Vier Liegestühle am Strand von Las Canteras sind leer.  | picture alliance/dpa

Umsatzeinbrüche im Tourismus Urlaubsländer fordern Reise-Impfpass

Stand: 21.01.2021 16:06 Uhr

Wegen der Pandemie ist der Umsatz der Tourismusbranche drastisch eingebrochen - allein in Deutschland um fast zwei Drittel. Einige EU-Staaten fordern deshalb einen einheitlichen Impfpass zur Rettung der Urlaubssaison.

Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben tiefe Löcher in die Umsatzbilanz der Tourismusbranche gerissen. Allein für Deutschland bezifferte das Statistische Bundesamt den Umsatzrückgang von Reisebüros, Veranstaltern und Reservierungsdienstleistern in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auf 61 Prozent. Besonders heftig war der Einbruch demnach im zweiten Quartal (minus 91 Prozent), in das ein großer Teil des ersten Lockdowns fiel.

Stark betroffen vom Ausbleiben der Gäste waren im Sommerhalbjahr vor allem Hotels, Gasthöfe und Pensionen mit einem Rückgang der Übernachtungen um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Laut Statistischem Bundesamt fehlten nicht nur Gäste aus dem Inland, sondern vor allem aus dem Ausland. Messen, Kongresse und Veranstaltungen fanden wegen der Pandemie nicht statt.

Nur wenige konnten in der Tourismusbranche von der Krise profitieren. Die Anbieter von Ferienhäusern und -wohnungen in Deutschland verzeichneten im Sommerhalbjahr ein leichtes Plus von einem Prozent. Auf Campingplätzen wurden von Mai bis Oktober sogar sechs Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum gezählt.

EU-Impfpass soll Reisebranche retten

Weil die gesamte Tourismusbranche nicht nur in Deutschland, sondern europaweit mit schweren Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hat, setzen sich erste EU-Staaten für einen einheitlichen europäischen Impfpass ein. Vor dem heutigen Corona-Gipfel der EU sagte Maltas Regierungschef Robert Abela, solche Ausweise seien ein wichtiges Instrument mit Blick auf grenzüberschreitendes Reisen. Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto erklärte, Impfpässe könnten "zur Wiederherstellung der Mobilität auf europäischer Ebene beitragen".

Den Anstoß für die Debatte hatte der Ministerpräsident des Urlauberlandes Griechenland, Kyriakos Mitsotakis, gegeben. "Die Personen, die geimpft sind, müssen frei reisen dürfen", forderte er. Die EU-Kommission hat bereits einen Vorschlag entwickelt, den die EU-Staats- und Regierungschefs jetzt prüfen: Bis Ende Januar sollen sich die 27 Mitgliedsstaaten auf ein gemeinsames Vorgehen bei "Impfzertifikaten" einigen. Ob damit einfacheres Reisen oder andere Vorteile verbunden seien könnten, ließ die Kommission allerdings offen.

Bundesregierung gibt sich zurückhaltend

Während sich neben Griechenland, Spanien und Malta auch Portugal für die Idee des einheitlichen Impfpasses ausspricht, zögern andere Länder. Zu ihnen zählt auch Deutschland. Europastaatsminister Michael Roth hält ein Impfzertifikat zwar für wichtig: "So weit sind wir aber leider noch nicht." Noch seien zu wenige geimpft und zu viele Fragen offen. Ungeklärt ist vor allem, ob Geimpfte andere anstecken können.

Es wird deshalb laut EU-Vertretern erwartet, dass sich der EU-Gipfel zwar für ein einheitliches Impfdokument ausspricht, aber noch nicht über die Nutzung entscheidet. Unklar ist, ob der gelbe Impfpass der Weltgesundheitsorganisation gemeinsamer Nenner werden könnte. Auch muss genau diskutiert werden, welche Daten erfasst werden und ob dies womöglich digital geschehen soll.

Belgische Regierung will touristische Reisen verbieten

Unterdessen will sich der belgische Regierungschef Alexander De Croo angesichts neuer besonders ansteckender Coronavirus-Varianten beim EU-Gipfel dafür einsetzen, touristische und andere nicht notwendige Reisen europaweit zu untersagen. "Reiserückkehrer können das Virus in ihrem Koffer mitbringen. Deswegen müssen wir gewisse Reisen vorübergehend verbieten", sagte der liberale Politiker im flämischen Rundfunk VRT.

De Croo erklärte, man habe die Bürger in den vergangenen Monaten freundlich gebeten, auf Reisen zu verzichten. Trotzdem seien zwischen Weihnachten und Neujahr allein in Belgien 160.000 Menschen verreist. Deshalb müsse man die nicht notwendigen Reisen nun verbieten.

De Croo betonte zugleich jedoch, dass die Grenzen nicht geschlossen werden sollten. Warenverkehr und Grenzgänger müssten die Grenzen weiter überqueren dürfen. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatten etliche EU-Staaten unkoordiniert ihre Grenzen geschlossen oder Kontrollen eingeführt. Es entstanden teils Dutzende Kilometer lange Staus, Warenströme wurden unterbrochen. Diesmal wollen die EU-Staaten deshalb nach einer gemeisamen Linie suchen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2021 um 07:19 Uhr.