Lastwagen vor dem Fährterminal in Dover. | AFP

Dover nach Brexit Kaum Stau, aber mehr Bürokratie

Stand: 04.01.2021 17:15 Uhr

In Dover ging kurz vor Weihnachten nichts mehr. Nun läuft der Grenzverkehr zwischen der EU und Großbritannien vergleichsweise schwach an - und Lkw-Fahrer machen erste Erfahrungen mit den neuen Vorschriften.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Es war ein ruhiger Jahresbeginn in Dover - sehr ruhig: Auf den Zubringern zum Hafen war fast nichts los, im Hafen dementsprechend auch nicht. Die britischen Unternehmen hatten Ende letzten Jahres gut vorgesorgt und ihre Lager maximal gefüllt, um in den ersten Tagen des neuen Jahres nicht auf Importe angewiesen zu sein.

Imke Köhler ARD-Studio London

Der bürokratische Aufwand für den Handel zwischen Großbritannien und dem Kontinent ist jetzt erheblich: Schätzungen zufolge fallen allein auf britischer Seite pro Jahr zusätzlich 220 Millionen Zolldeklarationen an. Großbritanniens Premier Boris Johnson will aber nicht von Handelshemmnissen sprechen, sondern nur von Veränderungen.

Ein italienischer Lkw-Fahrer macht so seine ersten Erfahrungen mit der neuen "Kent Access Permit": Die Fahrer benötigen diese Erlaubnis, wenn sie in der Grafschaft Kent unterwegs sind - und da Dover und Folkestone zu dieser Grafschaft gehören, brauchen alle diese Genehmigung, die zum Hafen oder zum Eurotunnel wollen. Erteilt wird sie nur, wenn die nötigen Unterlagen für die EU-Importkontrollen vorliegen. Das Dokument sei nur einen Tag gültig, beklagt der Fahrer aus Italien. Für ihn geht es aber erst am nächsten Tag weiter, er muss die Genehmigung neu beantragen.

Barcode und Corona-Test müssen aktuell sein

Für einen portugiesischen Lkw-Fahrer, der sich als Jorge vorstellt, bedeutet das an diesem Tag: Wenn es nicht bald weitergeht, muss er die Genehmigung für Kent auch neu beantragen. Er wartet noch auf seine Fracht und den Barcode, den er für seinen Lkw benötigt: "Wir wurden informiert, dass wir den Barcode brauchen, aber im Moment haben wir ihn noch nicht. Wir warten darauf, beladen zu werden", sagt er. "Dann bekommen wir den Barcode und können über den Kanal."

Hinter dem Barcode verbergen sich unter anderem die Import- und Exportlizenzen, die die Fahrer für ihre Fracht vorweisen müssen. Darius ist im Vergleich dazu gut dran. Der Pole ist mit seinem Lkw noch im alten Jahr auf die Insel gekommen und hat für den Rückweg nichts geladen, dadurch kommt er weitgehend ohne Nachweise aus. Einen negativen Corona-Test muss er aber trotzdem vorzeigen. Den Test hat er gerade in Manston gemacht - auf dem ehemaligen Flugplatz, der vor Weihnachten zugeparkt war mit unzähligen Lastwagen und Transportern.

"Der Verkehr wird übel sein", sagt ein Anwohner

In Dover, wo kurz vor Weihnachten gar nichts mehr ging, fragt man sich, wie das wohl alles wird, wenn der Grenzverkehr erst mal wieder richtig rollt. Peter, der mit seinem Hund am Wasser spazieren geht, erwartet das Schlimmste: "Der Verkehr wird übel sein, das garantiere ich Ihnen. Der kann nicht fließen, wie soll der fließen?", sagt er. "Mitte Januar sitzen wir hier wieder fest, überall." Peter glaubt nicht, dass die Regierung ausreichende Vorbereitungen getroffen hat.

Tatsächlich ist der große Lkw-Parkplatz für bis zu 1700 Laster im nahegelegenen Ashford noch nicht fertig. Und von den Spediteuren ist zu hören, dass die IT-Systeme, die die Regierung für die Zollkontrollen eingeführt hat, zum Teil gar nicht getestet wurden. Dennoch - nicht alle sind pessimistisch. Der 69-jährige John, der in Dover lebt, zeigt sich jedenfalls zuversichtlich: Er glaubt, dass sich nach zwei oder drei Monaten alles beruhigen und sich eine neue Routine einstellen wird.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2021 um 07:11 Uhr.