Urlauber am Gardasee (Archivbild von Juli 2012) | Bildquelle: dpa

Tourismusbranche in Corona-Zeiten Oh kommet doch, ihr Urlauber

Stand: 07.06.2020 12:29 Uhr

Die Lufthansa wirbt mit einer "Home-Coming-Garantie", der Gardasee mit maskenfreiem Urlaubsgenuss. Auch andere Tourismusregionen in der EU lassen sich etwas einfallen - ein paar Beispiele.

Noch vor ein paar Wochen schien der Gedanke an eine Urlaubsreise in den Sommermonaten in ganz weiter Ferne zu liegen: Grenzen dicht, Hotels geschlossen, strenge Ausgangsbeschränkungen - so sah es in fast allen EU-Ländern aus. Doch je mehr Lockerungen in Kraft treten, desto größer wird die Hoffnung in den Tourismusregionen, die Saison doch noch retten zu können. Und dafür lässt sich die Branche so einiges einfallen.

Die Lufthansa etwa will potenziellen Reisewilligen die Sorge nehmen, wegen der Corona-Krise plötzlich am eigentlichen Traumziel festzustecken. So erging es Hunderttausenden Deutschen, die durch die Reisebeschränkungen wegen der Pandemie nicht mehr in die Heimat zurückgelangten.

Die Bundesregierung organisierte in Zusammenarbeit mit mehreren Airlines eine in der Geschichte der Bundesrepublik einmalige Rückholaktion, und brachte so 240.000 Menschen aus dem Ausland nach Deutschland. Zuletzt hatte das Auswärtige Amt aber klar betont, dass es eine zweite Aktion dieser Art nicht geben werde. Daher müsse sich jeder des Risikos einer Reise gewiss sein.

Lufthansa wirbt mit "Home-Coming-Garantie"

Doch genau mit einer solchen Sicherheit, aus der Ferne auch wieder nach Hause zu kommen, wirbt die Lufthansa nun. Sie nennt es "Home-Coming-Garantie" - und die gilt wenn einem Fluggast wegen erhöhter Temperatur die Einreise in ein anderes Land verwehrt wird oder er sich nach der Einreise in Quarantäne begeben muss, so Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Ebenso verspricht seine Airline die Garantie, wenn es in dem Zielland erneut zu einer hohen Ausbreitung des Coronavirus kommt.

Gratis-Tests in Südtirol und maskenfrei am Gardasee

Doch wie den begehrten Touristen die Sorgen nehmen, damit sie überhaupt erst einmal in ein Flugzeug steigen? Dafür versuchen mehrere Urlaubsregionen, Anreize zu schaffen.

Den Anfang machte unter anderem Südtirol. Bereits Ende Mai brachte der Landeshauptmann der italienischen Urlaubsregion, Arno Kompatscher, Gratis-Coronatests für Touristen ins Spiel. Diese seien natürlich freiwillig und könnten von Hotels als Service-Leistung in die eigenen Angebote integriert werden.

Gar nicht so weit entfernt rühren nun auch die Urlaubshochburgen rund um den Gardasee die Werbetrommeln, darunter die Kommune Limone sul Garda. "Unser Ort ist immun", versicherte Bürgermeister Antonio Martinelli. Und seine Kommune würde die "geliebten deutschen Freunde" schon "sehnsuchtsvoll erwarten". Denn immerhin kamen im vergangenen Jahr 70 Prozent der rund 1,3 Millionen Touristen, die den Ort am Gardasee besuchten, aus Deutschland. Die "Freunde" müssten dann auch keine Masken mehr tragen, weder am Strand noch im Restaurant. Der Mindestabstand müsse aber weiterhin eingehalten werden.

Italiens Außenminister auf Werbetour

Auch Italiens Außenminister Luigi Di Maio ist im Auftrag des Tourismus unterwegs. Am Freitag machte er Station in Berlin, auch Slowenien und Griechenland standen noch auf Di Maios Reiseroute, um für sein Land als sicheres Reiseziel zu werben

Und darum gab es beim Treffen mit Amtskollegen Heiko Maas auch nur freundliche Töne - allem voran ein großes Danke für die deutsche Hilfe während der Corona-Pandemie. Vergessen schienen die jüngste Streitereien über die EU-Konjunkturhilfen und die sogenannten Corona-Bonds, die Italien klar befürwortet und die Bundesregierung klar abgelehnt hatte.

Italien zählt zu den EU-Staaten, die am härtesten vom Coronavirus getroffen wurden. Laut Johns Hopkins-Universität kamen landesweit bislang mehr als 33.800 Menschen nach einer Infektion ums Leben. Insgesamt steckten sich bisher mehr als 234.800 Bürger mit dem Coronavirus an.

"Die Unterstützung Deutschlands für unser Land hat in der gesamten Zeit der Pandemie eigentlich nie gefehlt", lobte Di Maio in Berlin und fügte hinzu: "Gerade, wenn es einem schlecht geht, sieht man ja, ob jemand ein Freund ist oder nicht."

Tourismus in Italien droht dreistelliger Milliardenverlust

Und schlecht geht es der italienischen Tourismusbranche: Der Touristikerverband Confcommercio Confturismo rechnet eigenen Angaben zufolge mit 70 bis 80 Prozent weniger Umsätzen in diesem Jahr - das wären bis zu 120 Milliarden Euro.

Doch trotz dieser drohenden Einbußen brachte Sizilien sogar die Idee ins Spiel, den Urlaubern einen Teil der Kosten abzunehmen, etwa für den Flug oder jede dritte Hotelübernachtung, zitierte die britische Zeitung "The Times" Mitglieder der Regionalregierung. Auch Eintrittspreise in Museen oder für kulturelle Sehenswürdigkeiten sollten wegfallen. Dem Bericht zufolge wollte Sizilien dafür 50 Millionen Euro aufbringen. Doch von den versprochenen Gutscheinen fehlt bisher auf der offiziellen Webseite der Insel jede Spur.

Stattdessen wirbt Sizilien wie andere Länder und Regionen verstärkt für das Motto "Staycation" - ein Mix aus "stay" für bleiben und "vacation" für Urlaub. Mit dem Schlagwort sollen Italiener dazu angeregt werden, den diesjährigen Urlaub im eigenen Land zu verbringen.

Zypern setzt auf das Gefühl der Sicherheit

Zypern setzt hingegen mehr auf Sicherheit statt auf Sparangebote. Sogar per Dekret einigten sich die zuständigen Minister darauf, dass für Urlauber, die sich mit dem Coronavirus infizieren, eine Rundum-Betreuung gewährleistet werden soll, wie die Zeitung "Kathimerini" berichtete. Das bedeutet: Eine Unterkunft soll gestellt werden, ebenso wie die Versorgung mit Essen und Trinken und sogar Behandlungskosten will Zypern übernehmen. Für Touristen, die in Quarantäne müssen oder auch für Angehörige von Infizierten stehe sogar ein eigenes Hotel mit 500 Betten zur Verfügung.

Eine Frau und ein Kind gehen bei Sonnenuntergang an einem leeren Strand in Zyperns Badeort Ayia Napa spazieren. | Bildquelle: dpa
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Zypern will Urlaubern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und so seine leeren Strände füllen.

Neue Slogans als Lockmittel

Und wen es doch in etwas nähere Gefilde und eher in die Berge statt ans Meer zieht, dem bleibt beispielsweise noch die Schweiz. Die setzt neben Rabatten auf einen neuen Werbeslogan: "Clean & Safe", übersetzt "Sauber und Sicher". Damit soll möglichen Urlaubern vermittelt werden, dass die Tourismusbetriebe im eigenen Land genau auf die Corona-Schutzmaßnahmen achten und Hygienekonzepte einhalten.

Ganz ähnlich versucht außerhalb der EU beispielsweise auch Thailand den Tourismus anzukurbeln. Bisher hatte das Land unter dem Motto "Amazing Thailand" für sich als Urlaubsziel geworben. Nun soll der Slogan erweitert werden: Künftig lautet er "Amazing Trusted Thailand" - "Wunderbares, vertrauenswüriges Thailand".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juni 2020 um 16:00 Uhr.

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