Novak Djokovic sitzt mit Maske in einem Auto. | REUTERS

Gericht in Melbourne Djokovic muss Australien verlassen

Stand: 16.01.2022 10:27 Uhr

Der serbische Tennisstar Djokovic hat im Streit um sein Visum eine Niederlage erlitten. Ein Bundesgericht wies den Einspruch des Weltranglistenersten zurück, damit muss er ausreisen. Djokovic reagierte enttäuscht, will aber kooperieren.

Novak Djokovic darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie ein Bundesgericht in Australien entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisprofis gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt. Djokovic ist nicht gegen das Coronavirus geimpft und war mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung eingereist.

Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Bekanntgabe der drei Richter James Allsop, Anthony Besanko und David O'Callaghan. Die Begründung solle frühestens am Montag erfolgen. Gegen das Urteil können beide Seiten keine Rechtsmittel einlegen.

Djokovic: "Extrem enttäuscht"

Djokovic zieht nach dem Urteil offenbar keine weiteren juristischen Schritte in Erwägung. Er respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den entsprechenden Autoritäten kooperieren, was seine Abreise betreffe, teilte der Weltranglistenerste in einer Stellungnahme mit, aus der mehrere Medien zitierten. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AAP zufolge wäre eine Berufung vor dem High Court, dem höchsten Gericht Australiens, möglich gewesen. Die Erfolgschancen waren aber ohnehin gering.

Damit darf der 34-Jährige seinen Titel beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne nicht verteidigen. "Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung", teilte Djokovic mit. Der 20-fache Grand-Slam-Turniersieger hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen. "Ich fühle mich unwohl, dass ich der Fokus der vergangenen Wochen gewesen bin, und ich hoffe, dass wir uns nun alle auf das Spiel und das Turnier, das ich liebe, konzentrieren können", so Djokovic. Er werde sich nun ein bisschen Zeit nehmen, sich zu erholen, bevor er darüber hinaus weitere Kommentare abgebe.

ATP bedauert Djokovics Fehlen

Die Herren-Tennis-Organisation ATP bedauerte die endgültige Ausweisung des Weltranglisten-Ersten. Zwar sei die Entscheidung des Gerichts letzten Endes zu akzeptieren - "unabhängig davon, wie dieser Punkt erreicht worden ist, ist Novak einer der größten Champions unseres Sports und sein Fehlen bei den Australian Open ist ein Verlust für das Spiel", hieß es in einer veröffentlichten ATP-Mitteilung. Die ATP empfehle allen Spielern vehement, sich impfen zu lassen.

Australien begrüßt Entscheidung - Empörung aus Serbien

Die Regierung begrüßte die Entscheidung und erklärte, die strenge Corona-Einreisepolitik habe "unsere Sicherheit gewährleistet". Australiens Premierminister Scott Morrison schrieb bei Facebook: "Jetzt ist es an der Zeit, mit den Australian Open weiterzumachen und wieder den Tennis-Sommer zu genießen." Die Entscheidung sei aus Gründen der "Gesundheit, Sicherheit und der Ordnung" gefallen, so Morrison. Es sei "im öffentlichen Interesse" geschehen. "Starke Grenzen sind für die australische Lebensweise von grundlegender Bedeutung - genauso wie die Rechtsstaatlichkeit."

Die Reaktionen aus Djokovics Heimat Serbien auf die Entscheidung fielen empört aus. "In Melbourne geschah die größte Schande in der Geschichte des Sports! Schäm dich, Australien!", schrieb das Portal "kurir.rs". "Das Recht hat verloren, die Politik hat gesiegt." Das Portal "informer.rs" titelte: "Erschüttert wie noch nie!"

Lange Verhandlung

Mehrere Stunden lang war vor einem Bundesgericht in Melbourne über die Causa Djokovic verhandelt worden. Die Sitzung hatte gegen 9.30 Uhr begonnen. Zunächst brachte die Seite von Djokovic ihre Argumentationslinie vor. Anschließend hatte die Seite der australischen Regierung das Wort. Drei Richter entschieden, ob der Weltranglisten-Erste im Land bleiben oder ausreisen muss. Um kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit wurde die Entscheidung bekannt.

Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete, hatte Djokovic die Sitzung aus dem Büro seiner Anwälte in Melbourne verfolgt. Die Nacht vor der Verhandlung beim Bundesgericht hatte der Rekordsieger der Australian Open in einem Abschiebehotel verbracht.

Fall mit vielen Wendungen

Djokovic war am Freitag zum zweiten Mal das Visum aberkannt worden, woraufhin er Einspruch eingelegt hatte. Er ist nicht gegen das Coronavirus geimpft und deswegen eine umstrittene Person in dem Land, das seit Beginn der Pandemie harte Regeln aufgestellt hat.

Als ihm die Behörden in der vorigen Woche die Einreise verweigert hatten, war er ebenfalls vorübergehend in ein Abschiebehotel gebracht worden. Eine erste Gerichtsentscheidung am Montag war zu seinen Gunsten ausgefallen, Djokovic hatte daraufhin die Vorbereitung auf das erste Grand-Slam-Turnier der Saison fortgesetzt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Januar 2022 um 08:00 Uhr.