Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi". | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Pandemie Flüchtlingsrettung ausgesetzt

Stand: 08.04.2020 17:19 Uhr

Italien macht in der Corona-Krise seine Häfen dicht: Seenotretter dürfen mit ihren Schiffen nicht mehr einlaufen. Ein deutsches Rettungsschiff steckt nun mit 150 Menschen an Bord auf dem Mittelmeer fest.

Während der Corona-Krise sollen keine privaten Rettungsschiffe mehr auslaufen, um im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Die Bundesregierung hat nach Angaben eines Sprechers bereits Ende März aus Rom die Information erhalten, dass Seenotretter aufgrund der Corona-Pandemie derzeit keine Häfen in Italien mehr ansteuern könnten. Die Bundesregierung habe Organisationen, die Schiffe unter deutscher Flagge betreiben, entsprechend informiert. Auch die anderen Anrainer-Länder am Mittelmeer lassen demnach keine Rettungsschiffe mehr einlaufen.

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" von der deutschen Organisation "Sea Eye" lief am Montag trotz der Corona-Krise aus und rettete rund 150 Menschen. Die Regensburger Hilfsorganisation appellierte anschließend an die Bundesregierung, für die Geretteten Verantwortung zu übernehmen. Der Sprecher sagte dazu, die Bundesregierung sei derzeit mit allen Beteiligten im Gespräch, um eine Lösung zu finden.

Italien sieht Berlin in der Pflicht

Die "Alan Kurdi" sei derzeit in der Nähe der italienischen Insel Lampedusa, sagte "Sea Eye"-Sprecher Gorden Isler der Deutschen Presse-Agentur. "Klar ist, dass unsere Möglichkeiten sehr limitiert sind und wir in wenigen Tagen eine Lösung brauchen."

Die italienische Regierung forderte Deutschland auf, im Fall der "Alan Kurdi" zu handeln. Die Bundesregierung sei für das unter deutscher Flagge fahrende Schiff verantwortlich, teilte das italienische Verkehrsministerium mit. Man sei sicher, dass Deutschland dieser Verpflichtung nachkomme.

Die italienische Regierung sei "gemäß der Prinzipien der Solidarität und Brüderlichkeit" zur Kooperation bereit. Italien argumentiert, dass man in der aktuellen Gesundheitskrise die sanitäre Versorgung der Migranten nicht garantieren könne.

Freiwillige der Organisation "Sea Eye" retteten am Mittwoch 64 Flüchtlinge vor der libyschen Küste von einem Schlauchboot. | Bildquelle: AP
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Rettungseinsatz der Organisation "Sea Eye" (Archivbild aus dem Jahr 2019).

Medien berichten über Proteste von Einwohnern

In Lampedusa kam es laut italienischen Medienberichten zu Protesten von Einwohnern, die sich wegen der Corona-Pandemie gegen die Ankunft von Migranten wehrten. Dem Sender "Tg24" zufolge hatten einige Neuankömmlinge trotz Quarantäne-Auflagen das Aufnahmezentrum verlassen.

Mehr als 3.000 Migranten sind seit Jahresbeginn in italienischen Häfen gelandet. Im Vorjahreszeitraum betrug die Zahl der gelandeten Bootsflüchtlinge 550.

Die sogenannte Malta-Vereinbarung ist aktuell wegen der Corona-Krise ausgesetzt. Darin hatten sich Länder wie Deutschland bereit erklärt, einen Teil von Migranten von Rettungsschiffen aufzunehmen, die zum Beispiel in Italien ankommen. Italien hat in der Coronakrise mehr als 17.000 Tote zu verzeichnen, im gesamten Land gelten seit Wochen strenge Ausgangssperren.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. April 2020 um 15:06 Uhr.

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