Ein Mann im einem Schutzanzug bei einem Corona-Testzentrum in Warschau | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus So hoch sind die Zahlen bei den Nachbarn

Stand: 14.10.2020 13:49 Uhr

Polen hat vergleichsweise wenige Covid-19-Fälle, Belgien dagegen sehr viele: Bei Deutschlands Nachbarstaaten geht nach jüngsten EU-Daten das Ausmaß der Pandemie deutlich auseinander. Auch die Schutzmaßnahmen unterscheiden sich. Die Bundesrepublik selbst hat den geringsten Inzidenzwert. Ein Überblick.

Dänemark

In Deutschlands nördlichstem Nachbarland haben die Behörden laut der jüngsten Veröffentlichung des "European Center for Disease Control" (ECDC) 32.811 Covid-19-Fälle registriert. Daraus errechnet die ECDC einen Inzidenzwert von aufgerundet 99 - für den Zeitraum der vergangenen 14 Tage.

Die Schutzmaßnahmen der Regierung sehen vor, dass Cafés und Kneipen um 22 Uhr schließen müssen. In allen Lokalen ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) Pflicht. An öffentlichen Veranstaltungen dürfen maximal 50 Personen teilnehmen. Diese Grenze gilt auch für private Veranstaltungen, zum Beispiel in Restaurants. Arbeitnehmer sollen möglichst im Homeoffice arbeiten. Soziale Kontakte sollen die Dänen generell begrenzen und den öffentlichen Nahverkehr in Stoßzeiten meiden.

EU-Ministerrat verständigt sich auf Corona-Ampelsystem für Reisende
tagesschau 20:00 Uhr, 13.10.2020, Gudrun Engel, ARD Brüssel

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Polen

Polen ist das einzige Nachbarland, das bisher vom Auswärtigen Amt in Berlin noch nicht ganz oder teilweise als Risikogebiet eingestuft wurde. Die Republik verzeichnet laut ECDC mit 130.210 Fällen einen etwas höheren Inzidenzwert von 110.

Seit dem vergangenen Wochenende gilt wieder eine generelle Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Feiern sind auf 75 Teilnehmer begrenzt.

Tschechien

Tschechien kommt mit 121.421 Corona-Fällen laut ECDC auf einen Inzidenzwert von 522 - kein anderes EU-Land hat eine so hohe Rate. Und die Zahlen steigen weiter.

Die tschechische Regierung hat deshalb dem Land einen zweiwöchigen Stillstand verordnet. Bis zum 3. November müssen Restaurants, Bars und Clubs schließen. Gaststätten dürfen nur noch bis 20 Uhr außer Haus verkaufen. In der Öffentlichkeit gilt ein Alkoholverbot. Versammlungen von mehr als sechs Personen sind untersagt. Auch alle Grundschulen werden nun geschlossen und sollen auf Online-Unterricht umstellen. Nur die Kindergärten bleiben geöffnet.

Karte: 14-Tage-Inzidenzwert bei Corona-Infektionen in Deutschlands Nachbarländern (Quelle: ECDC / BAG Schweiz)
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Der Inzidenzwert wird europaweit in der Regel für den Zeitraum von 14 Tagen angegeben - anders als ins Deutschland, wo meist die Sieben-Tage-Inzidenz verwendet wird. Die Zahlen in dieser Grafik und diesem Artikel beziehen sich auf die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tage.

Österreich

Österreich hat laut ECDC-Erhebung 56.591 Covid-19-Fälle registriert, das ergibt einen Inzidenzwert von 143.

Im öffentlichen Nahverkehr und Seilbahnen muss ein MNS getragen werden, ebenso bei Demonstrationen und in vielen Institutionen. In geschlossenen Räumen dürfen maximal zehn Personen an Veranstaltungen teilnehmen. Bei professionellen Veranstaltungen drinnen gilt eine Obergrenze von 1500 Teilnehmern. Im Freien ist die Teilnehmerzahl auf 100 beziehungsweise 3000 begrenzt. Es gilt eine generelle Sperrstunde ab 1.00 Uhr, in einigen Gegenden sogar schon ab 22.00 Uhr.

Schweiz

Da die Schweiz nicht der EU angehört, werden die dortigen Corona-Zahlen nicht von der ECDC erfasst. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit führt in seiner jüngsten Übersicht 65.726 Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf. Das ergibt einen Inzidenzwert von 149 - damit liegt die Schweiz etwas über dem Wert des Nachbarlandes Österreich und deutlich über der deutschen Inzidenzzahl. Bei den PCR-Tests kommt die Schweiz in den vergangenen 14 Tagen auf einen Wert von 1815 pro 100.000 Einwohner

Im öffentlichen Nahverkehr sowie bei Kundgebungen ist das Tragen eines MNS Pflicht. Für private Veranstaltungen gilt seit Monatsbeginn eine Begrenzung auf maximal 300 Personen. Ein generelles Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern wurde aufgehoben. Viele Regelungen werden aber auf Kantonebene getroffen.

Frankreich

In absoluten Zahlen ist das bevölkerungsreiche Frankreich - wenig überraschend - das am stärksten betroffene Nachbarland Deutschlands - das ECDC führt 743.479 Fälle auf. Das ergibt einen Inzidenzwert von 300 und tabellarisch gesehen Rang vier.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will sich am Abend zu neuen Corona-Schutzmaßnahmen äußern, die vor allem die sogenannten Hotspots des Landes betreffen - den Großraum Paris sowie neun weitere Ballungsräume und ein Überseegebiet. Laut Nachrichtenagentur AFP dürfte er mitteilen, dass Bars, Cafés und Fitnessclubs sowie Schwimmbäder schließen müssen und Restaurants nur unter Auflagen offen bleiben dürfen, wenn ein Inzidenzwert von 250 pro Woche erreicht ist. Das Kabinett soll dann einen Gesundheitsnotstand ausrufen können, der Ausgangssperren oder nächtliche Sperrstunden sowie die Schließung von Schulen und Hochschulen ermöglicht. In zahlreichen Metropolen gilt schon jetzt die höchste Corona-Warnstufe. Bars sind geschlossen, in Restaurants gelten strengere Hygienemaßnahmen.

Luxemburg

Das Großherzogtum verzeichnete laut ECDC 9731 Fälle und einen Inzidenzwert von 221. Die Regierung führt aber an, dass sie weitaus stärker als andere europäische Staaten - und gratis - testet und deshalb auf einen vergleichsweise hohen Wert kommt.

Verstärkte Schutzmaßnahmen will Luxemburg deshalb vorerst nicht einführen - vielmehr sorgt sich das Land um neue Grenzschließungen wie im Frühjahr. Diese kritisiert es weiterhin als unsolidarisch und als Verstoß gegen den europäischen Geist. Die abrupten Maßnahmen der Nachbarstaaten hatten vor allem Berufspendler getroffen. Derzeit gilt in Luxemburg eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und geschlossenen Räumen wie Geschäften. Private Veranstaltungen müssen auf zehn Personen beschränkt werden. Diskotheken bleiben geschlossen.

Belgien

165.787 Covid-19-Fälle und ein Inzidenzwert von 430 - damit liegt der kleine Bundesstaat auf Rang zwei bei den Nachbarstaaten.

Angesichts der steigenden Fälle gelten in Belgien seit der vergangenen Woche verschärfte Schutzmaßnahmen. Private Treffen daheim sind auf maximal vier Personen beschränkt. Die Zahl gilt auch für nichtorganisierte Zusammenkünfte im Freien. Enge soziale Kontakte sind auf drei pro Monat beziehungsweise Haushalt begrenzt. Als enger Kontakt gilt die Begegnung mit Menschen ohne MNS, bei denen der Abstand von 1,5 Metern unterschritten wird. Bars und Cafés schließen um 23 Uhr, Restaurants um 1.00 Uhr. Das Tragen eines MNS ist in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht sowie in bestimmten stark frequentierten und überdachten Gebäuden vorgeschrieben.

Covid-19-Fälle in Deutschlands Nachbarstaaten
StaatFälle insgesamtTote14-Tage-InzidenzTote pro 100.000 Einw.*
Dänemark32.811671990,4
Polen130.21030391101,6
Tschechien121.42110515224,1
Österreich56.5918691430,9
Schweiz65.72618071490,3
Frankreich743.479 32.8253001,5
Luxemburg97311332211,5
Belgien165.78710.2114301,8
Niederlande181.29465873871.2
Deutschland329.4539634510,2
Quelle:ECDC/BAG Schweiz* in 14 Tagen

Niederlande

Auch die Niederlande registrieren eine vergleichsweise hohe Zahl von Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus - das ECDC führt 181.294 fälle auf und errechnet daraus einen Inzidenzwert von 387. Das ist mehr als das siebenfache des deutschen Wertes.

Die Regierungs hat deshalb die Vorschriften im Land noch einmal verschärft und einen Teil-Lockdown angeordnet. Kneipen, Cafés und Restaurants sind ab 15. Oktober geschlossen. Außerdem wurde der Verkauf von Alkohol ab 20 Uhr verboten. Die Bürger dürfen zudem nur noch maximal drei Gäste pro Tag in ihren Wohnungen empfangen und sollen Bus und Bahn nur noch in dringenden Fällen nutzen.

Premier Rutte kündigte auch eine allgemeine Maskenpflicht an für alle öffentlichen Räume wie Geschäfte, Museen oder Bibliotheken. Bisher war dies nur eine dringende Empfehlung.

Zu den Zahlen

Die in diesem Beitrag und in der Grafik aufgeführten Zahlen stammen aus einer Veröffentlichung des "European Center for Disease Control" (ECDC) vom 13.10.2020. Das ECDC weist darauf hin, dass die Einzelstaaten der EU die nationalen Covid-19-Fälle zu unterschiedlichen Zeitpunkten sammeln und dem ECDC melden. Die Zahlen aus der Schweiz wurden vom dortigen Bundesamt für Gesundheit am 13.10.2020 veröffentlicht. In beiden Listen wird für den Inzidenzwert ein Zeitraum von 14 Tagen zugrunde gelegt. Das Robert Koch-Institut errechnet den Wert für Deutschland für einen Zeitraum von sieben Tagen. Deshalb kommt das RKI aktuell auf einen Wert von aufgerundet 32 - deutlich niedriger als der 14-Tage-Wert des ECDC. (Stand: 14.10.2020)

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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