Roy schraubt am 3D-Printer | Bildquelle: Caroline Hoffmann

Digitalisierung in Kenia Innovationen aus der Nachbarschaft

Stand: 14.12.2018 02:51 Uhr

Start-Ups entwickeln sich nicht nur im Silicon Valley: In Nairobi haben sich in den vergangenen Jahren unzählige junge Unternehmen angesiedelt, die die Digitalisierung Afrikas vorantreiben.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Ein ganz normales Wohngebiet in Kenias Hauptstadt Nairobi. Hecken, Zäune, Wäscheleinen. Das Geschrei der Kinder aus der Tagesstätte dringt in die kleine Garage.

Doch hier wird nicht gewohnt, sondern Hightech betrieben: Aus alten Computerteilen, Metall und Plastik baut Roy Ombatti 3D-Drucker. "Ein kleiner Motor in einem Drucker hat eigentlich eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren", sagt er. "Der Drucker hält aber nur vier Jahre, dann wird er hierher nach Afrika gebracht, repariert und nochmal fünf Jahre genutzt. Danach kann ich ihn immer noch jahrelang in meinem 3D-Drucker verwenden. So schafft er neuen Wert und hilft Menschen."

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Die Idee kam dem 29-Jährigen, als er an der Universität Maschinenbau studierte. Er gründete die Firma "AB3D", die 3D-Drucker baut und für Schulen und Krankenhäuser, aber auch private Firmen, wie beispielsweise ein Architekturbüro, druckt: neue Produkte oder auch Ersatzteile, die man in Kenia schwer bekommt.

ABCD-Printer | Bildquelle: Caroline Hoffmann
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Der 3D-Drucker druckt Produkte oder Ersatzteile, die in Kenia sonst schwer zu bekommen sind.

An diesem Tag arbeitet Ombatti an einem medizinischen Gerät, das wie eine kleine Röhre aussieht. Wofür genau der Prototyp ist, darf er nicht verraten. Nur soviel: Er wird in einem Krankenhaus eingesetzt werden. Der 29-Jährige erstellt das Modell am Computer und druckt es dann mit einem seiner selbst gebauten Geräte. Für die schwarze Röhre braucht der Drucker ein paar Stunden, als Material wird recyceltes Plastik verwendet.

Unzählige Start-Ups in Nairobi

Wie man 3D- Drucker selber baut, hat Ombatti sich aus dem Internet herausgesucht. Den ersten Drucker hat er als Starthilfe gestiftet bekommen. "Ich setze gerne Technologie wirksam ein, um das Leben der Leute positiv zu beeinflussen. Und wir verdienen damit auch genug Geld", sagt er.

Unzählige Start-Ups haben sich in Nairobi angesiedelt. In Wohngebieten, aber auch in sogenannten Hubs. In diesen Zentren wird den neuen Firmen technologische Unterstützung angeboten. Kenias Hauptstadt wird deshalb auch gerne "Silicon Savannah" genannt.

Digitaler Fortschritt "Made in Afrika"
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.12.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Hier entstand eine der größten Hightech-Innovationen aus Afrika, das mobile Bezahlsystem MPESA. Ohne Bankkonto und festes Gehalt kann einfach überall Geld auf das Handy geladen und damit bezahlt werden. Mobilfunk und Digitalisierung treiben die wirtschaftliche Entwicklung in den afrikanischen Ländern vorwärts. Mehr als 770 Millionen Menschen auf dem Kontinent nutzen bereits ein Mobiltelefon.

Per Glasfaserkabel ans globale Netz angeschlossen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Zugang zum Internet. Der ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen: von 6,7 Prozent im Jahr 2009 auf 35,2 im Jahr 2017. In den verschiedenen Ländern ist der Zugang aber sehr unterschiedlich. In Kenia hat 85 Prozent der Bevölkerung Internet, in Ghana sind es 34 Prozent, in Eritrea nur 1,4 Prozent. Doch die Verbindungen verbessern sich. Einige Länder sind mittlerweile per Glasfaserkabel ans globale Netz angeschlossen.

Immer und überall online

"Wie kann ich überall online sein?" Diese Frage stellte sich nicht nur Mark Zuckerberg von Facebook, sondern auch die kenianische Firma "brck". Mit sehr viel Erfolg: Sie entwickelten einen Mini-Server, der trotz Staub, Wasser und extremen Außenbedingungen Verbindung ins Internet herstellen kann, verpackt in einem Aluminiumkasten.

Matatus | Bildquelle: Caroline Hoffmann
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In den Matatus, also privaten Bussen in Kenia, sind Mini-Server im Einsatz, die trotz extremen Außenbedingungen Verbindung ins Internet herstellen können.

Das System funktioniert auf dem Land, aber auch in Matatus, den privaten Bussen, die in Kenia den öffentlichen Transport übernehmen. Der Server kann mobil ins Internet gehen, könnte aber auch an Glasfaser angeschlossen werden. Bezahlen muss im Matatu niemand für den Service, große Firmen lassen über diese Server ihre Apps auf den Smartphones der Nutzer aktualisieren, auch so finanziert sich das System.

Zuckerberg kam zu Besuch

"brck" hat sogar schon Besuch von den Großen der Branche bekommen: Facebook-Gründer Zuckerberg ließ sich die afrikanische Innovation im August 2016 vor Ort präsentieren. "Auf der ganzen Welt denkt man, dass wir hier Technologie von außerhalb unseres Kontinents nutzen müssten", sagt Mark Kamau, Produktdesigner bei "brck" und ergänzt:

"Aber die Menschen hier sind einfallsreich und talentiert. Es gibt genug Unternehmen, die in der Lage sind, unsere eigenen Probleme lösen. Diese Haltung ist wichtig für uns. Hoffentlich können wir zeigen, dass Afrika seine Probleme besser selbst lösen kann. Wenn Du einen Schuh trägst, weißt Du selbst, wo er drückt, und wie er passend gemacht werden kann."

Mark Kamau | Bildquelle: Caroline Hoffmann
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Mark Kamau ist Produktdesigner bei der kenianischen Firma "brck".

Lösungen für ganz Afrika finden

Roy Ombatti hofft, dass immer mehr Afrikaner sehen, dass Digitalisierung sich lohnt, und sie diese nutzen werden. Er hofft vor allem auf die Jugendlichen. "Wenn wir afrikanische Probleme als Chancen sehen, dann geht es in die richtige Richtung", sagt Ombatti. "Ich ermutige junge Leute gerne, sich zu fragen, wo die Probleme in der Gesellschaft, in ihrer Umgebung liegen - und sie dann zu lösen. Diese Lösungen passen dann schnell für ganz Afrika."

Er ist stolz auf seine Firma. Mit seinen 3D-Druckern hat er vor einiger Zeit auch bei einer großen Operation geholfen, der Trennung von zwei siamesischen Zwillingen. "Die Zwillinge waren am Becken miteinander verbunden", erzählt er. "Wir haben ein Modell des Beckenknochens gedruckt, an dem die Ärzte die Operation üben konnten. Diese Operation war die erste genau dieser Art in Afrika. Es war toll zu sehen, dass 3D-Drucken ein Teil davon war."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Dezember 2018 um 10:00 Uhr.

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