Ein Polizist kontrolliert ein Auto in Casalpusterlengo. | Bildquelle: AP

Coronavirus-Ausbruch Leben in Italiens "roter Zone"

Stand: 25.02.2020 01:54 Uhr

In Norditalien sind inzwischen sieben Menschen an dem Coronavirus gestorben. Mehrere Städte sind abgeriegelt, niemand kommt rein oder raus. Die Menschen vor Ort stellt das teilweise vor arge Probleme.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom, z.Zt. Casalpusterlengo

Zwei Polizisten mit Uniform und Mundschutz halten jedes Auto auf, das hier in den Kreisverkehr bei Casalpusterlengo fahren möchte, schicken die Fahrer zurück auf die Autobahn, erklären geduldig Ausweichrouten. Denn egal, ob man im Kreisverkehr nach links, rechts oder geradeaus fährt - überall ist zona rossa, die rote Zone.

Wer hier reingeht, kommt normalerweise nicht wieder raus: Denn die Menschen, die in zehn Orten hier in der Gegend wohnen, stehen unter Quarantäne, rund 50.000 Leute sind betroffen. Hier sind besonders viele Corona-Fälle aufgetreten, die Behörden versuchen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Ein Auto nach dem anderen fertigen die Polizisten ab. Am Straßenrand steht währenddessen ein großer Lastwagen, der Fahrer öffnet das Fenster. Er wohne nicht in der roten Zone, aber er müsse unbedingt durch das Sperrgebiet, sagt er.

Ich komme nicht nach Hause, die einzige Straße, die ich mit dem Lastwagen nehmen kann, ist die hier. Jetzt schauen sie, was sich machen lässt.

Lage ändert sich stündlich

Sie, das sind die Polizisten - früh am Morgen hätten sie ihn noch durchfahren lassen, sagt der Lastwagenfahrer. Doch hier ändert sich momentan vieles innerhalb weniger Stunden. Er wolle einfach nur nach Hause, sagt der Mann, aber fügt hinzu: Eigentlich mache die Quarantäne ja schon Sinn, die Behörden hätten Recht.

Italien am stärksten von Infektionen betroffen
tagesthemen 23:30 Uhr, 24.02.2020, Ellen Trapp, ARD Rom

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Inzwischen hat sich eine lange Schlange von Autos gebildet, einige Fahrer ziehen eine Art Sondererlaubnis aus der Tasche, viele versuchen, die Polizisten zu überzeugen, dass sie weiterfahren dürfen. Ganz hinten steht ein weißes Auto, der Fahrer Massimo kommt aus einem Ort ganz in der Nähe. Auch er will unbedingt rein ins Sperrgebiet:

Ich versuche, meinen Sohn rauszuholen, wenn sie mich reinlassen. Aber sie lassen mich sicher nicht rein. Meinem Vater geht es nicht so gut, mein Sohn ist bei ihm. Ich will ihn jetzt nach Hause holen. Aber die da haben das heute Morgen nicht zugelassen. Ich versuche es jetzt wieder.

Hoffen auf Ausnahmen

Er verstehe die Maßnahmen, sagt auch Massimo. Aber seinen Sohn will er trotzdem lieber bei sich haben, deswegen versucht er wieder sein Glück, hofft auf eine Ausnahme.

Infografik Verbreitung neues Coronavirus Stand 25.2.2020, 12:00 Uhr
galerie

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 25.02.2020, 12:00 Uhr

Nur ein paar Meter weiter, direkt hinter den Polizisten, warten zwei Männer. Vinicio ist einer von ihnen, er trägt Mundschutz, wohnt in Casalpusterlengo. So wie die Autos nicht reindürfen, darf er nicht raus, nur ein Gespräch aus weiter Entfernung ist möglich.

Wir dürfen diese Linie nicht überschreiten und deswegen warten wir auf unsere Kollegen, die in einer nicht kontaminierten Zone wohnen. Sie bringen uns Computer, damit wir von zuhause aus arbeiten können.

Die Notsituation wird zum Alltag

Am Anfang gab es viel Aufregung bei ihm im Ort, erinnert sich Vinicio - mittlerweile sei die Notsituation Alltag geworden. Zwei Wochen lang werden sie hier mehr oder weniger gefangen sein. Er hoffe nur, dass die Supermärkte rechtzeitig aufgefüllt werden, sagt er. Die Quarantäne kann er verstehen, auch er kennt Leute in seinem Ort, die positiv auf das Virus getestet wurden. Er sei vorsichtig, ja.

Angst - nein. Wir versuchen, so wenig wie möglich rauszugehen, bis auf Sonderfälle, so wie jetzt. Ich bin ein bisschen besorgt wegen meiner Eltern, die schon älter sind. Ich kaufe für sie ein, sage ihnen, sie sollen möglichst nicht rausgehen. Denn das Virus trifft ältere Menschen schlimmer.

Am Kontrollpunkt ist mittlerweile Massimo an der Reihe. Man kann nicht genau verstehen, was er zu den Polizisten sagt - aber schnell wird klar: Er hat keinen Erfolg, muss ohne seinen Sohn umdrehen. Wieder einmal. Kurze Zeit später winken die Polizisten den Lastwagenfahrer, der so dringend nach Hause will, heran. Für ihn wird eine Ausnahme gemacht, er darf durch die rote Zone fahren, weil es anders nicht geht. Die Polizisten drücken ihm noch einen Mundschutz in die Hand, den muss er aufsetzen. Und dann geht es los. "Vado - grazie - benissimo, ciao…"

Coronavirus in Italien: Reportage vom Rand der „roten Zone"
Lisa Weiß, ARD Rom, zzt. Mailand
25.02.2020 00:23 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Februar 2020 um 23:30 Uhr.

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