Die Mitarbeiterin einer Klinik in Wuhan untersucht einen Patienten. | Bildquelle: AFP

Studie aus Wuhan Schädigt Corona das Nervensystem?

Stand: 11.04.2020 16:22 Uhr

Bislang wurde das neuartige Coronavirus vor allem mit Husten, Fieber und Atembeschwerden in Verbindung gebracht. Eine Studie aus Wuhan zeigt nun, dass auch Schädigungen des Nervensystems Folge einer Erkrankung sein könnten.

Einer Studie zufolge kann eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu neurologischen Symptomen führen. Zu diesem Ergebnis kommen chinesische Wissenschaftler in einer Untersuchung mit Patienten in Wuhan - dem Ort, von dem aus sich das Virus weltweit ausbreitete.

In der Fachzeitschrift "JAMA Neurology" berichten die Mediziner, dass mehr als ein Drittel der untersuchten Patienten Anzeichen für eine Schädigung des Nervensystems gezeigt habe. Zu den häufigsten Symptomen gehörten demnach Schwindel und Kopfschmerzen sowie Riech- und Geschmacksstörungen.

"Wir tappen noch im Dunkeln"

Hinweise darauf, dass das Coronavirus derartige Auswirkungen haben könnte, gab es schon länger. In den vergangenen Tagen hatten sich Berichte darüber gehäuft, dass Corona-Patienten zumindest zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Die genauen Zusammenhänge sind aber noch unklar. "Es gibt bisher nur ganz wenige Untersuchungen am Gehirn von Corona-Patienten. Da tappen wir noch im Dunkeln", sagte der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg der Deutschen Presse-Agentur.

Die Studie aus Wuhan stützt sich auf die Auswertung von Patientenakten, Laborbefunden und radiologischen Untersuchungen für 214 Studienteilnehmer mit nachgewiesener Covid-19-Erkrankung. 78 von ihnen zeigten neurologische Symptome. Je gravierender die Covid-19-Erkrankung insgesamt war, desto schwerwiegender äußerten sich die Symptome.

Bei Anzeichen wie Kopfschmerzen und Schwindel bleibe jedoch unklar, ob diese Ausdruck der Krankheit seien oder Teil einer systemischen Entzündungsreaktion bei Patienten, die bereits sehr krank waren. Diese Frage müssten künftige Studien untersuchen.

Nervenschäden bei SARS und MERS bereits bekannt

Auch von SARS und auch MERS, ebenfalls auf einen Coronavirus zurückgehende Erkrankungen, ist bekannt, dass sie Schädigungen des Nervensystems bewirken können. Für beide Infektionen wurde experimentell belegt, dass das Virus über die Riechnerven in der Nasenhöhle ins Gehirn eintreten kann. Im Gegensatz zu den SARS-Infektionen in den Jahren 2002/2003 zeigten sich diese Symptome bei dem neuartigen Coronavirus schon zu Beginn des klinischen Verlaufs, so die aktuelle Studie.

Im Fall von Covid-19 wird nun diskutiert, ob etwa ein Atemstillstand auch Resultat neurologischer Schäden sein könnte - beispielsweise bei einer Entzündung des Hirnstamms, wo auch die Steuerung für das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege sitzt. Aus neurologischer Sicht sei es wichtig, abzuklären, wie viele der schweren Krankheitsverläufe durch die Mitbeteiligung des zentralen Nervensystems ausgelöst werden, bemerkte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Visite" auf N3 am 7. April 2020 um 20:15 Uhr.

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