Demonstranten in Barcelona fordern die Freilassung inhaftierter Politiker | Bildquelle: REUTERS

Großdemo in Barcelona Hunderttausende fordern Freiheit für Inhaftierte

Stand: 12.11.2017 15:57 Uhr

"Freiheit für die politischen Gefangenen" - das haben Hunderttausende Teilnehmer einer Großdemonstration in Barcelona gefordert. Acht katalanische Politiker sowie zwei Anführer der Separatistenbewegung sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Von Nicholas Buschschlüter, ARD-Studio Madrid, zzt. Barcelona

Katalanische Busunternehmer machen derzeit sehr gute Geschäfte. Ständig werden Demonstranten zu Großkundgebungen gebracht. Diesmal charterten die Organisatoren der Demonstration rund 600 Busse, um Unabhängigkeitsbefürworter aus ganz Katalonien nach Barcelona zu bringen. Entsprechend voll war es auf der breiten Allee unweit des ehemaligen Olympischen Viertels.

Und wieder lautete der meist gehörte Ruf "Libertat". Freiheit - für zehn Inhaftierte. Für die acht ehemaligen Minister der abgesetzten Regionalregierung, die sich in Madrid in Untersuchungshaft befinden, und für die beiden Chefs der größten Unabhängigkeitsbewegungen.

Demonstranten in Barcelona fordern die Freilassung inhaftierter Politiker | Bildquelle: REUTERS
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Hunderttausende Menschen versammelten sich zu der Großkundgebung auf den Straßen Barcelonas.

"Politische Gefangene"

Für die Demonstranten, unter ihnen alle Bevölkerungsschichten, sind alle zehn Inhaftierten politische Gefangene. Auch für Verenia, eine rüstige Mitsechzigerin aus dem Dorf Abrero. Sie sagt, die Gefangenen säßen nur wegen ihrer Ideale im Gefängnis. Fran aus Mataro findet, die Politiker hätten nur das getan, was das Volk ihnen aufgetragen habe.

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Familienmitglieder der Inhaftierten führten den Protestzug an. Fast alle Demonstranten trugen als Zeichen ihrer Solidarität gelbe Schleifen, viele schwenkten die gelb-roten Flaggen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Distanzierung für die Freiheit

Doch so geschlossen wie auf der Demonstration zeigte sich die Unabhängigkeitsbewegung zuletzt an anderer Stelle nicht. Am Donnerstag beteuerte die Präsidentin des katalanischen Parlaments, Carme Forcadell, vor dem Obersten Gerichtshof, die Unabhängigkeitserklärung sei nur symbolisch gewesen. Forcadell durfte danach unter Kaution freikommen. Nach spanischen Medienberichten denkt jetzt auch ein Teil der inhaftierten Ex-Minister über eine ähnliche Distanzierung wie Forcadell nach, um so aus der Haft zu kommen.

Carme Forcadell kommt zu ihrer Anhörung mit Aktenordner unter dem Arm | Bildquelle: REUTERS
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Bei ihrer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof distanzierte sich die frühere Präsidentin des katalanischen Parlaments, Forcadell, von einer Unabhängigkeitserklärung.

Trotzdem nehmen die Demonstranten den Politikern diese Aussagen nicht übel. Forcadell habe das getan, was ihre Anwälte ihr geraten hätten, glaubt Maribel, die Tochter andalusischer Einwanderer ist. Im Gefängnis sei es eben nicht angenehm und Forcadell wolle frei bleiben.

Allerdings verlief auch der Generalstreik in Katalonien am vergangenen Mittwoch aus separatistischer Sicht enttäuschend, da eine Lähmung des öffentlichen Lebens bei weitem nicht gelang. Zu wenige Leute legten die Arbeit nieder. Einen Kompromiss mit der spanischen Regierung lehnen viele Demonstranten dennoch ab. Verenia sagt, 30 Jahre betrogen zu werden, sei genug. Sie wolle nicht mehr Teil Spaniens sein.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. November 2017 um 18:00 Uhr.

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