Antares-Rakete kurz nach der Explosion

Rückschlag für US-Raumfahrt Auf dem Weg zur ISS explodiert

Stand: 29.10.2014 05:49 Uhr

Eine unbemannte US-Rakete mit dem Versorgungsfrachter "Cygnus" an Bord ist beim Start zur Internationalen Raumstation ISS explodiert. Sie sollte mehr als zwei Tonnen Material dorthin befördern. Ein Engpass drohe den ISS-Astronauten dadurch aber nicht, so die NASA. Wenige Stunden nach der Explosion hob vom Weltraumbahnhof in Baikonur eine russische Sojus-Trägerrakete mit Nachschub für die ISS erfolgreich ab - sie hat Nahrungsmittel und Treibstoff an Bord.

Von Jan Bösche, MDR, ARD-Hörfunkstudio Washington

Der Flug dauerte nur wenige Sekunden. Kaum hatte die private Antares-Rakete vom Startplatz in Virginia abgehoben, verwandelte sie sich in einen großen Feuerball und fiel wieder zu Boden. Es sei eine harte Zeit, eine Trägerrakete und ihre Ladung zu verlieren, sagte Frank Culbertson, der verantwortliche Projektleiter von Orbital Sciences. Immerhin seien keine Menschen zu Schaden gekommen.

Lebensmittel, Ersatzteil und Experimente für ISS

Es sollte erst der dritte Transport sein, den das Unternehmen zur Internationalen Raumstation fliegen sollte, im Auftrag der NASA. Die beiden ersten hatten ohne Probleme funktioniert. Woran es jetzt scheiterte - darüber wollte keiner der Verantwortlichen spekulieren. Culbertson sagte: "Wir haben viel getestet und analysiert, um die Mission vorzubereiten. Trotzdem ging etwas schief. Wir werden die Ursache finden, korrigieren, und wieder herkommen und fliegen."

Während des Starts seien Unmengen von Daten angefallen, außerdem würden jetzt die Trümmer ausgewertet. Wie lange das dauern werde, könne man noch nicht abschätzen. Die Rakete sollte eigentlich den unbemannten Raumfrachter "Cygnus" zur internationalen Raumstation bringen. An Bord waren 2,2 Tonnen Material. Dazu gehörten wissenschaftliche Experimente, aber auch Lebensmittel und Ersatzteile.

ISS: Vorräte bis 2015

Der zuständige NASA-Manager Mike Suffredini sagte aber, man müsse sich um die Versorgung der Astronauten in der ISS keine Sorgen machen. Es gebe regelmäßige Versorgungsflüge. Außerdem seien Station und Astronauten in bester Verfassung: "Wir haben viele Vorräte auf der Station. Die Crew hat Lebensmittel, Wasser und andere nötige Sachen, die bis weit in das nächste Jahr reichen. Selbst wenn in nächster Zeit kein anderer Transport käme, gibt es genügend Vorräte."

Ärgerlicher ist der Absturz für die Wissenschaftler, die ihre Experimente mit diesem Raumfrachter zur ISS schicken wollten. Mit an Bord waren zum Beispiel Geräte, um Asteroiden zu beobachten. Außerdem sollte es einen Test geben, von dem sich die NASA neue Erkenntnisse über das Leben in der Schwerelosigkeit erhoffte. Die Experimente und Ersatzteile sollen jetzt auf die nächsten amerikanischen Flüge zur ISS verteilt werden.

Space X kann weiterfliegen

Der nächste Flug ist in knapp einem Monat geplant. Dass der weiterhin stattfinden kann, ist eine Folge der NASA-Strategie. Nach dem Ende ihres Shuttle-Programms hatte sie zwei private Unternehmen beauftragt, Fracht zur ISS zu fliegen. Neben Orbital Sciences ist das das Unternehmen Space X. Während Orbital Sciences jetzt alle Flüge ausgesetzt hat, kann Space X mit seiner anderen Technik weiterfliegen. Allerdings ist das private Raumfahrt-Programm noch jung - während Orbital Sciences erst zwei erfolgreiche Flüge vorweisen kann, schaffte Space X bislang drei.

Die NASA hält trotz des Absturzes an ihrer Strategie fest. Der verantwortliche NASA-Manager William Gerstenmaier sagte: "Es wird uns auch helfen, weitere Erkenntnisse zu sammeln, wie wir bald wieder Astronauten ins All bringen können. Wir werden den Vorfall untersuchen, davon lernen und unsere Möglichkeiten für Crews verbessern." Die NASA will auch ihre Astronauten von privaten Unternehmen zur ISS bringen lassen. Damit hat sie wieder zwei Unternehmen beauftragt. Orbital Sciences gehörte aber nicht dazu.

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