Ein Hafenarbeiter in Hongkong trägt eine Atemschutzmaske. | AFP

Ausbreitung des Coronavirus Tausende Kreuzfahrer festgesetzt

Stand: 05.02.2020 08:49 Uhr

China meldet neue Höchstzahlen bei den Infektionen und den Todesfällen durch das neue Coronavirus. Zur Sicherheit nahmen die Behörden zwei Kreuzfahrtschiffe an die Kette. Tausende Passagiere stehen unter Quarantäne.

Durch das neuartige Coronavirus sind in China bisher 490 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Infektionen stieg nach Angaben chinesischer Gesundheitsbehörden auf 24.324. Außerhalb Chinas gibt es mindestens 180 Fälle, darunter je einen Todesfall in Hongkong und auf den Philippinen.

3700 Menschen müssen an Bord bleiben

Inzwischen haben Gesundheitsbehörden zwei Kreuzfahrtschiffe mit Tausenden Menschen an Bord festgesetzt. In Japan dürfen die 3700 Passagiere und Besatzungsmitglieder der "Diamond Princess" das Schiff für 14 Tage nicht verlassen. Bei zehn Passagieren wurde das Coronavirus nachgewiesen, weitere Tests stehen noch aus.

Unter den bislang bestätigten Fällen ist kein Deutscher. Nach Angaben der Reederei kommen die Betroffenen aus Japan, Australien, Hongkong, den USA und den Philippinen. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht. An Bord des Schiffes sind acht deutsche Passagiere.

Auch in Hongkong Schiff unter Quarantäne

Auslöser der Quarantäne war die Infektion eines 80-Jährigen aus Hongkong, der am Samstag positiv auf das Virus getestet worden war. Der Mann sei am 20. Januar in Yokohama zugestiegen und fünf Tage später in Hongkong von Bord der gegangen, hieß es. Daraufhin wurden 273 Menschen untersucht, die entweder Symptome oder engen Kontakt mit dem Mann hatten.

Auch in Hongkong steht ein komplettes Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne: Die 1800 Passagiere und Besatzungsmitglieder der "World Dream" werden alle auf das Coronavirus getestet.

Verbreitung neues Coronavirus

Bestätigte Fälle gibt es bislang (Stand 05.02.20) hauptsächlich in China. Dann folgen mit deutlichem Abstand Japan, Thailand, Singapur, Südkorea, Australien, Deutschland, USA, Taiwan, Malaysia, Vietnam, Frankreich, Vereinigte Arabische Emirate, Kanada, Indien, Philippinen, Russland, Italien, Großbritannien, Belgien, Nepal, Sri Lanka, Schweden, Spanien, Kambodscha und Finnland.

30 Crewmitglieder klagen über Symptome

30 Angehörige der Crew hätten über Fieber und andere Symptome geklagt, teilen die Hongkonger Behörden mit. 90 Prozent der Passagiere seien Bürger der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Vom chinesischen Festland stamme keiner der Reisenden.

Allerdings hielten sich vom 19. bis 24. Januar drei Festland-Chinesen auf dem Schiff auf, bei denen das Virus festgestellt wurde. Mit ihnen soll aber keiner der jetzigen Passagiere Kontakt gehabt haben.

Hongkonger protestieren für Grenzschließung

In Hongkong protestierten mehr als 7000 Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter dafür, die Grenze zu Festlandchina komplett zu schließen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das berichtete der Bund der Krankenhausmitarbeiter. Doch wurden in Hongkong vier neue Fälle gemeldet, ohne dass die Personen angaben, nach China gereist zu sein. Das bedeutet, dass die Patienten sich wahrscheinlich in Hongkong ansteckten. Die Metropole war von der SARS-Pandemie 2002/2003 stark getroffen worden.

Aus Angst vor dem Virus hat Großbritannien alle Landsleute in China zur Ausreise aufgerufen. "Wir raten britischen Staatsangehörigen, das Land zu verlassen, falls sie können, um ihr Infektionsrisiko zu minimieren", teilte Außenminister Dominic Raab in London mit. Sollten sich Briten in der Krisenregion von Hubei aufhalten und zurückkehren wollen, werde man rund um die Uhr daran arbeiten, das zu ermöglichen.

US-Amerikaner und Russen ausgeflogen

Derweil flogen die USA und Russland weitere Staatsbürger aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina aus. Nach Angaben der US-Botschaft in Peking sind zwei weitere Flugzeuge in die USA gestartet.

Damit seien insgesamt 500 Personen zurückgeholt worden. Es werde möglicherweise am Donnerstag noch einen oder mehr Flüge geben, um Bürger aus Wuhan zurück in die USA zu bringen.

Auch milde Form des Virus ansteckend

Deutschland hatte Bundesbürgern geraten, von Reisen nach China abzusehen, aber ausdrücklich davor gewarnt, die Provinz Hubei zu besuchen. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte: "Es ist doch in der aktuellen Lage eine Selbstverständlichkeit, dass jemand, der nicht in China lebt oder sein muss, einen Aufenthalt dort vermeidet oder beendet."

Das Coronavirus kann nach Erkenntnissen deutscher Forschungsinstitute auch von Patienten mit nur sehr milden Krankheitssymptomen übertragen werden. Die Charité in Berlin, die München Klinik Schwabing und das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass einige der derzeit in der Klinik Schwabing in München behandelten Patienten auch bei nur schwachen Symptomen ansteckende Viren in ihrem Nasen-Rachen-Raum zeigten.

Zudem sei festgestellt worden, dass sich das Virus unabhängig von der Lunge auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehrt. Diese Beobachtungen seien deutliche Hinweise für eine Übertragbarkeit bereits bei milder oder beginnenden Erkältungssymptomen wie Halsschmerzen, einer Nasennebenhöhlen-Infektion oder nur einem leichten Krankheitsgefühl ohne Fieber.

12 erkrankte Deutsche in stabilem Zustand

Nach Angaben der Ärzte geht es den zwölf Erkrankten in Deutschland gut. Außer zwei Infizierten, die am Samstag mit anderen Deutschen aus Wuhan ausgeflogen worden waren, gibt es zehn Patienten in Bayern, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Zwei von ihnen haben nur leichtes Fieber. Bei Webasto war eine infizierte Kollegin aus China zu Gast gewesen. Auch der auf der Kanareninsel La Gomera infizierte Deutschen ist nach Angaben der Behörden wohlauf.

Die radikalen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie haben in China zu einer drastischen Verlangsamung des öffentlichen Lebens geführt. Viele Fabriken und Büros sind vorerst weiter geschlossen. Manche Firmen wie Volkswagen in Peking lassen ihre Angestellten von Zuhause aus arbeiten. Vielfach sind aber Lieferketten schon unterbrochen. Wie die Lufthansa haben viele Airlines ihre China-Flüge gestrichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Februar 2020 um 07:00 Uhr.