Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz | Bildquelle: ADAM WARZAWA/EPA-EFE/REX

Nach Messerangriff Bangen um Danziger Bürgermeister

Stand: 14.01.2019 12:53 Uhr

Der bei einem Messerangriff schwer verletzte Danziger Bürgermeister Adamowicz schwebt weiter in Lebensgefahr. Fünf Stunden lang wurde er operiert. Viele Menschen kamen, um ihm Blut zu spenden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Tatverdächtigen versuchten Mord vor.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Bürgermeister Pawel Adamowicz war nur Stunden vor dem Angriff auf sein Leben durch Danzig gezogen, um selbst für das Spendenwerk "Großes Orchester der Festtagshilfe" zu sammeln; Bilder davon veröffentlichte er im Internet. Bei der abendlichen Spendengala hatte der Bürgermeister einmal mehr den Geist der Solidarität beschworen, der gerade Danzig so sehr präge, mit anderen Wunderkerzen entzündet, als er just zum Höhepunkt der Gala auf der Bühne niedergestochen wurde.

Nun steht der Bürgermeister selbst im Zentrum spontaner Solidarität. Fünf Stunden lang wurde er in der Nacht operiert. Da die ersten Stunden danach als entscheidend gelten, wachsen die Hoffnungen, dass er überlebt.

Schon am Morgen bildeten sich Schlangen vor den Abgabestellen für Spenderblut. "Man muss tun, was man kann. Wir können beten und Blut spenden, nichts mehr", so eine der Wartenden. Eine andere Frau appellierte an die Menschen, es ihm gleichzutun: "Ich verspüre hier große Solidarität und ich denke, dass alle die, die spenden können, hierher kommen sollten", sagt er. "Das Blut ist sehr wichtig für den Bürgermeister. Kommt wenn ihr könnt."

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz | Bildquelle: REUTERS
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Bei einer Benefizveranstaltung wurde Adamowicz von einem Angreifer mit einem Messer attackiert und lebensgefährlich verletzt.

Gegen Kurs der nationalkonservativen Regierung

Der gerade wiedergewählte Adamowicz entstammt der größten polnischen Oppositionspartei PO, aus der er aber ausgetreten ist. Dem liberalen Lager wird er trotzdem zugerechnet; er gehört zu den profiliertesten Lokalpolitikern Polens. Immer wieder stellte er sich gegen den Kurs der nationalkonservativen Regierung in Warschau. Dass der mutmaßliche Täter nach der Tat Rachegelüste gegen die PO artikulierte, könnte nun Auswirkungen auf das politische Klima im Land haben, das von scharfen Auseinandersetzungen geprägt ist - bislang aber nur verbaler Natur.

Die PiS-Parteisprecherin Beata Mazurek, eigentlich selbst bekannt für scharfe Worte, sagte: "Selbstverständlich sollten wir jetzt überlegen, wie unsere Debatte aussieht. Je weniger Aggression und gegenseitige Anschuldigungen darin, desto größer ist die Chance, dass wir normal werden und solche Situationen nicht vorkommen."

Auch die Danziger Vizebürgermeisterin rief dazu auf, das Geschehen nicht politisch oder ideologisch auszuschlachten. "Ich möchte eindringlich dazu aufrufen, Aggressionen aus Alltag und Politik ein für alle mal zu verbannen", sagte sie. "Die Gewalt darf jetzt nicht eskalieren. Ich weiß, wenn der Herr Bürgermeister reden könnte, würde er genau das jetzt sagen."

Angriff auf Danziger Bürgermeister (unkommentiert)
14.01.2019

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Kritik an privaten Sicherheitsdiensten

Der Veranstalter der Spendenaktion, Jerzy Owsiak, hatte in einer ersten emotionalen Reaktion die drei Jahre der PiS-Regierung indirekt mitverantwortlich gemacht für die Tat, diese Anschuldigungen aber nicht wiederholt. Owsiak, der auch seit Jahren das Freiluftspektakel "Haltestelle Woodstock" nahe der deutschen Grenze veranstaltet, dürfte nun abermals wegen seiner Sicherheitskonzepte kritisiert werden.

Viele Beobachter beschrieben ein unentschlossenes und unprofessionelles Vorgehen der eingesetzten privaten Sicherheitsdienste, die den mutmaßlichen Täter selbst nach der Tat noch eine Weile unbehelligt ließen. "Leider ist das eine Schwäche bei vielen Konzerten in Polenn: Die dürftige Qualität privater Sicherheitsfirmen", sagte der ehemalige Polizeisprecher Mariusz Sokolowski. "Die Polizei kann nicht überall sein, und für die Sicherheit ist zuallererst der Veranstalter zuständig, der Privatfirmen einsetzt."

Trotz teils heftiger verbaler Auseinandersetzungen hat es im modernen Polen bislang kaum Fälle von Gewalt gegen Politiker gegeben. 2010 starb bei einem Überfall auf ein Büro der nationalkonservativen PiS-Partei in Lodsch ein Mensch. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Täter hatte angegeben, ursprünglich Parteichef Jaroslaw Kaczynski töten zu wollen.

Nach Messerangriff: Bangen um Danziger Bürgermeister
Jan Pallokat, ARD Warschau
14.01.2019 11:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Januar 2019 um 12:00 Uhr.

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