Demonstranten in Madrid protestieren gegen die geplante Begnadigung katalanischer Separatisten.  | AFP

Proteste in Madrid Großdemo gegen Katalonien-Begnadigung

Stand: 13.06.2021 18:32 Uhr

Zehntausende Menschen haben in Madrid gegen die geplante Begnadigung katalanischer Separatisten durch Ministerpräsident Sánchez demonstriert. Das Thema spaltet die Nation.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Dicht gedrängt stehen die Menschen auf der Plaza Colón in Madrid und rufen wütend "Rücktritt Pedro Sánchez". Laut Polizei sind es 25.000 Demonstranten, die meisten aus dem politisch rechten Lager.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Fast alle haben eine gelb-rote Spanien-Flagge in der Hand oder eine über die Schultern geworfen. So wie Felipe. Für ihn ist es ein Unding, dass Regierungschef Sánchez die inhaftierten katalanischen Separatistenführer begnadigen will:

Die Justiz hat entschieden, dass die Verurteilten im Gefängnis sitzen müssen. Und jetzt schließt die Regierung einen Pakt mit ihnen. Sánchez missachtet die Gewaltenteilung und gefährdet damit unsere Demokratie. Dagegen protestieren wir.

Ein Gericht hatte mehrere Anführer der katalanischen Separatistenbewegung zu Gefängnisstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt - wegen des illegalen Unabhängigkeitsreferendums 2017. Ministerpräsident Sánchez sieht eine Begnadigung als Angebot der Versöhnung, wodurch neue Gespräche über die Zukunft Kataloniens möglich werden könnten. Das sei das Beste für Spanien. "Vertrauen Sie in die Schritte, die wir unternehmen. Sie werden sich lohnen. Wir müssen aus einer schlechten Vergangenheit in eine bessere Zukunft gehen, ein gutes Zusammenleben in unserem Land erreichen."

Rund 25.000 Regierungsgegner demonstrieren mit Spanienflaggen auf Madrids Straßen. | ARD-Studio Madrid

Rund 25.000 Regierungsgegner demonstrieren mit Spanien-Flaggen auf Madrids Straßen. Bild: ARD-Studio Madrid

Opposition kritisiert Sánchez

Oppositionsführer Pablo Casado von der konservativen Volkspartei PP wirft dem Ministerpräsidenten vor, sein politisches Überleben durch den Straferlass retten zu wollen. Sánchez ist auf Stimmen katalanischer Separatisten angewiesen, um im spanischen Parlament Gesetze durchzubringen. Die Regierung dürfe nicht die Einheit Spaniens verkaufen, so Casado:

Wir fordern, dass Sánchez die Gleichheit aller Spanier verteidigt. Um für gutes Zusammenleben einzutreten, darf man nicht gegen Gesetze verstoßen und Urteile von demokratischen und freien Gerichten in Frage stellen.

Spanische Bevölkerung gespalten

Da sind sich die rechten Parteien in Spanien einig - von der konservativen Volkspartei über die rechts-liberale Ciudadanos bis hin zur Rechtsaußenpartei Vox. Die spanische Bevölkerung ist in der Frage gespalten, ob die katalanischen Unabhängigkeitskämpfer vollständig freigelassen werden sollten. Je nach Umfrage lehnen zwischen 50 und 70 Prozent der Spanierinnen und Spanier eine Begnadigung ab.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Juni 2021 um 16:08 Uhr.