Auf diesem von der "Sea Shepherd Conservation Society" veröffentlichten Bild liegen die Kadaver toter Delfine auf einem Strand.  | dpa

Jagd vor Färöer-Inseln Empörung über Tötung von Delfinen

Stand: 15.09.2021 19:01 Uhr

Die Tötung von mehr als 1400 Delfinen vor den Färöer Inseln hat für Entsetzen und Kritik gesorgt. Die Regierung der Inseln verteidigt die Jagd - die Tiere seien effektiv getötet worden.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Die Delfine wurden mit Booten ins flache Gewässer getrieben und dort getötet. Diese Art der Jagd gibt es seit Hunderten von Jahren auf den Färöer-Inseln - in der Regel werden mehr Wale als Delfine gefangen. Doch am vergangenen Sonntag lief es anders ab: Mehr als 1400 Delfine wurden von den Jägern in eine Bucht getrieben.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

"Schwer zu verteidigen"

Sjurdur Skaale ist Abgeordneter für die Färöer im dänischen Parlament und zeigte sich entsetzt: "Was diesmal schief gegangen ist, war, dass die Gruppe der Tiere viel zu groß war, und die Anzahl der Menschen am Strand viel zu klein, deshalb hat es so lange gedauert und die Tiere haben gelitten. Was wir da gesehen haben, ist schwer zu verteidigen."

Ein Blick in die Statistiken des zuständigen Ministeriums zeigt: In den vergangenen 20 Jahren wurden nie so viele Delfine getötet, nicht mal ansatzweise.

Ein Mann steht in mitten vieler toter Delfine. | Bjarni Árting Rubeksen

Die Zahl von über 1400 getöteten Delfinen war in diesem Jahr außergewöhnlich hoch. Bild: Bjarni Árting Rubeksen

Sea Shepherd befürchtet Fleisch-Entsorgung

Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd hatte ein Video vom Wochenende veröffentlicht. Der Vorsitzende aus Deutschland Manuel Abraas sagt: "Es ist das größte Massaker an Meeressäugetieren, das jemals dokumentiert wurde. Dieses gesamte Fleisch kann sehr wahrscheinlich gar nicht von den Färöern konsumiert werden. Man muss davon ausgehen oder befürchten, dass der Großteil entsorgt wird oder meinetwegen in irgendwelchen Buchten verschwindet."

Fischereiminister weist Kritik zurück

Ganz anders bewertet der zuständige Minister für Landwirtschaft und Fischerei der Färöer die Tötung der Delfine. Er verwies auf gesetzliche Vorgaben für die Jagd, beispielsweise bräuchten alle Jäger Lizenzen.

Dass die Tiere dieses Mal besonders gelitten hätten, weist Jakob Vestergaard im Interview mit lokalen Medien entschieden zurück. "Ich habe die Verantwortlichen vor Ort, die ich kenne, gefragt, und sie haben gesagt, dass alles gut gelaufen ist. Natürlich dauert es etwas, so viele Delfine zu töten, aber jeder einzelne Delfin wurde effektiv und schnell getötet."

Ein Mann im Neoprenanzug zieht Delfine durch Wasser. | Bjarni Árting Rubeksen

Die Jagd wird als "Grindadrap" bezeichnet und wird seit Jahrhunderten auf den zum dänischen Königreich zählenden, aber weitgehend autonomen Inseln im Nordatlantik betrieben. Bild: Bjarni Árting Rubeksen

Heftige Diskussionen über diese Jagd

Die vielen toten Tiere, das von Blut rot gefärbte Meer - dies hat auch auf den Färöer-Inseln für intensive Diskussionen gesorgt. Die Macht der Bilder sei enorm, so der Vorsitzende einer lokalen Jagdvereinigung. Sie könnten das Ende der traditionellen Jagd bedeuten.

Auch der Parlamentsabgeordnete Skaale weist darauf hin, dass das Thema für die Bewohner sehr emotional sei. Zwar gebe es immer noch eine klare Mehrheit für den Walfang, aber die Tötung von Delfinen würden viele ablehnen.

Mehrere tote Delfine | Bjarni Árting Rubeksen

Die Bilder der blutigen Kadaver lösten eine große Empörung aus. Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd bezeichnete die Praxis als "barbarisch".  Bild: Bjarni Árting Rubeksen

Vergleich mit Schweinetötung

Skaale findet, es bräuchte in der Diskussion mehr Differenzierung: "Es ist wie ein Schlachthaus im Freien. Man sieht das Blut, das Meer ist rot gefärbt, man sieht die Todeszuckungen der Wale. Aber was passiert denn im Schlachthof? Das Gleiche, aber verborgen hinter dicken Mauern. Schweine sind auch sehr intelligente Tiere. Deshalb ist es moralisch besser, Walfleisch zu essen als Schweinefleisch."

Die traditionelle Waljagd auf den Färöer-Inseln steht seit Jahren in der Kritik. Ob die internationale Aufmerksamkeit dieses Mal etwas verändern wird, bleibt abzuwarten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2021 um 17:00 Uhr.

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