Mitarbeiterin eines Pubs in Soho putzt den Tresen | FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/Shu

Corona-Lockerungen in England Durststrecke vorbei - Pubs wieder offen

Stand: 04.07.2020 15:43 Uhr

"Herrlich", schwärmt ein Pub-Besucher in London. Seit diesem Wochenende dürfen Restaurants, Pubs und Cafés sowie Kinos, Museen und auch Friseure wieder öffnen - aber nicht in ganz Großbritannien.

Bier wird frisch gezapft, die Haare wieder in Form gebracht: In der Coronavirus-Pandemie erlebt England seine bislang umfangreichsten Lockerungen. Neben Pubs und Restaurants öffneten erstmals seit mehr als drei Monaten auch wieder Kinos, Museen und Bibliotheken - und die Friseurläden. Im Standesamt durfte wieder geheiratet werden.

Aber in allen Fällen müssen die Abstandsregeln für Sozialkontakte eingehalten werden. Während die Bevölkerung in England die Öffnungen weitgehend begrüßt, sorgen sich manche, dass die britische Regierung angesichts der hohen Coronavirus-Zahlen zu voreilig ist.

Erstes Pint für den Prinzen

"Herrlich", seufzte Andrew Slawinski in einem Pub im Norden Londons. Er griff damit wohl die Stimmung vieler in der Nation auf, die seit Ende März vor verschlossenen Türen im Gastgewerbe standen. 

Die Wiedereröffnung nehmen ließ sich auch Prinz William nicht: Der britische Thronfolger zeigte sich bereits am Freitag gut gelaunt bei einem Auftritt in einem Pub im Osten Englands. Vorbildlich desinfizierte er vor dem ersten Schluck aus dem Bierglas seine Hände. 

Prinz William desinfiziert sich im Pub "The Rose and Crown" die Hände. | AP

Vorbildlich: Prinz William desinfiziert sich im Pub "The Rose and Crown" die Hände. Bild: AP

Pubs öffnen nicht in Schottland, Wales und Nordirland

Die Wiedereröffnung von Bars und Restaurants ist in anderen Ländern als Grund genannt worden, warum die Zahl der Neuinfektionen wieder gestiegen ist. In Schottland, Wales und Nordirland müssen sich die Menschen noch gedulden, bevor sie wieder in den Pub gehen können. Die Regionalregierungen wollen an der alten Anweisung festhalten, am besten zuhause zu bleiben. In Großbritannien legt jeder Landesteil seine eigenen Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie fest.

Premierminister Boris Johnson hatte die Lockerungen erlaubt, zugleich aber gemahnt, die Engländer sollten es nicht "vermasseln". Auch Bas Javid von der Londoner Polizei rief die Hauptstädter auf, vernünftig zu bleiben und sich weiter an die Abstandsregeln zu halten.

Keine Maskenpflicht - auch nicht fürs Personal

Die Pubs und Restaurants müssen sicherstellen, dass die Gäste einen Meter voneinander entfernt sind und Desinfektionsmittel bereitstellen. Aber eine Maskenpflicht gibt es nicht, auch nicht für das Personal. Die größte Frage ist wohl, was passieren wird, wenn Kneipengänger etwas über den Durst trinken.

Finanzminister Rishi Sunak forderte die Briten am Samstag auf, "auswärts zu essen, um zu helfen". Die Corona-Ausgangsbeschränkungen haben viele Wirtschaftsbereiche in Großbritannien gefährdet, nicht nur die 37.500 Pubs in England. Das Gastgewerbe sei ein großer Teil der britischen Wirtschaft, so Sunak.

Britische Pubs und Bars beschäftigen alleine fast eine halbe Million Menschen, deshalb ist es eine gute Nachricht, dass so viele Menschen an diesem Wochenende zurück an die Arbeit gehen können, und uns helfen, den Sommer sicher zu genießen.

Illegale Partys

Zuletzt gab es mehrere Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Teilnehmern von illegalen Partys. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden sieben Einsatzkräfte bei dem Versuch verletzt, eine illegale Party im Westen Londons aufzulösen. Auf sie seien Steine und andere Gegenstände geworfen worden, hieß es.

Vor wenigen Tagen wurden 22 Polizisten leicht verletzt, als eine Straßenparty im Süden Londons in Gewalt endete. Außerdem gab es Zusammenstöße in Notting Hill in West-London.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Juli 2020 um 15:00 Uhr.