Die Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2011 | Bildquelle: REUTERS

Mordfall Daphne Galizia Was verbirgt der Laptop der Journalistin?

Stand: 23.05.2018 18:00 Uhr

Das BKA hat Laptops der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Galizia erhalten. Die Daten darauf könnten Hintergründe zu Korruptionsvorwürfen in Malta enthalten.

Von Lena Kampf und Andreas Spinrath, WDR

Zwei Laptops und drei Festplatten der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia sind dem Bundeskriminalamt in Deutschland übergeben worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden auf Anfrage. Demnach habe sich ein "Bevollmächtigter der Familie Caruana Galizia" ans BKA gewandt.

Die Familie hatte sich nach dem Mord an Caruana Galizia geweigert, den maltesischen Behörden die Daten zur Verfügung zu stellen. Die Journalistin prangerte tiefes Misstrauen gegenüber den Behörden und immer wieder Korruption in der Politik an. Daher befürchtete die Familie, dass die Informanten der Journalistin gefährdet seien, sobald ihr Computer von maltesischen Ermittlern ausgewertet würde. Äußern wollte sich die Familie zur Übergabe an die deutsche Polizei jedoch nicht.

Trauerfeier für Daphne Caruana Galizia | Bildquelle: AFP
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Trauerfeier für Daphne Caruana Galizia: Welche Informationen sind auf ihren Laptops?

Malteser sind informiert

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat nach eigenen Angaben die Malteser mittlerweile informiert. Sollten die Behörden in Maltas Hauptstadt Valletta im Zuge der Ermittlungen ein offizielles Ersuchen stellen, wäre "eine Übergabe von Daten zumindest als Sicherungskopien" denkbar.  Auf vergleichbarem Wege hatten die Wiesbadener ihren maltesischen Kollegen auch schon Teile der PanamaPapers zur Verfügung gestellt.

Bislang sei ein solches Ersuchen aber nicht gestellt worden. Welcher Teil der persönlichen Daten übergeben werde, hänge von der offiziellen Anfrage der Malteser ab. Eigene Ermittlungen führe die Wiesbadener Staatsanwaltschaft jedoch nicht.

Die Daten könnten in zwei Fällen von Interesse für die maltesischen Behörden sein: Zum einen, um mehr Informationen über die durch die PanamaPapers ans Licht gekommenen möglichen Korruptionsvorwürfe zu erlangen. Im Rahmen der Enthüllungen war bekannt geworden, dass der Minister Konrad Mizzi und der Stabschef Keith Schembri, zwei enge Vertraute des Premierministers Joseph Muscat nach dem Wahlsieg der Labour-Partei 2014 Offshore-Konten in Neuseeland eröffnet hatten, ohne sie den Steuerbehörden zu melden.

Spuren nicht konsequent verfolgt?

Zum anderen könnten die Informationen auf den Laptops der Journalistin helfen, den Mord an ihr aufzuklären. Im Dezember 2017 wurden zwar drei Männer festgenommen, die mittlerweile angeklagt sind, die Autobombe gelegt und gezündet zu haben, die Angehörigen jedoch vermuten Hintermänner.

Bisher haben die maltesischen Behörden keine Auftraggeber ermittelt. Nach Ansicht der Familie wurden mögliche Spuren in die Politik auch nicht konsequent verfolgt. Die Mordermittlungen auf Malta werden auch durch die europäische Polizeibehörde Europol unterstützt, die der maltesischen Polizei allerdings zuletzt bei der Kooperation "Luft nach oben" bescheinigte.

Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in der Nähe ihres Hauses getötet worden. Zahlreiche internationale Medien, darunter in Deutschland WDR,  NDR, die "Süddeutsche Zeitung" und die "Zeit" kooperieren im #DaphneProject der Organisation "Forbidden Stories". Das Projekt hat das Ziel, die Recherchen der Journalistin fortzuführen und zur Aufklärung ihres Mordes beizutragen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Mai 2018 um 06:00 Uhr.

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