Filiale der Danske Bank in Tallin /Estland | Bildquelle: REUTERS

Geldwäsche der Danske Bank Millionen auf deutschen Firmenkonten

Stand: 10.01.2019 06:00 Uhr

Vom Geldwäscheskandal der Danske-Bank-Niederlassung Tallin in Estland sind offenbar auch deutsche Firmen und Banken betroffen. 31 Millionen Euro landeten nach Recherchen von "Kontraste" und der "Zeit" auf deutschen Firmenkonten.

Von René Althammer, André Kartschall (beide RBB) und Ingo Malcher ("Die Zeit")

Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste und der Wochenzeitung "Die Zeit" haben ergeben, dass in den weltweit größten Geldwäscheskandal um die Danske Bank auch deutsche Unternehmen und Banken verwickelt sind. Allein für Deutschland geht es dabei um einen Betrag von mehr als 31 Millionen Euro in den Jahren 2007 bis 2011.

Kontoauszüge von 16 Firmen

In der Mehrzahl der Fälle wurden damit wahrscheinlich Warenlieferungen nach Russland bezahlt. Das belegen Kontoauszüge aus den Jahren 2007 bis 2011, die exklusiv vorliegen. Sie stammen von 16 Firmen, die Konten bei der Danske Bank in Estland unterhielten. 15 von ihnen waren jedoch nicht in Estland registriert, ihr Firmensitz war in Belize, Neuseeland, auf den British Virgin Islands, Panama oder in Großbritannien.

Die Empfänger der Handelsgüter waren jedoch nicht identisch mit den Firmen, die für die Warenlieferungen bezahlt haben. Auch ließen sich keine unmittelbaren Geschäftsbeziehungen zwischen den beteiligten Firmen nachweisen.

Hunderttausende Euro für "Konsumgüter"

Bei den gelieferten Gütern handelt es sich unter anderem um Industrieausrüstungen, Hausgerätetechnik, Stoffe, Aquarientechnik, Ersatzteile oder Autos. Unter den Empfängern der Überweisungen finden sich viele bekannte deutschen Unternehmen.

So erhielt der Armaturenhersteller Grohe AG von einer in Belize registrierten Firma namens Rodney Universal insgesamt 662.741 Euro. Der Verwendungszweck lautete: "für Konsumgüter". Im Jahr 2008 wurden auf das Konto des Kölner Chemiekonzerns Lanxess in mehreren Tranchen 875.080 Euro überwiesen, ebenfalls für "Konsumgüter" - auch von einem Konto von Rodney Universal bei der Danske-Bank-Niederlassung in Tallin.

An wen die Warenlieferung ging, darüber gibt es keine Auskunft. Bei der Grohe AG heißt es dazu lediglich, man überwache "sehr sorgfältig", dass "eingehende Zahlungen auch konkreten Warenlieferungen zugeordnet werden können. Das war bei den angeführten Warenlieferungen von Rodney Universal der Fall."

Man könne auch "keine Verstöße von Grohe gegen die anwendbaren Geldwäschegesetze feststellen." Und der Konzern Lanxess teilt mit: "Den Zahlungen lagen in allen Fällen Warenlieferungen durch unser Unternehmen an Kunden zugrunde, über die wir entsprechende Rechnungen ausgestellt hatten. Warum die hier vorliegenden Kunden einen Dritten mit der Abwicklung der Zahlung beauftragt haben, entzieht sich unserer Kenntnis."

Güterhandel bisher ohne zentrale Aufsicht

Güterhandel gilt als besonders anfällig für Geldwäsche. Sebastian Fiedler, Bundesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, sieht dringenden Handlungsbedarf. "Wir fordern eine zentrale Aufsicht auf Bundesebene über den Nichtfinanzsektor. Dazu gehört unter anderem ganz wesentlich der gewerbliche Güterhandel, weil wir hier seit Anbeginn des Geldwäschegesetzes feststellen müssen, dass hier nichts funktioniert. Es gibt keine Sensibilität, es werden kaum Meldungen erstattet."

Deutsche Bank: Beziehung mit Danske zu Ende

Aus der Auswertung der vorliegenden Dokumente ergibt sich, dass 237 Überweisungen auf 84 Kundenkonten der Deutschen Bank erfolgt sein sollen. Die Deutsche Bank war bis 2015 Korrespondenzbank der Danske Bank Estland. Nach den vorliegenden Auszügen betrug die Gesamtsumme der Überweisungen knapp 8,5 Millionen Euro.

Auf Nachfrage teilte die Deutsche Bank mit, sie habe die Beziehung mit der Danske Bank Estland 2015 beendet, nachdem sie einen "Anstieg an verdächtigen Transaktionen von Danske-Kunden über einen längeren Zeitraum identifiziert" hatte.

Die Deutsche Bank in Frankfurt | Bildquelle: REUTERS
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Die Deutsche Bank stellte verdächtige Transaktionen von Danske-Kunden fest.

Überweisungen auf Commerzbank-Konten

Auf Kundenkonten der Commerzbank, wobei hier auch Überweisungen auf Konten der ehemaligen Dresdner Bank eingerechnet wurden, gingen mutmaßlich 236 Überweisungen in einem Gesamtwert von circa 14 Millionen Euro ein.

Die Bank teilte auf Anfrage mit, dass sie "grundsätzlich keine tatsächlichen sowie potenziellen Geschäftsbeziehungen und Transaktionen" kommentiere und sich an den "strengsten internationalen Compliance-Richtlinien und Prozessen" zur Abwehr von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, Insiderhandel, Betrug, Korruption und anderer krimineller Aktivitäten orientiere.

Banken haben Sorgfaltspflicht

Für Michael Findeisen, seit mehr als zwei Jahrzehnten Experte für Geldwäsche, zuerst bei der Bankenaufsicht, dann im Bundesfinanzministerium, sind die Banken ihrer Sorgfaltsplicht nicht genügend nachgekommen. "Wenn man diese Volumina anguckt und auch die Einzelbeträge, die vielfach sechsstellig oder höher waren, muss man sagen: Das hätte in keinem Fall so durchrutschen dürfen."

Denn: Bereits 2008 wurde im Paragraf 25h des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) festgelegt, dass die Institute bei Transaktionen die "ungewöhnlich" ablaufen oder "ohne offensichtlichen oder rechtmäßigen Zweck" erfolgen, Maßnahmen ergreifen müssen, um Geldwäsche zu verhindern.

Insgesamt sollen über die estnische Filiale der Danske Bank 200 Milliarden Euro an verdächtigen Geldern geflossen sein. Ehemalige Mitarbeiter der Bank werden beschuldigt, wissentlich verdächtige Gelder transferiert zu haben. Woher die Gelder stammen, die auf diesem Weg in den legalen Wirtschaftskreislauf gelangten, lässt sich nur schwer nachweisen.

Magnitski-Affäre - auch Geld gewaschen?

William Browder, einst einer der größten westlichen Fondsinvestoren in Russland, vermutet, dass über die Danske Bank auch 230 Millionen Dollar aus einem Steuerbetrug zu Lasten des russischen Staates im Jahr 2008 gewaschen wurden. Der Fall erregte als Magnitski-Affäre international Aufmerksamkeit.

Sie wurde benannt nach Sergej Magnitski, dem Steuerberater von Browder, der im Zuge der Ermittlungen von den russischen Behörden inhaftiert wurde und 2009 im Gefängnis unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Sechs Verdachtsanzeigen in Deutschland

In Deutschland wurden 2017 mindestens sechs Verdachtsanzeigen im Zusammenhang mit Überweisungen durch die Danske Bank gestellt. Die in diesem Zusammenhang in Rheinland-Pfalz geführten Ermittlungen wurden 2018 eingestellt, da keine deutschen Tatverdächtigen ermittelt werden konnten.

Die Financial Intelligence Unit (FIU), die deutsche Zentralstelle für die Meldung verdächtiger Finanztransaktionen im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, hat auf Anfrage jeden Kommentar zu möglicherweise dort eingegangenen Verdachtsmeldungen abgelehnt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 10. Januar 2019 um 06:41 Uhr und 08:05 Uhr.

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