Tony Hall im November 2018 vor dem Gebäude der BBC | AFP

Skandal um Diana-Interview Ex-BBC-Topfunktionär gibt Vorsitz ab

Stand: 22.05.2021 21:22 Uhr

Der Untersuchungsbericht über das erschlichene BBC-Interview mit Prinzessin Diana hat erste personelle Folgen. Der frühere BBC-Chef Hall ist als Vorsitzender der National Gallery in London zurückgetreten.

Die Enthüllungen um das berüchtigte BBC-Interview mit Prinzessin Diana im Jahr 1995 haben erste personelle Konsequenzen gefordert. Tony Hall, Ex-Generaldirektor der britischen Rundfunkanstalt, trat als Vorsitzender des Kuratoriums der National Gallery in London zurück.

Ein Verbleib in seinem Amt würde von den Errungenschaften des renommierten Museums ablenken, "das mir so sehr am Herzen liegt", erklärte Hall. Er entschuldigte sich erneut für die damaligen "Ereignisse". Führung bedeute, Verantwortung zu übernehmen.

Hall war bei der BBC Nachrichten-Chef, als das explosive Interview mit Diana 1995 in Großbritannien für Furore sorgte. Am Sender wurde diese Woche massive Kritik laut, nachdem ein Bericht "betrügerisches Vorgehen" offenlegte, durch das sich der Journalist Martin Bashir damals Zugang zur Prinzessin verschafft habe. Die BBC habe die Machenschaften des bis dato kaum bekannten Reporters auch noch vertuscht, hieß es im Report.

Den hatte der Sender selbst in Auftrag gegeben, nachdem Dianas Bruder Charles Spencer beklagte, dass Bashir seine Schwester mithilfe gefälschter Dokumente und anderer windiger Taktiken zu dem Interview überredet habe.

John Dyson, früher Richters am Obersten Gerichtshof, hat im Auftrag der BBC den Report verfasst. Neben der Enthüllung des Fehlverhaltens von Bashir kritisierte Dyson auch eine internen BBC-Untersuchung aus dem Jahr 1996, die Bashir damals von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen hatte. Die Untersuchung sei "fehlerhaft und beklagenswert ineffektiv" gewesen.

Auch Premierminister Boris Johnson äußerte sich besorgt über die Untersuchungsergebnisse. "Ich kann nur ahnen, was die Königsfamilie empfindet", sagte er. "Ich hoffe sehr, dass die BBC jeden erdenklichen Schritt unternimmt, um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder geschieht."

William und Harry machen BBC mitverantwortlich

Nach den Enthüllungen hatten Dianas Söhne William und Harry die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt heftig angegriffen. Versagen der BBC in ihrer Aufsichtsfunktion habe zu "Furcht, Paranoia und Isolation" seiner Mutter in ihren letzten Lebensjahren "wesentlich beigetragen", kritisierte William. Sein jüngerer Bruder Harry machte das Interview mitverantwortlich für den Tod ihrer Mutter.

In dem denkwürdigen Fernsehinterview im November 1995 hatte Diana die Affäre ihres Mannes Charles mit seiner heutigen Frau Camilla indirekt für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich gemacht. "Es gab drei in dieser Ehe, also war es ein bisschen voll", sagte sie in dem Interview. Im Jahr danach ließen sie sich scheiden. 1997 kam die Prinzessin auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall in Paris ums Leben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 20. November 2020 um 17:05 Uhr.