In Indien wird an der Grenze zu Bangladesch die Temperatur eines einreisenden Inders gemessen. | Bildquelle: AFP

Kooperation in Südasien Coronavirus bringt Feinde zusammen

Stand: 16.03.2020 11:06 Uhr

Noch ist die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus in Südasien vergleichsweise klein. Damit es so bleibt, wollen einige Staaten nun zusammenarbeiten. Das fällt nicht allen leicht.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Die zum Teil bitter verfeindeten Nachbarstaaten in Südasien wollen enger zusammenarbeiten, um eine Ausbreitung des Coronavirus in der Region zu verhindern. Bei einer Videokonferenz der sogenannten SAARC-Länder, wie die regionale Kooperation der Staaten in Südasien genannt wird, schlug Indiens Premierminister Narendra Modi einen gemeinsamen Fonds vor, um wirtschaftlich schwächeren Mitgliedern der Gemeinschaft finanzielle Hilfen im Kampf gegen Corona zur Verfügung zu stellen.

"Ich schlage einen Covid-19-Fonds vor, in den alle von uns auf freiwilliger Basis einzahlen" so Modi. Indien sei bereit, mit zehn Millionen US-Dollar zu starten. "Jedes Mitgliedsland kann die Mittel nutzen, um Sofortmaßnahmen gegen Corona zu finanzieren."

Auch in Südasien sind viele Grenzen zu

Die meisten Länder in der Region haben weitgehende Maßnahmen getroffen, um ihre Staatsbürger vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu schützen. Viele Grenzen sind bereits geschlossen.

Afghanistan könne sich das kaum leisten, wandte Präsident Ashraf Ghani während der Videoschalte ein. Doch der Zustrom von Tausenden Afghanen aus dem benachbarten Iran könne nicht gestoppt werden. "Unsere größte Verwundbarkeit liegt in der offenen Grenze zum Iran, einem der Haupt-Corona-Gebiete", sagte Ghani.

Afghanistan liege im Zentrum von Asien, ohne Zugang zum Meer. "Eine Schließung unserer Grenzen hätte schwerwiegende Konsequenzen für die Versorgung unserer Staatsbürger mit Medizin, Lebensmitteln und anderen Versorgungsgütern."

Touristen bleiben aus

Die Staats- und Regierungschefs der Malediven und Sri Lankas klagten insbesondere über den Zusammenbruch des Tourismus in ihren Ländern. Das habe schlimme Auswirkungen für die gesamte Wirtschaft seines Landes, so der Präsident der Malediven, Ibrahim Mohamed Solih: "Die Zahl der Touristen ist jetzt so drastisch gefallen, wenn das so weitergeht, verzeichnen wir in diesem Jahr ein Minus von 35 Prozent. Und das wirkt sich unmittelbar auf unsere Wirtschaft aus."

Auch Sri Lankas Präsident Gotabaya Rajapaksa klagte über einen schweren Schlag für die Wirtschaft seines Landes infolge der Corona-Pandemie. Die meisten Touristen kämen aus Italien, Deutschland und anderen EU-Staaten. "Und von da kommt jetzt keiner mehr. Unsere Tourismus-Branche hatte sich gerade erst erholt von den Terroranschlägen im April vergangenen Jahres. Und jetzt das."

Strenge Kontrollen in Bangladesch

Die Premierministerin von Bangladesch, Sheikh Hasina, sprach sich für ein abgestimmtes Vorgehen aller SAARC-Mitgliedsländer aus. Bangladesch habe durch frühes Handeln eine Ausbreitung des Virus bislang verhindern können: "Wir konnten ein Eindringen des Virus nach Bangladesch unterbinden, indem wir strenge Kontrollen und medizinische Checks an allen internationalen Flughäfen eingeführt haben, ebenso wie an allen Häfen und Grenzübergängen auf dem Land."

Grenze zwischen Pakistan und Indien | Bildquelle: RAMINDER PAL SINGH/EPA-EFE/Shutt
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An der Grenze zwischen Pakistan und Indien ist derzeit wenig los.

Provokation unter alten Feinden

Getrübt wurde das Gemeinschaftsgefühl der SAARC-Staaten durch einen Einwand Pakistans. Zafar Mirza, der Assistent von Premierminister Imran Khan, kritisierte die Lage in Kaschmir, was von Indien als Provokation aufgefasst wurde.

"Eine gleichmäßige Gesundheitsversorgung ist ein grundlegendes Prinzip im Kampf gegen Corona. Und da auch in Kaschmir Covid-19-Fälle aufgetreten sind, sollten die Zwangsmaßnahmen in dieser Region sofort aufgehoben werden", sagte Mirza.

Möglicherweise hohe Dunkelziffer

Insgesamt gibt es in der Region Südasien, in der rund 1,5 Milliarden Menschen leben, weniger als 150 Corona-Fälle. Offiziell - tatsächlich könnten es deutlich mehr sein. In Indien beispielsweise werden bislang nur die Personen getestet, die entsprechende Symptome haben oder vor kurzem aus einem der Corona-Risikogebiete nach Indien eingereist sind. 

Corona in Südasien: Staaten der Region wollen enger zusammenarbeiten
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
16.03.2020 09:22 Uhr

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