Der britische Premier Johnson bei einer Coronavirus-Pressekonferenz. | REUTERS

Pandemie Britische Corona-Variante womöglich tödlicher

Stand: 23.01.2021 01:27 Uhr

Die zuerst in Großbritannien aufgetretene Corona-Mutation ist laut Premier Johnson offenbar nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher. Daten belegten zudem, dass die Variante für alle Altersgruppen gleich bedrohlich sei.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Es gebe Hinweise darauf, dass die neue, zuerst in Großbritannien registrierte Variante des Coronavirus tödlicher sei als die alte, erklärt Boris Johnson bei einer Pressekonferenz aus dem Regierungssitz in 10 Downing Street. Die Datenlage sei allerdings noch unsicher, fügt sein wissenschaftlicher Chefberater, Patrick Vallance, hinzu. 

Wenn wir uns die Daten von Patienten in den Krankenhäusern ansehen, dann sind sie bei der alten und der neuen Variante gleich. Wenn wir uns aber die Daten von all denen ansehen, die positiv getestet wurden, dann stellen wir ein höheres Risiko bei denen mit der neuen Variante verglichen zu denen mit der alten Variante fest.
Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Eine Erklärung dafür nennt der Regierungsberater nicht. Aber er erläutert, was das in konkreten Zahlen heißt. "Wenn wir einen infizierten Menschen um die 60 nehmen, dann liegt das durchschnittliche Risiko für ihn, zu versterben, in der alten Variante bei 10 von 1.000 Infizierten. In der neuen Variante liegt es bei 13 bis 14 von 1.000 Infizierten."

Variante macht größten Teil der Neuinfektionen aus

Die neue Covid-Variante wurde im Oktober zuerst in London und im Südosten von England entdeckt, zurückverfolgen ließ sie sich bis in den September. Inzwischen hat sie sich im ganzen Land ausgebreitet und macht den größten Teil der Neu-Infektionen aus. Sie ist der Grund dafür, warum die Krankenhäuser des britischen Gesundheitsdienstes NHS unter so immensem Druck stehen, sagt Johnson.

Die Zahl der Covid-Patienten in den Kliniken liegt nach Angaben des Premierministers jetzt um 78 Prozent höher als der Höchststand während der ersten Welle im vergangenen Frühjahr. Derzeit werden in Großbritannien täglich rund 40.000 neue Infektionen registriert. Gleichzeitig läuft das britische Impfprogramm auf Hochtouren. 5,5 Millionen Menschen wurden seit Anfang Dezember geimpft, davon allein 400.000 in einem 24-Stunden-Zeitraum von Donnerstag auf Freitag. Alle vorliegenden Belege zeigen, dass beide zur Zeit eingesetzten Impfstoffe auch gegen die neue Variante effektiv sind, erklärt der Regierungschef.

Sicher sind sich die Mediziner inzwischen, dass sich die neue Variante um 30 bis 70 Prozent schneller ausbreiten kann. Woran das liege, wisse man aber noch nicht, sagt Johnsons Berater Vallance. Sie betreffe auch nicht eine Altersgruppe stärker als eine andere, sondern sei eine gleich große Bedrohung für alle.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2021 um 09:50 Uhr.