Dorsch liegt im Hafen Barhöft, Mecklenburg-Vorpommern, in einer Kiste. | dpa

Einigung auf Ostsee-Fangquoten EU beschränkt Dorschfang - auch für Angler

Stand: 11.10.2016 01:44 Uhr

Nach harten Verhandlungen haben sich die EU-Fischereiminister auf Fangquoten für die Ostsee geeinigt. Der Kompromiss sieht unter anderem deutlich niedrigere Dorsch-Quoten vor. Erstmals gibt es dabei Obergrenzen für Hobby-Angler.

Von Kai Küstner, ARD-Studio Brüssel

Dramatischer hätte die Ausgangslage für die EU-Minister kaum sein können: Umweltschützer warnten, wenn man nicht etwas für den Dorsch im westlichen Teil der Ostsee tue, drohe der Bestand vollkommen zusammenzubrechen.

Kai Küstner

Auf der anderen Seite stehen die Fischer in Schleswig-Holstein: Sie erklärten, sie stünden bei zu heftigen Fangbegrenzungen reihenweise vor dem Ruin.

Obergrenze für Freizeit-Fischer

Herausgekommen ist ein Kompromiss: Der Empfehlung von Wissenschaftlern, die Dorsch-Fangquote um fast 90 Prozent zu senken, folgte die EU nicht. Im kommenden Jahr darf der Einigung zufolge 56 Prozent weniger Dorsch aus der westlichen Ostsee gezogen werden.

Frisch gefangene Dorsche liegen in der Fischereigenossenschaft Wismar, Mecklenburg-Vorpommern, auf Eis. | dpa

Guter Fang: Dorsch ist beliebt bei Freizeit- und Berufsfischern. Bild: dpa

Dies wird von zusätzlichen Schutzmaßnahmen begleitet: So wird erstmals auch Hobby-Anglern eine Obergrenze verordnet. Freizeit-Fischer ziehen Studien zufolge mittlerweile genauso viel Dorsch an Land wie Berufsfischer.

Kritik von Greenpeace

Die Umweltschützer von Greenpeace beklagen nach dem Kompromiss, dass sich die EU-Minister erneut den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt hätten. Mit dem weiteren Rückgang des Dorschbestandes würden aber auch die Erträge der Fischer einbrechen.

Ganz anders sieht das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der von einem "Kompromiss mit Augenmaß" spricht. Die Bestände würden sich weiter erholen können, die Ostsee-Fischer hätten eine wirtschaftliche Perspektive, meint Schmidt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Oktober 2016 um 15:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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firefighter1975 11.10.2016 • 09:40 Uhr

Fischlose Zukunft der Ostsee?

Die Ostsee macht in letzter Zeit häufiger ökologische Schlagzeilen mit Ausrufezeichen. In seiner Gesamtökologie aufgrund der besonderen Lage als geologisch junges un d flaches Brackwasserbinnenmeer ist sie Lebensraum, der nur wenigen Arten ( wie zum Beispiel Dorsch und Hering) Bedingungen bietet, die noch tolerierbar sind. So muss man sich klar machen , dass die Ostsee wesentlich artenärmer ist und aufgrund ihrer Besonderheiten als Lebensraum ohnehin auch ohne Befischung nur begrenzte Populationen dieser Seefische erhalten kann. Hinzu kommen in den letzten 20 Jahren vermehrte ungiftige, aber auch giftige Algenblüten ( bedingt durch vermehrten Phosphateintrag vom Land ), problematische eingeschleppte Neophyten und Neozoen, welche die bestehenden Populationen NEBEN der Befischung zusätzlich unter Druck setzen. Das " Ruhenlassen" gerade auch dieser letzten fragilen Bestände ist letzlich die einzige Chance, ihr Weiterbestehen in der Ostsee für die Zukunft zu sichern.