US-Präsident Donald Trump vor dem Weißen Haus | Bildquelle: Chris Kleponis/POOL/EPA-EFE/Shut

Kritik nach TV-Duell Trump will rechte Gruppierung nicht kennen

Stand: 30.09.2020 22:57 Uhr

US-Präsident Donald Trump ist nach seinem scharf kritisierten Aufruf an eine rechtsradikale Gruppe, sich "bereitzuhalten", zurückgerudert. Er und sein Herausforderer Biden werfen sich nach dem chaotischen TV-Duell Versagen vor.

Nach Kritik an seiner Weigerung, rechte Gruppierungen eindeutig zu verurteilen, hat sich US-Präsident Donald Trump in Schadensbegrenzung versucht. "Ich weiß nicht, wer die 'Proud Boys' sind", sagte Trump im Garten des Weißen Hauses mit Blick auf eine gleichnamige Vereinigung aus dem rechten Spektrum, die am Vortag bei seiner TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden zum Thema geworden war.

"Wer auch immer sie sind, sie müssen sich zurückhalten und die Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit machen lassen." Auf die Frage einer Reporterin, ob er "White Supremacists" - also Rechtsextremisten, die von einer Vorherrschaft von Weißen überzeugt sind - verurteilt, sagte Trump: "Ich habe immer jede Form (...), jede Form von so etwas verurteilt." Das Wort "White Supremacists" nahm er nicht in den Mund.

Bei der TV-Debatte hatte Trump gesagt: "Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit" ("stand back and stand by"). Trump war gefragt worden, ob er bereit wäre, explizit Gruppen und Milizen zu verurteilen, zu deren Ansichten die Überlegenheit der Weißen gehört. Das tat er nicht. Kritisiert wurde er deswegen auch von Politikern seiner eigenen Partei.

Anhänger bezeichnen Aussage als "historisch"

Die Gruppe feierte die Aussage. Die "New York Times" schrieb, in privaten Kanälen auf sozialen Medien hätten die Anhänger Trumps Kommentar als "historisch" gefeiert. In einem Kanal hätten Mitglieder der Gruppe die Aussage des Präsidenten als stillschweigende Billigung ihrer gewalttätigen Taktiken gewertet. In einer weiteren Nachricht heiße es, die Gruppe sehe bereits eine Zunahme der Zahl "neuer Rekruten".

Die US-Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die "Proud Boys" als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heißt es auf der Seite der ADL. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden. Der Chef der Bürgerrechtsorganisation ADL, Jonathan Greenblatt, hatte von Trump eine Entschuldigung und eine Erklärung gefordert.

Trump machte erneut deutlich, dass er das eigentliche Problem nicht auf Seite der Rechten, sondern auf Seite der Linken sieht. Er forderte Biden auf, die Antifa zu verurteilen. "Antifa ist ein echtes Problem", sagte Trump. Die Antifa hat weder Mitglieder noch eine zentrale Organisations- oder Führungsstruktur. Die Anhänger der Strömung aus der linken und auch linksradikalen Szene verbindet eine antifaschistische Ideologie. Trump hat ungeachtet dessen angekündigt, die Antifa als Terrororganisation einzustufen, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen.

Nach dem von Beleidigungen und Chaos geprägten Fernsehduell teilten Trump und sein demokratischer Herausforderer Biden weiter gegeneinander aus. Trump schrieb auf Twitter, Biden würde mit seinen Vorhaben das Land ruinieren, habe aber mit seinem Auftritt ohnehin jede Unterstützung verloren. Biden wiederum postete ein Video, in dem Trump mit einem weinenden Smiley als Kopf zu sehen ist. Das Auftreten des Republikaners sei eine "nationale Peinlichkeit" gewesen, sagte er in Alliance im Bundesstaat Ohio.

Die für die Organisation der Präsidentschaftsdebatten zuständige Kommission kündigte Regeländerungen für das nächste Aufeinandertreffen der Kontrahenten an. Geplant seien "zusätzliche Instrumente, um die Ordnung aufrecht zu erhalten", hieß es weiter. Die Regeländerungen würden "sorgfältig" geprüft und in Kürze bekanntgegeben. Trump und Biden werden noch in zwei weiteren TV-Duellen am 15. und 22. Oktober aufeinandertreffen.

Erstes TV-Duell zwischen US-Präsident Trump und Herausforderer Biden
tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2020, Stefan Niemann, ARD Washington

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Ärger bei den Wählern

Bei den Wählern war das Spektakel schlecht angekommen: 69 Prozent sagten in einer Blitzumfrage des Senders CBS, das Streitgespräch habe sie vor allem verärgert. Von Biden hatten in der CBS-Umfrage 38 Prozent eine bessere und 32 Prozent eine schlechtere Meinung nach der Debatte - von Trump nur 24 Prozent eine bessere, aber 41 Prozent ein schlechtere Meinung.

Ted Cruz, republikanischer Senator aus Texas, zog das Fazit, dass die Debatte die Wähler wohl nicht beeinflusst habe. Trump-Fans seien bei Trump geblieben und Biden-Fans bei Biden.

In Umfragen gab ein große Mehrheit der Amerikaner an, ihre Wahlentscheidung schon lange vor diesem TV-Schlagabtausch getroffen zu haben.

Nach der Debatte: Sieger, Verlierer, Reaktionen
Sebastian Hesse, ARD Washington
30.09.2020 18:30 Uhr

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