Luigi Di Maio legt demonstrativ die Krawatte ab | Bildquelle: dpa

Fünf-Sterne-Chef tritt zurück Ohne Parteiamt - und ohne Krawatte

Stand: 22.01.2020 22:52 Uhr

Fünf-Sterne-Chef Di Maio legt sein Parteiamt nieder und spart in seiner Abschiedsrede weder mit Kritik noch mit Symbolik. Für Italiens Regierung ist das eine weitere Belastung. Außenminister bleibt Di Maio aber.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Am Ende legte Luigi Di Maio am Rednerpult demonstrativ die Krawatte ab. Sie war sein Markenzeichen an der Spitze der Fünf-Sterne-Bewegung. Im Zentrum Roms ging vor Abgeordneten, Senatoren und anderen führenden Vertretern der Fünf Sterne Di Maios Zeit als Krawattenträger und Parteiführer zu Ende: "Heute bin ich hier, um meinen Rücktritt als politischer Chef der Fünf-Sterne-Bewegung einzureichen."

Bei einer nationalen Parteiversammlung im März will sich die Fünf-Sterne-Bewegung neu aufstellen, bis dahin soll Senator und Innen-Staatssekretär Vito Crimi die einst größte Protestpartei Europas als neuer Übergangschef führen. Crimi rückt als Ältester des sogenannten Garantiekomitees, der Parteiführung der Fünf Sterne, satzungsgemäß an die Spitze.

Luigi Di Maio legt demonstrativ die Krawatte ab | Bildquelle: AFP
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Am Ende des Abends ohne Parteiamt und demonstrativ auch ohne Krawatte: Luigi Di Maio.

Bittere Abrechnung mit seinen Kritikern

Di Maio begründete seinen Abschied als Parteichef damit, dass er den Weg für eine neue Ära freimachen wolle. In den vergangenen Wochen hatte der Druck auf ihn zugenommen.

Seine innerparteilichen Gegner machen den 33-Jährigen für die Krise der Fünf-Sterne-Bewegung und den Absturz in den Umfragen verantwortlich. Di Maios Abschiedsrede war in Teilen eine bittere Abrechnung mit seinen Kritikern:

"Die schlimmsten Gegner sind immer die, die man sich nie vorstellen konnte. Die, die Werte verraten, für die man gemeinsam gekämpft hat. Das sind die Leute unter uns, die nicht für gemeinsamen Ziele arbeiten, sondern für ihre Sichtbarkeit."

Weitere Belastung für Italiens Regierung

Als wichtigster innerparteilicher Gegner Di Maios gilt der ehemalige Parlamentsabgeordnete Alessandro Di Battista, neben dem Außenminister das bekannteste Gesicht der Partei. Gestützt worden ist Di Maio stets von seinem politischen Ziehvater, dem Parteigründer Beppe Grillo. Vor wenigen Tagen aber, berichtet die Zeitung "Repubblica", habe Di Maio intern eingeräumt, in seinem Verhältnis zu Grillo sei "etwas kaputt gegangen".

Für Italiens Regierung - bereits jetzt häufig in Streit - ist Di Maios Rückzug kurz vor wichtigen Regionalwahlen am Wochenende eine weitere Belastung. Die Fünf-Sterne-Bewegung ist die größte Regierungspartei.

Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte in einem Radiointerview - als Di Maios Rücktritt noch gar nicht offiziell war -, dass für ihn die Arbeit nun nicht einfacher werde: "In den vergangenen Tagen ist an Luigi Di Maio viel herumgezerrt worden. Eine Rücktrittsentscheidung von ihm werde ich respektieren, aber auf persönlicher Ebene werde ich sie schon bedauern."

Loyal bei der Findung von Kompromissen

Di Maio hat ein enges politisches Verhältnis zu Conte, war stets sein wichtigster Fürsprecher. Vor zwei Jahren hat er im Wahlkampf den Wirtschaftsprofessor zum Teil des Schattenkabinetts der Fünf-Sterne-Bewegung gemacht und damit in die Politik geholt.

Dagegen ist Di Maios Beziehung zum aktuellen Koalitionspartner, der sozialdemokratisch orientierten Demokratischen Partei, zwiespältig. Der Außenminister war nie ein großer Fan eines Mitte-links-Bündnisses. Vor allem Grillo hatte parteiintern auf die Bildung dieser Koalition gedrängt.

Giuseppe Conte (l), Premierminister von Italien, spricht mit Luigi Di Maio, Außenminister von Italien im Senat. | Bildquelle: dpa
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Für Premierminister Conte (links auf diesem Archivbild) wird die Arbeit durch den Rückzug Di Maios nicht einfacher.

Er bleibt Außenminister

In der bisherigen Regierungsarbeit aber hat sich Di Maio stets loyal gezeigt und bei Konflikten daran mitgewirkt, Kompromisse zu finden, um die Regierung im Amt zu halten. Di Maios Übergangsnachfolger Crimi gilt ebenfalls als eher gemäßigter Vertreter der Fünf Sterne und Unterstützer der aktuellen Koalition.

Trotz seines Rücktritts als Parteichef will Di Maio weiter Außenminister bleiben. Auch in diesem Amt war er zuletzt in der Kritik. Bei den Versuchen, die Krise in Libyen zu lösen, spielte Italien nur eine Nebenrolle. Italienische Medien machten hierfür vor allem Di Maio verantwortlich.

In seiner Abschiedsrede als Chef der Fünf-Sterne-Bewegung gab sich Di Maio als verantwortungsvoller Außenamtschef. Er rief seine Partei dazu auf, sich künftig klarer zur NATO und zur Europäischen Union zu bekennen.

Di Maio als 5 Sterne Chef zurückgetreten - Conte bedauert Rückzug
Jörg Seisselberg, ARD Rom
22.01.2020 22:05 Uhr

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