Szene aus "John Dillermand" | via REUTERS

Kinderserie in Dänemark Zoff um "John Pillermann"

Stand: 11.01.2021 16:56 Uhr

Die animierte Kinderserie "John Dillermand" erregt in Dänemark derzeit die Gemüter. Der Protagonist hat den größten Penis der Welt und erlebt damit allerlei Abenteuer. Den Kindern gefällt's - Erwachsene streiten darüber.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Das Kerlchen sieht ein bisschen aus wie aus Knete: Klein, schon ein bisschen älter, gezwirbelter Schnauzbart im Stil eines Schwimmers aus Kaisers Zeiten. Passend dazu der Badeanzug: rot-weiß geringelt.

Carsten Schmiester ARD-Studio Stockholm

Die kleinen Herausforderungen des Alltags

John Dillermand hat den größten Schniedel der Welt, könnte man auf Deutsch auch sagen, so heißt es im Lied. Es gibt nichts, was er damit nicht machen könnte. Er kann mit ihm wedeln, damit auch mal peinlich sein oder die Welt retten, wenn man ihn ließe. Naja, fürs Weltretten ist immer noch James Bond zuständig.

John Pillermann - so könnte die deutsche Variante lauten - hat es dagegen mehr mit den kleinen Herausforderungen des Alltags zu tun, auch wenn sein ebenfalls rot-weiß geringelter Penis meterlang ist, dünn und wenn er eher an eine dieser Zuckerstangen vom Jahrmarkt erinnert. Er führt zum Beispiel Hunde aus, dieser John, und als sie abhauen, fängt er sie mit Hilfe seines "Dillers" und einer Wurst wieder ein. Er kann mit dem "Diller" fliegen wie ein Hubschrauber, er kann Flaggen hissen, Wände bemalen und überhaupt jede Menge Quatsch machen.

Szene aus "John Dillermand"  | via REUTERS

Eigentlich kann John Dillermand auch seinen Penis so schnell rotieren lassen, dass er damit fliegt wie ein Helikopter. Hier bindet er sich stattdessen lieber Ballons dran. Bild: via REUTERS

Kinder sind begeistert....

Diese neue Serie im Kinderprogramm des öffentlichen Senders DR kommt bei der Zielgruppe, es sind Vier- bis Achtjährige, offenbar gut an. Malte, sechs Jahre alt, findet das Ganze spannend: "Er ist anders, weil er einen Riesenpenis hat", sagt er, "der ist richtig lang". Und die siebenjährige Dilara meint: "Das ist weder peinlich, noch irgendwie komisch, einfach nur… Na lustig eben!"

... Genderforscher schockiert

Streit gibt es unter Erwachsenen. Ein Rückschlag für die Geschlechtergleichheit, heißt es da etwa. Es gibt heftige Kritik, unter anderem von Vertretern der #MeToo-Bewegung, auch vom dänischen Genderforscher Christian Groes: "Natürlich ist das sehr gender-stereotypisch, wenn auch lustig. Ich finde es aber falsch, dass Johns Penis nicht in irgendeiner Form Widerstand erfährt. Wir leben in einer Zeit, in der Sexualität und Körpernormen in Frage gestellt werden, da hätte man John Dillermand  irgendetwas entgegensetzen müssen."

Hat man aber nicht getan und wird man auch nicht tun. Sagt Morten Skov Hensen, der Chef des Kinderkanals: "Das ist ja kein Programm, mit dem Kindern der Körper erklärt werden soll, sondern ein absurdes Slapstick-Universum mit einer Figur, die einen bis zu zehn Meter langen, gestreiften Penis hat."

Denkanstoß über Körperlichkeit

Für ihn ist John Dillermand offenbar eher Teil der langen Tradition des Senders, der gerne an Tabus kratzt oder sie gleich ganz bricht. Der den Kindern politisch völlig unkorrekt auch einmal wild fluchende Onkels vorsetzt oder Jugendlichen splitternackte Erwachsene mit all ihren kleinen und großen Fehlern - beziehungsweise Besonderheiten -, als Denkanstoß über Körperlichkeit und fatale Schönheitsideale.

Jetzt also dieser John Dillermand mit dem ganz Großen, nur für die ganz Kleinen natürlich und auch nur so zum Spaß. "Es ist lustig, dass es um einen Penis geht", sagt Hensen. "Irgendwie ein bisschen peinlich, verboten und grenzüberschreitend, aber eben auch genau das, was Kinder im Alter von vier bis acht Jahren gerne machen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Januar 2021 um 15:35 Uhr.

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KOMMENTARE

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Robert Wypchlo 12.01.2021 • 00:01 Uhr

Antwort auf den Kommentar

>Also eine Randnotiz, die ich in drei Wochen wieder vergessen haben werde< Ja. Die Menschen vergessen bzw. verdrängen erstaunlich schnell. Wer unterhält sich schon gerne über solche Leute und die möglichen Auswirkungen. Wer will heute noch über Detlef S., Fritzl, Priklopil oder auch die aktuelleren neueren Fälle reden oder holt sie noch gerne aus der Erinnerung? Jedenfalls gibt es immer wieder das unangenehme Verwundern, wie solche Leute mit ihren Handlungen über mehrere Jahre unbemerkt geblieben sind, wenn die Geheimniskrämerei bzw. die Lügengebäude der Täter erst mal eingestürzt sind. Bei John Pillermann muss es natürlich nicht zwangsläufig so weit gehen, doch steht es auch keiner Person erkennbar an der Stirn geschrieben, wer ein Täter ist und wer nicht.