Zerstörungen nach Hurrikan Dorian auf dem Bahamas | Bildquelle: AP

Bahamas nach "Dorian" "Wie nach einem Bombenangriff"

Stand: 09.09.2019 07:34 Uhr

Ihre Heimat sei ein Kriegsgebiet geworden, sagen Bewohner der Bahamas-Insel Great Abaco nach dem Durchzug von Hurrikan "Dorian". 44 Menschen starben, Tausende werden noch vermisst.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Der Premierminister der Bahamas sprach von einem Krieg, als Hurrikan "Dorian" vor einer Woche den Inselstaat erreichte. Einwohner der nördlichen Insel Great Abaco, wo "Dorian" zuerst auf Land traf, beschreiben ihre Heimat als Kriegsgebiet: Wie nach einem Bombenangriff sehe es aus, der Geruch des Todes wehe über ihren zerstörten Häusern. Weiterleben zwischen den Trümmern ist kaum möglich.

"Überall sah ich Leichen im Wasser treiben"

Fast 4000 Menschen wurden deshalb in die vom Wirbelsturm verschont gebliebene Hauptstadt Nassau gebracht, darunter die 59-jährige Lana Sawyer: "Es war einfach furchtbar und ein schreckliches Gefühl, als das Wasser begann, in unser Haus einzudringen", erzählt sie. "Wir wollten in die Klinik flüchten, aber die war schon völlig überfüllt, weil der Sturm alle anderen Notunterkünfte längst zerstört hatte. Alle Strommasten waren umgeworfen, die Leitungen zerrissen, überall sah ich Leichen im Wasser treiben. Kein einziges Haus hat mehr seine vier Wände. Es ist einfach nichts mehr übrig."

Zerstörungen nach Hurrikan Dorian auf den Bahamas | Bildquelle: AP
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Trümmer, soweit das Auge reicht. Die Insel Abaco wurde vom Hurrikan schwer getroffen.

70.000 der 400.000 Einwohner haben ihr Obdach verloren, schätzen die Vereinten Nationen. Hurrikan "Dorian" hat sich über den Bahamas viel Zeit gelassen: Etwa drei Tage lang wütete der Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 über den nördlichen Inseln, blieb sogar fast einen Tag lang stehen. Noch nie hatten die Menschen dort etwas Vergleichbares erlebt. Seit es moderne Aufzeichnungen gibt, war "Dorian" der stärkste Sturm über den Bahamas und in der Region bereits der fünfte Hurrikan der höchsten Kategorie seit 2016.

Zerstörung, wie man sie nur von Tsunamis kennt

Offensichtlich seien die Wirbelstürme in den vergangenen vier Jahren stärker geworden. Eine Folge der Klimakrise, so die Vereinten Nationen. Ian Norton von der Weltgesundheitsorganisation in Genf rechnet wie die Behörden der Bahamas mit vielen Todesopfern: "Die Zahl wird ganz sicher steigen. Ich kann nicht schätzen, wie viele es sind, aber wir machen uns wirklich große Sorgen.  Die Sturmflut hat eine Zerstörung angerichtet, wie wir sie von Tsunamis kennen."

Tausende gelten noch als vermisst

Mit einer derart zerstörerischen Kraft hatte auf den Bahamas kaum jemand gerechnet. Auch deshalb waren viele Menschen der Aufforderung der Behörden nicht nachgekommen, eine Notunterkunft aufzusuchen. Tausende gelten noch als vermisst. Soziale Netzwerke sind voll mit Suchanzeigen.

Internationale Teams helfen, die verwüsteten nördlichen Inseln Great Abaco und Grand Bahama zu durchkämmen. Die US-Küstenwache unterstützt mit Hunderten Beamten und mit Helikoptern, über die die Bahamas nicht verfügen. Gegen Plünderer werden Sicherheitskräfte der befreundeten Karibikstaaten Jamaika und Trinidad und Tobago eingesetzt.

Ein Kreuzfahrtunternehmen verteilt etwa 10.000 warme Mahlzeiten pro Tag an die, die das Katastrophengebiet nicht verlassen wollen, ein anderes hat mehr als 1500 Menschen per Schiff in den nahe gelegenen US-Bundesstaat Florida gebracht. Die UN schicken Soforthilfe, viele Länder haben finanzielle Hilfe zugesagt. Allein ist die kleine Nation vom Ausmaß der Katastrophe überfordert.

Hurrikan Dorian: Schadensbilanz nach dem Jahrhundertsturm
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
09.09.2019 07:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. September 2019 um 09:00 Uhr.

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