Ein Feuerwehrmann desinfiziert im Iran Gebäude wegen des Coronavirus. | AFP

Coronavirus Iraner zweifeln offizielle Zahlen an

Stand: 08.03.2020 21:18 Uhr

Der Iran ist mit am stärksten vom Coronavirus betroffen. Doch viele Menschen trauen den Angaben der Behörden nicht, wenn es um die Fallzahlen geht. Es gibt Einschränkungen im Alltag - auch in anderen Ländern der Welt.

Der Iran ist mit mehr als 6500 nachgewiesenen Infektionen neben China, Südkorea und Italien am stärksten von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Die Zahl der Todesfälle stieg innerhalb der vergangenen 24 Stunden um 49 auf 194 - das ist der höchste Anstieg seit dem Beginn der Epidemie im Iran Mitte Februar.

Viele Menschen im Land glauben den offiziellen Zahlen jedoch nicht, wie die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri berichtet. Internationale Wissenschaftler hätten schon vor Wochen die Zahlen um ein Vielfaches höher eingeschätzt.

Es fehlt an Medikamenten, Masken und Fieberthermometern. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens sind lahmgelegt. Landesweit wurden Schulen und Universitäten geschlossen, große Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt. Viele Menschen fürchten die wirtschaftlichen Folgen, die das Virus für das Land haben wird.

Von 100 Abgeordneten, die sich einem Test unterzogen hatten, waren über 20 positiv. Neben einem der engsten Berater des geistlichen Oberhauptes, Ayatollah Ali Chamenei, sind weitere Politiker gestorben.

Keine Flüge nach Europa

Die staatliche iranische Fluggesellschaft Iran Air kündigte an, bis auf weiteres ihre Flüge nach Europa auszusetzen. "Aus uns noch unbekannten Gründen hat es seitens der europäischen Länder Limitierungen für die Iran Air Flüge gegeben", sagte ein Sprecher.

Iran Air führe aber Verhandlungen, um diese Begrenzungen umgehend wieder aufzuheben, erklärte der Sprecher laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA.

Mehr als 1000 Corona-Fälle in Frankreich

Auch in anderen Ländern greift das Virus weiter um sich: In Frankreich sind inzwischen mehr als 1120 Infektionsfälle bestätigt, 19 Menschen starben dort an einer Corona-Infektion. Das Gesundheitsministerium untersagte deshalb vorerst Menschenansammlungen von 1000 und mehr Personen.

Saudi-Arabien hat die Provinz Qatif im Osten des Landes zur Sperrzone erklärt, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Landesweit bleiben vorerst Schulen und Hochschulen geschlossen. Bislang sind in dem Staat elf Ansteckungsfälle bestätigt.

Portugals Präsident sagt Termine ab

Der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa hat wegen des Coronavirus alle öffentlichen Auftritte abgesagt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem er kürzlich eine Schülergruppe empfangen habe, deren Schule wegen der Erkrankung eines Schülers an Covid-19 geschlossen wurde, teilte sein Büro mit. Dieser Schüler habe nicht zu der Gruppe gehört, die Rebelo de Sousa empfangen habe. Der 71-Jährige habe auch keine Symptome der Lungenkrankheit, erklärte da Präsidialamt weiter. In Portugal wurden bis Sonntag 25 Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt.

"Costa Fortuna" darf nicht anlegen

Malaysia und Thailand lassen unterdessen ein Kreuzfahrtschiff mit Dutzenden Italienern an Bord nicht in ihren Häfen anlegen. Der malaysische Politiker Phee Boon Poh erklärte, das Anlegeverbot für die "Costa Fortuna" im Bundesstaat Penang stand im Zusammenhang mit einer Entscheidung der malaysischen Regierung, Kreuzfahrtschiffe nur noch eingeschränkt Genehmigungen zum Einlaufen in malaysische Häfen zu erteilen.

Die "Costa Fortuna" sei nun auf dem Weg nach Singapur, sagte Phee weiter. Nach Angaben der Reederei war das Schiff am Freitag in Phuket abgewiesen worden, weil die thailändischen Behörden Coronavirus-Fälle auf dem Schiff befürchteten. Nach Angaben der Reederei Costa Cruises gibt es keinen Verdachtsfall an Bord des Schiffs.

Thailand habe Reisebeschränkungen für Italiener erlassen, die in den vergangenen 14 Tagen in Italien gewesen seien, teilte Costa Cruises auf Twitter mit. Nach Angaben der malaysischen Behörden befinden sich 64 Italiener an Bord der "Costa Fortuna". 

"Grand Princess" darf in US-Hafen einlaufen

Das seit Tagen vor Kalifornien liegende Kreuzfahrtschiff "Grand Princess" darf nun im Hafen von Oakland andocken. Auf dem Schiff wurden 21 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen, davon 19 bei Besatzungsmitgliedern und zwei bei Passagieren. Allerdings wurden bisher erst 46 der 3533 Menschen an Bord auf das Virus getestet.

Passagiere, die eine "akute medizinische oder stationäre Behandlung" benötigten, dürften das Schiff von Montag an verlassen, teilte die Reederei Princess Cruises mit.

Kalifornische Passagiere sollen nach dem Verlassen des Schiffs in einer Klinik in Kalifornien auf das Coronavirus getestet und isoliert werden, teilte die Reederei weiter mit. Alle nicht aus Kalifornien stammenden Passagiere würden von der US-Regierung "in Einrichtungen in anderen Bundesstaaten" verlegt. Die Besatzung der "Grand Princess" werde an Bord unter Quarantäne gestellt und behandelt.

Mindestens 21 Menschen auf der "Grand Princess" sind mit dem Coronavirus infiziert.  | dpa

Mindestens 21 Menschen auf der "Grand Princess" sind mit dem Coronavirus infiziert. Bild: dpa

Moskau droht mit Haft

Die Stadt Moskau droht ihren Bürgern mit bis zu fünf Jahren Haft, wenn sie sich nach einem Besuch in besonders von der Epidemie betroffenen Ländern nicht wie angeordnet selbst unter Quarantäne stellen. Das teilt die Verwaltung der russischen Hauptstadt mit.

Wer aus China, Südkorea, dem Iran, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und anderen Ländern zurückkehre, müsse zwei Wochen lang zu Hause bleiben und sich selbst isolieren. Wer dagegen verstoße, riskiere schwere Strafen. In Russland gibt es bislang 15 bestätigte Infektionsfälle.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2020 um 13:15 Uhr und 17:15 Uhr.