infrastruktur zu zerstören und die Verlegung deutscher Truppen zur Ostfront gegen die Rote Armee zu stoppen."

Auch die Deutschen führten den Luftkrieg weiter: Noch im März 1945 schlugen V1 und V2 Raketen in London ein - auch deshalb hörten die Briten nicht auf, Ziele in Deutschland zu bombardieren. Kaum ein Brite sieht heute allerdings in den Flächen-Bombardements deutscher Städte ein Ruhmesblatt der Geschichte. Nach dem Krieg haben die Briten finanziell kräftig dabei mitgeholfen, die Dresdner Frauenkirche wieder aufzubauen.

Kathedrale als Mahnmal

In der englischen Stadt Coventry, die von deutschen Bombern "coventriert" wurde, wie die Nazi-Propaganda nach der Bombardierung 1940 jubelte, - oder besser gesagt: zum ersten Mal in der Welt-Geschichte zum Ziel eines Flächenbombardements wurde -, entschied man sich anders. Dort liegt die Kathedrale auch heute noch in Trümmern, als Mahnmal - daneben wurde eine neue Kirche gebaut. Coventry ist heute Partnerstadt Dresdens.

    

Historiker über Dresdens Bombardierung
Jens-Peter Marquardt, ARD London
13.02.2020 09:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Februar 2020 um 12:00 Uhr.

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