Bill Cosby (Archivbild von 2018) | dpa

Ex-TV-Star frei Gericht hebt Urteil gegen Bill Cosby auf

Stand: 30.06.2021 20:58 Uhr

Es war der erste Schuldspruch nach Beginn der #MeToo-Bewegung. Nun entschied ein US-Gericht: Das Urteil gegen Ex-TV-Star Bill Cosby ist ungültig, er kommt frei. Grund ist unter anderem eine frühere Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft.

Ein US-Gericht hat die Verurteilung des früheren Fernsehstars Bill Cosby wegen sexuellen Missbrauchs aufgehoben. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Pennsylvania erklärte die Verurteilung des 83-Jährigen für ungültig und ordnete seine Entlassung aus dem Gefängnis an.

Der mit der Sitcom "Die Bill Cosby Show" weltberühmt gewordene Schauspieler war 2018 schuldig gesprochen worden, eine Frau im Jahr 2004 sexuell missbraucht zu haben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Cosby sein Opfer in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sich an ihm vergangen hatte. Cosby wurde zu einer Haftstrafe von mindestens drei und höchsten zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Entertainer hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Er saß seit mehr als zwei Jahren im Gefängnis, das er wenige Stunden nach dem Urteil verließ.

Staatsanwalt hielt sich nicht an Absprache des Vorgängers

Der Supreme Court von Pennsylvania hob die Verurteilung nun aber auf. Die Richter schlossen sich unter anderem der Auffassung von Cosbys Anwälten an, dass fünf Frauen bei dem Prozess nicht als Belastungszeuginnen hätten zugelassen werden dürfen. 

Die Richter verwiesen zudem darauf, dass der damals ermittelnde Staatsanwalt nach der Aufdeckung der Vorwürfe 2005 zugesagt hatte, keinen Strafprozess gegen Cosby anzustrengen, wenn dieser in einem Zivilprozess um Entschädigung aussagt. Der Nachfolger des Staatsanwalts leitete dann später aber ein Strafverfahren ein. Dabei wurden Aussagen Cosbys aus dem Zivilverfahren gegen ihn verwendet.

Erste Verurteilung nach Beginn der #MeToo-Bewegung

Das Oberste Gericht in Pennsylvania befand, Staatsanwalt Kevin Steele hätte sich an die Zusage seines Vorgängers halten müssen. Cosby habe sich auf dieses Versprechen verlassen, als er seine Aussage gemacht habe. Dies entspreche auch den vernünftigen Erwartungen der Gesellschaft an das Strafrechtssystem und das Vorgehen gewählter Staatsanwälte.

Cosby war von mehr als 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden, allerdings sind die meisten Fälle verjährt. Der Schauspieler wurde in den USA jahrzehntelang als "America's Dad" verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in der "Bill Cosby Show" war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Seine Verurteilung war der erste Schuldspruch gegen einen Prominenten nach Beginn der #MeToo-Bewegung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Juni 2021 um 21:30 Uhr.