Ein Scooter-Fahrer in Nizza | REUTERS

Corona an der Côte d'Azur "Wir müssen uns zusammenreißen"

Stand: 23.02.2021 10:38 Uhr

Seit Tagen steigt in Frankreich die Zahl der Corona-Infektionen. Besonders beunruhigend ist die Lage an der Côte d'Azur - an Wochenenden gilt dort künftig ein Lockdown. Auch weitere Regionen bereiten Sorge.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Frühlingsgefühle an der Côte d'Azur - zumindest für die kommenden Wochenenden sind die erst mal ausgesetzt. Die Inzidenz in Nizza liegt mit 700 mehr als drei Mal so hoch wie im Landesdurchschnitt. 80 Prozent der Intensivbetten der städtischen Krankenhäuser seien aktuell belegt, erklärte Bernard Gonzales, Präfekt des Départements Alpes Maritimes.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Härtere Maßnahmen mussten nun laut Gonzales her: "An den kommenden beiden Wochenenden gilt eine weitgehende Ausgangssperre in der Küstenregion. Vor allem bei dem schönen Wetter, bei dem wir alle gerne rausgehen wollen, müssen wir uns jetzt zusammenreißen. Es wird sich lohnen. Nur so können wir die Dynamik der Pandemie stoppen."

Ausgang im Fünf-Kilometer-Radius

Nur noch mit triftigem Grund dürfen sich die Menschen in der Küstenregion um Nizza und Cannes an den Wochenenden draußen bewegen - eine Stunde im Umkreis von fünf Kilometern um die Wohnung. Außerdem gilt ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, Geschäfte mit einer Ladenfläche von mehr als 5000 Quadratmetern müssen schließen.

Es ist das erste Mal, dass Frankreich auf dem Festland einen regionalen Teil-Lockdown verhängt: "Es brauchte harte Maßnahmen. Außerdem werden wir mehr Impfstoff in die Region schicken, unsere Teststrategie und die Nachverfolgung ausweiten. Wir müssen die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment treffen, und zwar dann, wenn das Gesundheitssystem unter Druck gerät", sagt Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran.

Auch steigende Zahlen in Nordfrankreich

Die Côte d'Azur ist aber nicht Frankreichs einziges Sorgenkind. Im nordfranzösischen Dunkerque steigt die Sieben-Tage-Inzidenz seit gut zwei Wochen, mittlerweile liegt sie bei über 900. Grund dafür ist unter anderem die britische Corona-Mutation.

Einen Lockdown im Großraum Dunkerque hatte die Regierung bis jetzt immer wieder ausgeschlossen, obwohl viele lokale Abgeordnete darauf gedrängt hatten. Nun will sich der Gesundheitsminister noch einmal mit Dunkerques Bürgermeister in Verbindung setzen. Ergebnis offen. "Und dann haben wir noch die spezielle Situation im Département Moselle. Dort sind die Krankenhäuser zwar nicht an ihrer Belastungsgrenze, aber die südafrikanische Variante ist dort das Problem."

Auch im an Deutschland angrenzendem Département Moselle hatten Bürgermeister schon einen Lockdown gefordert. Die Inzidenz liegt hier mit 300 allerdings wesentlich niedriger als in Nizza oder Dunkerque.

Lockdown als allerletztes Mittel

Frankreichs Regierung versucht die Situation erst einmal anders in den Griff zu bekommen: Verstärkte Teststrategie, ausgeweitete Maskenpflicht und mehr Impfstoff. Der Lockdown als allerletztes Mittel, ob regional oder national. Das sei derzeit Frankreichs Corona-Strategie, wiederholt auch jetzt wieder Regierungssprecher Gabriel Attal: "Wir haben die Ausgangssperre ab 18 Uhr. Das ist eine sinnvolle Maßnahme, um das Virus einzudämmen. Das sagen uns auch die Virologen. Wenn der Moment kommt, an dem das Virus wieder im ganzen Land unkontrolliert zirkuliert, dann werden wir auch nationale Maßnahmen treffen müssen."

Noch sei es nicht so weit. Von Anfang Januar bis Mitte vergangener Woche waren die Corona-Zahlen in Frankreich konstant auf hohem Niveau. Etwas weniger als 20.000 Neuinfektionen im Wochenschnitt, Tendenz sogar leicht sinkend. Seit Ende der Woche steigen sie wieder. In acht bis zehn Tagen, hieß es am Wochenende, wolle Präsident Emmanuel Macron die Situation neu evaluieren, über Lockerungen oder Verschärfungen werde erst dann entschieden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Februar 2021 um 08:38 Uhr.