Einkauf in einem Supermarkt in Shenzhen. | Bildquelle: REUTERS

Digitales Shoppen in China Ein Scan, ein Blick - alles bezahlt

Stand: 05.12.2018 15:06 Uhr

Bezahlen per Chip und Scan, ohne Kassierer, ohne Datenschutz: China treibt die Digitalisierung voran. Was dort möglich ist, ist auch Thema beim Besuch von Bundespräsident Steinmeier.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Ein auf den ersten Blick ganz normaler Supermarkt auf dem Campus einer Wirtschafts-Universität im Osten von Shanghai. In den Regalen steht alles, was Studierende so brauchen: Süßigkeiten, Schreibwaren, Hygieneartikel und Bier zum Beispiel. Das Besondere: Der kleine Supermarkt kommt komplett ohne Angestellte aus. "Wir nehmen ein Produkt aus dem Regal und legen es hier hin", erklärt Leo Tao, der das Konzept des Supermarkts ohne Personal entwickelt hat.

Er legt einen Schokoriegel in eine Art Mulde, die sich dort befindet, wo normalerweise die Kasse stehen würde. Nun erkennt das Gerät die Ware, indem es den Chip scannt, der auf dem Schokoriegel klebt. Dann kommt eine Stimme: "Bitte den Bezahlcode per Smartphone abscannen." Wenn man das tut, öffnet sich die Tür. Falls man nicht bezahlt, bleibt die Tür geschlossen.

Um Datenschutz schert sich zunächst einmal keiner

Supermarkt in China mit westlichen Produkten | Bildquelle: dpa
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Ob an der Kasse noch ein Mensch kassiert? In einigen Supermärkten in China wird per Chip und Scan bezahlt.

Auch in anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, werden Supermärkte ohne Personal gestetet. Die Stärke des chinesischen Systems liegt im simplen Konzept der relativ einfachen Chip-Technik und vor allem in der problemlosen Umsetzbarkeit. Fragen wie: "Wie sicher ist solch ein Laden?",  "Was passiert mit den Bildern der Überwachungskameras?" oder "Wer hat Zugriff auf meine Bezahldaten?" werden zunächst erstmal nicht gestellt. Denn in China gibt es so gut wie keine echte Zivilgesellschaft, keine freien Lobby- oder Interessensgruppen, keine Meinungs- und Pressefreiheit.

Entsprechend finden gesellschaftliche Debatten - zum Beispiel über Datenschutz - so gut wie nicht statt. Der Staat hat die alleinige Deutungshoheit darüber, was ethisch-moralisch okay ist und auch darüber, was technisch sinnvoll und gewollt ist.

Mit den Augen bezahlen

Das kommt Erfindern wie Leo Tao entgegen. Er hat in den vergangenen Monaten mehrere solcher Läden ohne Personal in Betrieb genommen. Das nächste große Ding aus seiner Sicht wird das Bezahlen per Augenscan und Gesichtserkennung. "Bei dieser Technik ist kein Land der Welt so weit vorne wie China. Wir sind das erste Land, das diese Technik im Bereich der Bezahlsysteme einsetzt und wir werden in diesem Bereich führend sein."

In einigen Filialen einer US-Fastfoodkette lässt sich in China bereits heute per Gesichtserkennung bezahlen, zum Beispiel in der Stadt Hangzhou, südwestlich von Shanghai. Zwei Jugendliche stehen an einem riesigen hochkant aufgestellten Touchscreen. Sie tippen auf einen Salat, ein Hühnchensandwich und zwei Getränke. Dann fährt von oben eine kleine Kamera aus dem Gerät und wenige Sekunden danach ist das Mittagessen der beiden nicht nur bestellt, sondern auch schon bezahlt. "Das Gerät hat mein Gesicht gescannt, dann habe ich zur Bestätigung meine Telefonnummer eingetippt und das war's,", sagt einer der Jugendlichen. "Sehr bequem ist das! Nicht einmal ein Passwort muss man sich merken. Um die Sicherheit mache ich mir keine Sorgen", sagt die junge Frau.

Digitaler Alltag in China: Supermarkt ohne Personal - Bezahlen per Gesichts-Scan
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
05.12.2018 14:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2018 um 05:40 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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