Botschafter Darroch | Bildquelle: AFP

Depeschenstreit Britischer Botschafter legt Amt nieder

Stand: 10.07.2019 19:48 Uhr

Der britische Botschafter in den USA, Darroch, hat sein Amt niedergelegt. Vorausgegangen war ein Streit zwischen London und Washington über durchgesickerte Botschafterdepeschen. Darroch hatte Trump kritisiert.

Im Zuge des diplomatischen Streits über kritische interne Vermerke zu US-Präsident Donald Trump ist der britische Botschafter in den USA zurückgetreten. Die aktuelle Situation "macht es mir unmöglich, meine Rolle so auszufüllen, wie ich es mir wünschen würde", erklärte Kim Darroch in seinem Rücktrittsschreiben. Angesichts der Umstände sei "der verantwortungsvolle Weg, die Ernennung eines neuen Botschafters zu ermöglichen". 

US-Präsident Trump und die britische Premierministerin May während des Staatsbesuchs in London Anfang Juni | Bildquelle: AFP
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Anfang Juni traf Trump bei den Feierlichkeiten zum D-Day in Portsmouth auch die britische Premierministerin May.

Der Streit geht auf interne Vermerke Darrochs zurück, in denen er den US-Präsidenten deutlich kritisiert hatte. Trump reagierte verärgert, als die Vermerke vergangene Woche öffentlich wurden. Am Montag erklärte er, seine Regierung werde keinen Kontakt mehr mit Darroch unterhalten. Der Diplomat sei in den USA "nicht beliebt" und genieße kein Ansehen.

Aus US-Diplomatenkreisen kommt auch Bedauern

Trumps heftiger Reaktion zum Trotz: Es sind im politischen Washington auch Stimmen zu hören, die den Rücktritt von Botschafter Darroch bedauern. So sagte Senator Chris Coons, der im Auswärtigen Ausschuss sitzt und Darroch gut kennt, es sei bedauerlich, dass dieser Vorfall die Kluft zwischen den USA und ihrem engsten Verbündeten verbreitert habe.

"Präsident Trump trifft eine Mitschuld", so der Demokrat Coons, "wegen seiner heftigen Attacken auf Darroch und auch Premierministerin May". Coons' Parteifreundin, die Abgeordnete Abigail Spanberger, stört sich hingegen an der Tatsache, dass der engste Verbündete einen Top-Diplomaten habe, der die Iran-Strategie der USA für zusammenhanglos und chaotisch halte.

May hielt zu Darroch

Die britische Premierministerin Theresa May hatte explizit an ihrem Botschafter festgehalten, was Trump besonders erzürnt hatte. Darroch genieße weiterhin die "volle Unterstützung" der Premierministerin, hatte ein Sprecher Mays am Montagabend erklärt. Damit bekräftigte London eine frühere Erklärung, in der May ebenfalls nicht von Darroch abgerückt war. Trump nannte ihn daraufhin einen "verrückten Botschafter" und "sehr dummen Typen". Er kenne Darroch zwar nicht, "aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf". Auch die Premierministerin griff er an: Mays Brexit-Verhandlungen seien ein "Desaster".

US-Präsident Trump beim Staatsbankett mit der Queen. | Bildquelle: AP
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Der prunkvolle Staatsbesuch bei der Queen - hier beim Staatsbankett im Buckingham Palast - hat Trump nachhaltig beeindruckt.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte die geheimen Vermerke veröffentlicht. Darroch beschreibt Trump darin als "unsicher" und "inkompetent". "Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird, weniger dysfunktional, weniger unberechenbar, weniger gespalten, weniger diplomatisch plump und ungeschickt", schrieb Darroch demnach.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt hatte sich von Darrochs Bewertungen zwar umgehend distanziert, ihre Authentizität jedoch nicht bestritten. Der Urheber der Veröffentlichungen solle gesucht und bestraft werden, forderte der Außenminister. Der diplomatische Zwist fällt in die Zeit der Vorbereitung von Gesprächen über ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern für die Post-Brexit-Ära.

Mit Informationen von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Großbritannien im Streit mit den USA - Britischer Botschafter zurückgetreten
Imke Köhler, ARD London
10.07.2019 21:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juli 2019 um 14:00 Uhr.

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