Eine Frau mit Mundschutz und Smartphone in Peking | Bildquelle: AFP

Coronavirus in China Überwachung digital und analog

Stand: 25.02.2020 10:14 Uhr

China überwacht sein Volk wie kaum ein anderes Land. Seit dem Coronavirus-Ausbruch hat das eine neue Dimension erreicht. Bürger müssen ihren Gesundheitszustand und Aufenthaltsort melden.

Von Daniel Satra, ARD-Studio Peking

Nirgendwo sind mehr Überwachungskameras installiert als in China, Marktforscher von IHS Markit schätzen ihre Zahl auf fast 400 Millionen. In der Coronavirus-Krise liefern sie den chinesischen Behörden jetzt Datenmassen, glaubt Katja Drinhausen vom Mercator Institut für China-Studien (MERICS): "Die Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen und an Bahnhöfen spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht nachzuvollziehen: Wo haben sich die Menschen - wo haben sich Infizierte - im Land hinbewegt?" Auf Grundlage dieser Daten würden auch Apps für Smartphones entwickelt.

So zeigen Handy-Apps auf Umgebungskarten, in welchen Wohnanlagen Menschen mit einer Coronavirus-Infektion leben. Fragt man Menschen in Peking auf der Straße, befürworten das viele: "Es ist gut, dass diese Informationen bekannt gegeben werden, je detaillierter, desto besser", sagt einer. Ein anderer meint: "Die Karte dient der Gesellschaft und hilft allen Bürgern."

In Shanghai haben Taxis seit einigen Tagen innen einen QR-Code angebracht. Fahrgäste sollen diesen mit ihrem Handy scannen und in einer App persönliche Informationen sowie ihre Handynummer eintragen, damit sie befördert werden. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Taxifahrer: "Ich habe den QR-Code seit heute im Taxi angebracht, das hilft uns dabei, die Epidemie einzudämmen."

Digitale Überwachung zur Eindämmung des Coronavirus'
Mittagsmagazin, 25.02.2020, Daniel Satra, ARD Peking

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"Gesundheitscode" per Smartphone

In der Millionenmetropole Hangzhou wurden die Menschen als erste aufgefordert, online Auskunft über ihren Gesundheitszustand, ihre vergangenen Aufenthaltsorte und weitere Informationen zu geben. Danach bekam jeder einen "Gesundheitscode" in den Farben Grün, Gelb oder Rot auf sein Smartphone geschickt. Grün heißt keine Einschränkungen, die Menschen können an Straßensperren passieren oder auf den Markt einkaufen gehen. Gelb bedeutet sieben Tage Quarantäne. Wer einen roten Code zugeschickt bekommt, muss sich 14 Tage in Quarantäne begeben.

Im Hintergrund wirken Big Data und große chinesischen IT-Unternehmen, die mit den Behörden eng kooperieren. Nicht alle sind zufrieden mit dem Ampel-Code: So beschwerten sich mehrere Nutzer im chinesischen Social-Media-Dienst Weibo, dass sie zu Unrecht als Rot eingestuft worden waren - ohne Chance, dies richtigzustellen.

Ein Mitarbeiter überwacht Passagiere, die auf dem internationalen Flughafen von Hongkong ankommen | Bildquelle: AP
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Auch auf Flughäfen - wie hier in Hongkong - werden Passagiere überwacht.

Parteikomitee setzt auch auf "analoge Kontrolle"

Beteiligt an der Entwicklung ist der Bezahldienst Alipay vom Tech-Unternehmen Alibaba. Alipay kündigte an, gemeinsam mit Regierungsstellen an einer landesweiten Einführung des Dienstes zu arbeiten. Auch das Unternehmen Tencent mit seiner im ganzen Land verbreiteten Messenger-App WeChat entwickelt einen "Gesundheitscode" in Ampelfarben, der bei Kontrollen von Reisenden und Passanten in ganz China eingesetzt werden soll.

Für Katja Drinhausen vom MERICS ist jedoch klar: "Beim Krisenmanagement setzt Chinas Führung neben digitalen auch auf analoge Maßnahmen der Kontrolle." Eine wichtige Rolle spiele das große Netzwerk der Parteikomitees - zum Beispiel in Wohnvierteln. Dort stehen jetzt Aufpasser und Helfer, über die die Kommunistische Partei bis in den letzten Winkel des Landes verfügt. "Diese wurden alle mobilisiert", so Drinhausen, "denn in der Krise will der Staat unbedingt Präsenz zeigen."

Über dieses Thema berichtete am 25. Februar 2020 das Erste um 13:16 Uhr im ARD-Mittagsmagazin und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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