Eine Person macht einen Corona-Test, während im Hintergrund noch viele weitere in einer Schlange in Pezinok, Slowakei, warten. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Slowakei beginnt Massentests

Stand: 31.10.2020 12:53 Uhr

Der Regierungschef spricht von einem Experiment - an diesem und dem kommenden Wochenende soll ein Großteil der Slowakinnen und Slowaken getestet werden. Die Aktion ist umstritten: Wer nicht mitmacht, ist im Nachteil.

Die Slowakei untersucht mit Massentests einen Großteil ihrer Bevölkerung auf das Coronavirus. In rund 5000 Testzentren stehen an diesem und dem kommenden Wochenende etwa 45.000 medizinische Fachkräfte, Soldaten und Polizisten bereit, um alle Bürger ab zehn Jahren kostenlosen Schnelltests zu unterziehen.

Vor den Zentren bildeten sich seit dem frühen Morgen teils lange Schlangen. In der Hauptstadt Bratislava musste nach Angaben der Stadtverwaltung mit Wartezeiten von ein bis drei Stunden gerechnet werden.

Es fehlt an Personal

Zudem konnten dem Gesundheitsministerium zufolge bis zum Vormittag im ganzen Land knapp zehn Prozent der Teststellen noch nicht geöffnet werden. Es mangele unter anderem an medizinischem Personal, obwohl es eine Bonuszahlung von 500 Euro für den Einsatz gibt.

Der seit März regierende konservative Premierminister Igor Matovic sprach von einem Experiment, das von anderen Ländern aufmerksam beobachtet werde. Die Massentests könnten eine Alternative zum Lockdown sein: "Wir haben die große Chance, Europa und der Welt zu zeigen, dass es auch anders geht, ohne Schließung der Wirtschaft und Millionen Arbeitsloser." Er appellierte an alle Bürger im Alter zwischen zehn und 65 Jahren, an der Aktion teilzunehmen.

Ohne negatives Testergebnis drohen Konsequenzen

Das Vorgehen der Regierung ist nicht unumstritten: Verwendet werden Antigen-Tests, die zwar innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, aber als weniger zuverlässig als PCR-Labortests gelten. Die Teilnahme ist offiziell freiwillig. Doch nur wer ein negatives Ergebnis vorweisen kann, wird von Ausgangsbeschränkungen ausgenommen. Alle anderen riskieren bei einer Polizeikontrolle eine hohe Geldstrafe. Wer positiv getestet wird, muss sofort für zehn Tage in Quarantäne.

Die liberale slowakische Präsidentin Zuzana Caputova warnte im Vorfeld, man dürfe die Bürger nicht in zwei Klassen einteilen - diejenigen mit einem "Passierschein für die Freiheit" und jene, die nicht mehr an die Reihe gekommen sind.

Neuinfektionsrekorde und Ausgangssperren

Die etwa 5,4 Millionen Einwohner zählende Slowakei ist das erste Land dieser Größe, das seine gesamte Bevölkerung testet. In Europa haben bisher nur kleinere Länder wie Luxemburg und Monaco flächendeckende Tests angekündigt. In China wurden bereits die Einwohner ganzer Städte getestet.

Die Slowakei hatte die erste Corona-Welle gut überstanden, doch seit September gehen wie fast überall in Europa die Infektionszahlen wieder hoch. Am Freitag wurde mit 3363 Neuinfektionen ein neuer Rekord vermeldet. Insgesamt wurden in dem osteuropäischen Land bislang mehr als 55.000 Infektions- und mehr als 200 Todesfälle verzeichnet.

Seit dem vergangenen Wochenende gelten eine nächtliche Ausgangssperre und weitere Beschränkungen. Die Menschen dürfen das Haus nur für den Weg zur Arbeit, Arztbesuche, den Einkauf von Lebensmitteln, Spaziergänge in der Natur und in einigen anderen Ausnahmefällen verlassen.

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