Polizisten stehen geschlossen einzelnen Demonstranten gegenüber. | REUTERS

Proteste trotz Corona Zusammenstöße bei Demos in London

Stand: 13.06.2020 16:46 Uhr

Trotz Warnungen haben sich in London Hunderte Menschen an Anti-Rassismus-Protesten sowie an Kundgebungen rechtsextremer Gruppen beteiligt. Auf dem Parliament Square kam es zu Zusammenstößen.

Hunderte rechte Demonstranten und Fußballfans haben auf dem Londoner Parliament Square protestiert. Einige warfen Flaschen und Dosen auf Polizisten, Einsatzkräfte zu Pferd drängten die Menge auseinander.

Als Grund für ihren Protest erklärten die Teilnehmer, sie wollten die historischen Denkmäler schützen, die in den vergangenen Tagen von Aktivisten gegen Rassismus ins Visier genommen worden waren. Viele Protestierende kamen vor dem Denkmal des früheren Premierministers Winston Churchill und vor dem Kriegerdenkmal Cenotaph zusammen. Beide waren zuletzt aus Angst vor Vandalismus umhüllt worden.

Fußball-Fans vor der verhüllten Statue von Winston Churchill | AP

Fußball-Fans vor der verhüllten Statue von Winston Churchill auf dem Parliament Square Bild: AP

Der Anführer der rechtsgerichteten Gruppe Britain First, Paul Golding, sagte der britischen Nachrichtenagentur PA, er sei sauer, dass die Behörden an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Vandalismus "gegen unsere nationalen Denkmäler" erlaubt hätten.

Demonstranten hatten auf Churchills Statue geschrieben, dass er ein Rassist gewesen sei. Eine Londoner Gruppe der Bewegung "Black Lives Matter" sagte ihre für heute geplante Demonstration ab. Mit Verweis auf die Gegendemonstranten aus dem rechten Spektrum erklärte sie, diese machten die Situation unsicher.

Patel warnt vor Ausbreitung des Virus

Innenministerin Priti Patel kritisierte die Gewalt als völlig inakzeptabel. Wer sich an gewalttätigen Ausschreitungen und Vandalismus beteilige, müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen. "Gehen Sie nach Hause, um die Ausbreitung (des Coronavirus) zu stoppen und Leben zu retten", schrieb sie auf Twitter.

Historische Statuen und Denkmäler haben sich weltweit zu einem Faktor bei Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt entwickelt. In Großbritannien heizen die Proteste die Debatte über das Erbe des British Empire und dessen Rolle im Sklavenhandel an. In Bristol wurde das Denkmal des Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel gestürzt.

Tod Floyds Auslöser der Proteste

Auslöser der weltweiten Proteste gegen Rassismus ist der Tod des Schwarzen George Floyd am 25. Mai, als ein weißer Polizist in der US-Stadt Minneapolis minutenlang sein Knie auf dessen Hals drückte. Nicht nur in den USA kommt es seither zu Demonstrationen gegen Rassismus. In den letzten Tagen hatte die Polizei auch andere Denkmäler auf dem Parliament Square abgesichert, etwa die von Nelson Mandela und Abraham Lincoln.

Die Polizei hatte gewarnt, dass mit der Teilnahme an Demonstrationen die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus verletzt würden. Demnach dürfen sich nicht mehr als sechs Menschen versammeln. Um Zusammenstöße beider Gruppen zu verhindern, hatte die Polizei diesen unterschiedliche Bereiche in London zugewiesen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Juni 2020 um 17:00 Uhr.