Luftaufnahme von Baggern und Lastern bei der Exhumierung von begrabenen Nerzen | AFP

Corona-Pandemie Dänemark gräbt Millionen Nerze wieder aus

Stand: 14.05.2021 13:26 Uhr

Vergangenes Jahr ließ Dänemark im Zuge der Corona-Pandemie 15 Millionen Nerze keulen und vergraben. Nun müssen einige Kadaver wieder raus aus der Erde, weil eine Verseuchung des Grundwassers droht.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Dänemark war der weltweit größte Lieferant von Nerzfellen - vor allem für die Märkte in Russland und China. Doch dann erreichte die Corona-Pandemie auch die Nerzfarmen und viele Tiere infizierten sich mit einer Virus-Mutation. Daraufhin hatte die dänische Regierung Ende vergangenen Jahres die Keulung von mehr als 15 Millionen Tieren angeordnet. Viele der Tiere wurden vergraben - und müssen jetzt teilweise wieder exhumiert werden.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Die Anwohner in Norre Felding sind froh, dass die Nerze endlich wieder verschwinden. Die großen Gräber in der Nähe hätten seit Monaten furchtbar gestunken, erzählt Palle Skov, der in der Nähe wohnt. "Es hat überall danach gerochen. Und es geht nicht nur uns so, sondern allen, die hier wohnen. Man konnte nicht draußen sein, es ist so ekelhaft."

Kurz nachdem die Tiere vergraben wurden, tauchten die Probleme auf - buchstäblich. Denn obwohl die Kadaver mindestens einen Meter unter der Erde lagen, sorgten Fäulnisgase an manchen Stellen dafür, dass sie wieder an die Oberfläche gelangten. Der sandige Boden konnte das nicht verhindern.

Ein Lkw lädt tote Nerze ab. | AFP

Ein Lkw lädt Anfang November 2020 tote Nerze auf einer Militärbasis in Dänemark ab. Bild: AFP

Kadaver könnten Wasser verunreinigen

Ein weiteres Problem war, dass sich einige Gräber in sensiblen Gebieten befanden: In der Nähe eines Badesees und auch nah an Wasserschutzgebieten. Die Verwesung der Kadaver setzt Stickstoff und Phosphor frei, Stoffe, die in einigen Jahren das Wasser hätten verschmutzen können, so die dänische Umweltbehörde.

Die Entscheidung, die Nerze wieder auszugraben, wurde bereits im Dezember getroffen. Weil man sicher sein wollte, dass die Tiere nicht mehr ansteckend sind, sollten die Arbeiten erst jetzt beginnen.

Die Nerz-Entsorgung sei nicht optimal gelaufen, sagt Rasmus Prehn, Minister für Ernährung und Landwirtschaft: "Idealerweise hätte man sie gleich verbrennen lassen. Doch dann hatten wir ein Kapazitätsproblem und haben diese Entsorgungsvariante gewählt. Ich denke, viele wünschen sich, dass man das hätte vermeiden können. Aber das war damals unsere Entscheidung, die unter großem Druck entstanden ist."

13.000 Tonnen Tierkadaver müssen entsorgt werden

Nun sollen die Nerze in verschiedene Verbrennungsanlagen im Land gebracht werden. Nach der Testphase sollen von Ende Mai bis Mitte Juli pro Anlage ein bis vier LKW-Ladungen geliefert werden. Insgesamt müssen 13.000 Tonnen Tierkadaver entsorgt werden. Bisher laufen erste Tests in den Anlagen gut, so die Betreiber. Sobald die Tiere entsorgt sind, muss auch der Boden an den Grabstellen abgetragen werden. Und das Grundwasser in dem Gebiet soll weiterhin untersucht werden.

Die Anwohner sind froh, dass sich nun endlich was tut. Es sei wie ein Feiertag, sagt Per Norgard Sognstrup: "Und deshalb haben viele im Ort die Flagge gehisst. Nicht zu Ehren der Königin, einfach nur, weil wir froh sind, dass das endlich passiert."

Bis zum Ende der Arbeiten sollen die Menschen in der Umgebung auf Gartenpartys verzichten. Wäsche sollte man nicht im Freien aufhängen und länger zu lüften, sei nicht empfehlenswert, so ein Mitarbeiter der Umweltbehörde im dänischen Radio.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.