Forscher arbeiten in einem Labor an einem Corona-Impfstoff | Bildquelle: dpa

AstraZeneca und Universität Oxford Toter bei Corona-Impfstoff-Studie in Brasilien

Stand: 22.10.2020 14:11 Uhr

Der erprobte Impfstoff der Oxford-Universität und AstraZeneca gilt als einer der vielversprechendsten Kandidaten weltweit. Nun ist ein Proband der klinischen Studie gestorben. Unklar ist, ob er ein Placebo oder den Wirkstoff erhalten hat.

Während der Studie zu einem Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca in Brasilien ist ein Proband gestorben. Das bestätigte die brasilianische Überwachungsbehörde für Gesundheit, Anvisa, der Nachrichtenagentur dpa. Die Todesursache ist derzeit unklar.

Medienberichten zufolge soll der Mann nicht den Impfstoff, sondern ein Placebo bekommen haben. Mit Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht äußerten sich dazu aber weder das Labor noch die Testzentren oder die Anvisa.

Den Impfstoff hatte der britisch-schwedische Konzern in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford entwickelt. Nach eigenen Angaben war die Anvisa bereits am Montag über den Todesfall informiert worden. Die Empfehlung laute, die Tests fortzusetzen. Der Fall werde derzeit geprüft, Daten über Freiwillige müssten vertraulich behandelt werden.

Toter soll 28-jähriger Arzt gewesen sein

Die Anvisa hat fast ein halbes Dutzend Tests dieser Art erlaubt, 8000 Freiwillige in Brasilien haben in den vergangenen Wochen eine Impfung bekommen. In dem mit rund 210 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Lateinamerikas breitet sich das Virus immer noch aus, zugleich verfügt Brasilien über renommierte Forschungseinrichtungen.

Bei dem Toten handelt es sich dem Fernsehsender CNN Brasil zufolge um einen 28 Jahre alten Mann aus Rio, der wegen Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sei. Weiter berichteten brasilianische Medien, bei dem Toten handele es sich um einen Arzt, der im Kampf gegen die Pandemie tätig gewesen sei und freiwillig an den Testungen teilgenommen habe. Die brasilianische Zeitung "O Globo" schreibt unter Berufung auf ungenannte Quellen, der betreffende Freiwillige habe nicht den Impfstoff, sondern ein Placebo bekommen.

Idor: Keine Zweifel an Sicherheit der Impfstoff-Studie

Gegenüber der ARD erklärte AstraZeneca mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht und die Vorschriften für klinische Studien, dass man keine Stellungnahme zu einzelnen Fällen in einer laufenden Studie abgeben könne. "Aber wir können bestätigen, dass alle erforderlichen Überprüfungsverfahren eingehalten wurden", heißt es. " Alle wichtigen medizinischen Ereignisse werden von den Prüfärzten, einem unabhängigen Sicherheitsüberwachungsausschuss und den Zulassungsbehörden sorgfältig beurteilt. Diese Bewertungen haben zu keinerlei Bedenken hinsichtlich der Fortsetzung der laufenden Studie geführt."

In einer Erklärung des Instituto D'Or (Idor), das die Studie in Rio de Janeiro und Salvador koordiniert, hieß es: "Die rigorose Analyse der bisher gesammelten Daten hat keine Zweifel an der Sicherheit der Studie aufkommen lassen, und ihre Fortführung wird empfohlen." Auf Nachfrage der dpa antwortete das Idor, dass die Studie bisher nicht unterbrochen worden sei.

Impfstoff im Rolling-Review-Verfahren

AstraZeneca hatte die klinische Studie für seinen vielversprechenden Corona-Impfstoff im September vorübergehend gestoppt - offenbar nicht zum ersten Mal. Das Vakzin AZD1222 zählte bis dahin zu den aussichtsreichen Kandidaten unter den potenziellen Corona-Impfstoffen. Sollte sich ein Zusammenhang des Todes des Freiwilligen mit dem Impfstoff herausstellen, wäre dies ein schwerer Schlag für das Projekt.

Der Impfstoff wird derzeit von der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA in einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren geprüft. Bei diesem Verfahren werden Daten aus der klinischen Prüfung fortlaufend eingereicht und bewertet. Mit AstraZeneca hat die EU bereits einen Rahmenvertrag über die Lieferung von Impfdosen geschlossen. Laut dem Bundesgesundheitsministerium entfallen 54 Millionen Impfstoffdosen auf Deutschland. Das würde nach Angaben von Ressortchef Jens Spahn zunächst für rund 27 Millionen Menschen hierzulande reichen.

Brasilien – Teilnehmer einer Corona-Impfstudie gestorben
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
22.10.2020 10:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2020 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.

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