Ein Delfin beim Sprung aus dem Wasser. Immer häufiger werden die Meeressäuger weltweit zum Verzehr gejagt. | Bildquelle: AFP

Metastudie von Aktivisten Delfin- und Waljagd nimmt weltweit zu

Stand: 30.07.2018 11:40 Uhr

Immer mehr Delfine und Wale werden getötet und als Ersatz für den zurückgehenden Fischfang verspeist: Das stellen mehrere Tierschutzorganisationen in einer Studie fest. Sie kritisieren die mangelnde Gesetzgebung.

Etwa 100.000 Delfine und Kleinwale werden weltweit jedes Jahr erlegt - oft mit brutalen Jagdmethoden und außerhalb gesetzlicher Vorschriften. Zu diesem Schluss kommen mehrere Tierschutzverbände in einer Metastudie, für die sei mehr als 300 wissenschaftliche Studien, Augenzeugen- und Zeitungsberichte ausgewertet haben. Angesichts der Ergebnisse sprechen die Organisationen Animal Welfare Institute, Whale and Dolphin Conservation und Pro Wildlife von einer "Bibliothek des Grauens".

Demnach werden die Tiere insbesondere in ärmeren Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens zunehmend zum Verzehr gejagt, um schwindende Erträge aus dem lokalen Fischfang für eine wachsende Bevölkerung zu ersetzen. Die Bestände seien dort durch die internationale Fischfang-Industrie so weit ausgedünnt, dass für die Einheimischen zu wenig zur Versorgung bleibe.

Delfinfleisch als Köder für Edelfisch-Fang

Am größten ist das Ausmaß der Delfin- und Waljagden den Aktivisten zufolge in Peru und Nigeria, wo jeweils mehr als 10.000 Tiere pro Jahr getötet werden. In Japan, das lange als Walfang-Nation in der Kritik stand, ging die Zahl der getöteten Delfine hingegen stark zurück.

Immer öfter werde Delfinfleisch auch als Köder für teure Speisefische eingesetzt: Im Amazonasgebiet lockten Fischer mit dem speckigen Fleisch des bedrohten Süßwasser-Delfins Haie, Thunfisch oder Piracatinga an. Aber auch der Beifang sei ein wachsendes Problem - zumindest in Ländern, in denen er in den Handel gelangen dürfe, landeten Delfine nicht mehr ganz zufällig in den Netzen.

Japanische Fischer transportieren tote Delfine in einem Boot. Lange stand das Land wegen seines Delfin- und Walfangs in der Kritik. | Bildquelle: dpa
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Japanische Fischer transportieren tote Delfine in einem Boot. Lange stand das Land wegen seines Delfin- und Walfangs in der Kritik. Eine Studie von Tierschützern kommt zu dem Schluss, dass der Fang dort im Vergleich zu anderen Nationen stark zurückgegangen ist.

Tierschützer kritisieren mangelnde Gesetzgebung

Nicht nur die Zahl der getöteten Tiere sei erschreckend, sondern auch die Jagdmethoden, heißt es in der Studie: Wale und Delfine würden mit Harpunen beschossen, mit Speeren, Macheten, Gewehren, Haken oder Dynamit erlegt.

Die Tierschutzorganisationen kritisieren insbesondere den lückenhaften gesetzlichen Schutz der Tiere: Delfine und Kleinwale seien nicht durch das Moratorium der Internationalen Walfangkommission gegen kommerziellen Fang geschützt, erläuterte die Organisation Pro Wildlife. Internationale Schutzbestimmungen gebe es nicht, lediglich einen "Flickenteppich" aus regionalen Regeln und Jagdverboten für bestimmte Arten. In vielen Ländern unterliege die Jagd gar keinen gesetzlichen Bestimmungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. März 2018 um 19:05 Uhr.

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