Schriftzug "Not me" in einem Schaufenster mit Mode von Dolce & Gabbana  | Bildquelle: REUTERS

Rassismus-Vorwurf gegen D&G Ein Werbevideo erzürnt Chinas Volksseele

Stand: 23.11.2018 08:57 Uhr

Das italienische Modehaus Dolce & Gabbana sorgt mit einem umstrittenen Werbevideo in China für Empörung. Eine Modenschau in Shanghai ist abgesagt, Onlinehändler verbannen Waren aus ihrem Sortiment.

Von Alfred Schmit, ARD-Studio Shanghai

Angefangen hat alles mit einem Werbevideo: Eine chinesische Frau, schick angezogen, die mit Stäbchen eine Pizza essen will und dabei keine gute Figur macht. Das Video sollte eigentlich für eine große Modenschau von Dolce & Gabbana in Shanghai werben, doch es ging gründlich nach hinten los. "Rassistisch, übel, beleidigend" - so die Kommentare in Chinas sozialen Netzen. Der Hashtag "boycottDolceGabbana" bekam binnen 24 Stunden mehr als anderthalb Millionen Klicks. Das Management bat um Entschuldigung, doch der Shitstorm war zu groß: Die Schau wurde abgesagt.

Ein Schriftzug für die Modenschau von Dolce & Gabbana in Shanghai wird entfernt | Bildquelle: REUTERS
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Abräumen statt Defilée: Die Schau in Shanghai wurde abgesagt.

"Andere Menschen nicht beleidigen"

Im chinesischen Staatsfernsehen äußert sich Zhou Xing, Dekan der Kunsthochschule einer Pekinger Universität: "Die Absage der Modenschau zeigt, dass die Verantwortlichen schon begriffen haben, worum es geht: nämlich die Gefühle und Interessen des chinesischen Volkes. Es ist eine Lektion für alle selbstgerechten Leute, die immer noch Vorurteile gegen China haben, aber gleichzeitig hier Geld verdienen wollen. Wir müssen ihnen sagen, dass sie andere Menschen nicht beleidigen sollen."

Onlinehändler listen Dolce & Gabbana aus | Bildquelle: dpa
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Bei verschiedenen Onlineportalen ist Mode von Dolce & Gabbana nicht mehr zu finden.

Wenn etwas als Verletzung der Volksseele wahrgenommen wird, hört der Spaß auf. China ist ein lukrativer Markt, und Dolce & Gabbana wollten eigentlich hier groß einsteigen. Falls sie die Strategie hatten, mit dem Video gezielt Ärger auszulösen, dürfte das jetzt schon schiefgehen: Etliche Prominente haben verkündet, bei dem Boykott mitzumachen. Handelskonzerne wie Alibaba und Jingdong haben die Marke schon von ihren Plattformen verbannt.

Das Thema schlägt Wellen auch im Außenministerium

Wie schnell so etwas in China zur Staatsaffäre werden kann, zeigt auch, dass der Sprecher des Pekinger Außenministeriums bei der täglichen Pressekonferenz danach gefragt wurde: "Hier geht es nicht um ein diplomatisches Thema, und wir wollen auch nicht, dass es dazu wird. Wahrscheinlich ist es besser, wenn Sie einfach die Leute da draußen fragen, was sie denken", sagte Geng Shuang.

Domenico Dolce (l) und Stefano Gabbana während einer Modenschau | Bildquelle: AFP
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Domenico Dolce (l) und Stefano Gabbana baten auf ihren Social-Media-Kanälen inzwischen um Entschuldigung.

Im Netz kursiert schon ein Anti-Video: Ein europäisch aussehender Mann versucht, mit Messer und Gabel eine große Portion Baotse zu essen, große chinesische Teigtaschen. Auch er müht sich ab und macht keine gute Figur. Dazu spielt italienische Klischee-Musik mit dem Hinweis: Das ist nur für das Management von Dolce & Gabbana, kein Rassismus beabsichtigt.

Boykott gegen Luxusmarke in China
Alfred Schmit, ARD Shanghai
23.11.2018 09:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2018 um 08:36 Uhr.

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