Regierungsberater Dominic Cummings gibt im Garten von 10 Downing Street eine Erklärung ab. | Bildquelle: AFP

Verstoß gegen Corona-Regeln Cummings bereut nichts

Stand: 25.05.2020 20:10 Uhr

Der Chefberater von Premier Johnson, Cummings, hat seine umstrittene Reise in den Nordosten Englands verteidigt. Er sei in einer "außergewöhnlichen Lage" gewesen und habe gegen keine Vorschrift verstoßen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

"Nein, ich bereue nicht, was ich getan habe", sagt Dominic Cummings. Ende März, als das ganze Land im Lockdown steckte, war der engste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson mit seiner Frau und dem vierjährigen Sohn von London aus 400 Kilometer in den Nordosten Englands gefahren, um das Kind bei seinen Eltern unterzubringen.

"Es ging nicht anders", sagt Cummings. "Wenn meine Frau und ich beide erkrankt wären, wäre niemand in London da gewesen, um sich um unser Kind zu kümmern." Er habe abwägen müssen, sagt Cummings, und die Lockdown-Regeln hätten das auch zugelassen. "Die Regeln machen klar, dass Risiken für das Leben eines kleinen Kindes ein besonderer Umstand sind. Ich bin damit so umgegangen, dass es das Risiko für andere minimiert hat."

Viele Briten sind entrüstet

Diese Regel mit den besonderen Umständen war aber offenbar den wenigsten Briten bekannt, und viele hätten sie wohl auch gern für sich in Anspruch genommen. Ein Sturm der Entrüstung fegte deshalb in den vergangenen Tagen über Cummings hinweg: Landsleute, die etwa ihre Angehörigen nicht mehr am Sterbebett besuchen konnten oder nicht zu Beerdigungen gingen oder Eltern, die ihre Kinder zu Hause behielten, obwohl auch sie gern zu Oma und Opa gefahren wären, um sie dort unterzubringen - alles aber gelassen haben wegen der strengen "Stay at home"-Regel, die die Regierung ausgegeben hatte: "Bleibt zu Hause."

Ein Mann steht vor dem britischen Regierungssitz. Er hält ein Schild, auf dem "One Rule For The Elite" steht. | Bildquelle: REUTERS
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Viele Briten zeigen wenig Verständnis für Cummings.

Er habe das Anwesen seiner Eltern mit einem eigenen Cottage für die Selbstisolation für den sichersten Ort gehalten, sagt Cummings, zumal seine Familie daheim im Londoner Stadtteil Islington regelmäßig Angriffen ausgesetzt sei. So sei es für alle das geringste Risiko gewesen. "Mag sein, dass es kluge Leute gibt, die das anders sehen. Aber ich glaube, dass ich mich den Umständen entsprechend verantwortungsvoll verhalten habe."

Johnson steht hinter seinem Berater

Gestern hatte sich Johnson vorbehaltlos hinter seinen Chefberater gestellt, der ihn mit seiner erfolgreichen Brexit-Kampagne 2016 und anschließend mit dem Wahlkampf 2019 überhaupt erst in 10 Downing Street brachte. Wie wichtig Cummings in der Architektur der Regierung Johnson ist, konnte man auch bei dieser Pressekonferenz am Nachmittag sehen: Ein Berater - nicht Premierminister, nicht einmal Minister -, der im Garten der Regierungszentrale eine Pressekonferenz in eigener Sache gibt.

Am Mittwoch soll Johnson vor einem wichtigen Ausschuss des Unterhauses auftreten. Gut möglich, dass der Premier auch dort noch einmal zum Verhalten seines engsten Beraters Stellung nehmen muss.

Trotz Wut der Briten: Premier Johnson verteidigt Cummings
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.05.2020, Annette Dittert, ARD London

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Johnson-Berater Cummings äußert sich zu Vorwürfen
Thomas Spickhofen, ARD London
25.05.2020 19:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Das war der Tag" am 25. Mai 2020 um 23:31 Uhr.

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